Prof. Dr. Lado Chanturia

Georgien

Jurist, Diplomat, Botschafter von Georgien in Deutschland

DAAD-Stipendium 1991–1993, Gastdozentur 2011–2013

Prof. Dr. Lado Chanturia Botschaft von Georgien in Deutschland


Ich bin sehr verliebt in Deutschland“, schwärmt Professor Lado Chanturia, seit 2014 Botschafter Georgiens in Deutschland. Der Rechtswissenschaftler lehrte an der Universität Tiflis und zwischen 2011 und 2013 war er DAAD-Gastdozent an der Christian-Albrechts-Universität Kiel am Institut für Osteuropäisches Recht. Diese Zuneigung währt seit seinen Göttinger Studienjahren 1991 bis 1993. „Die Zeit in Göttingen hat mein Leben verändert und mir die Tür zur Welt geöffnet.“ Während der in Moskau promovierte Jurist mit Hilfe eines DAAD-Stipendiums für seine Habilitation forschte, drohte Georgien im Bürgerkrieg zu versinken. Der damalige Staatspräsident Schewardnadse wollte ihn als Justizminister gewinnen, doch Lado Chanturia lehnte ab. „Ich musste mich erst auf die Zukunft Georgiens vorbereiten, vor allem auf die anstehende Rechtsreform, und dazu brauchte ich weiteres Fachwissen“, erklärt er.

Die Zeit in Göttingen hat mein Leben verändert und mir die Tür zur Welt geöffnet.
Lado Chanturia

Doch bald baute der 1963 Geborene in seiner Heimat gemeinsam mit deutschen Kollegen das Rechtssystem − stark am deutschen Vorbild orientiert − neu auf. Er verfasste unter anderem das georgische Zivilgesetzbuch. Von 1993 bis 1996 beriet der Rechtswissenschaftler den Justizminister, zwei Jahre später übernahm er selber das Amt. Er führte Richterprüfungen ein und schickte georgische Juristen zu Praktika an deutsche Gerichte. Außerdem setzte er sich für den Aufbau verlässlicher Gerichte und einer funktionierenden Staatsanwaltschaft ein. 1999 wechselte er als Präsident an das Oberste Gericht des Landes; das Parlament wählte ihn einstimmig für zehn Jahre. Lado Chanturia sorgte dafür, dass alle Entscheidungen für jeden zugänglich wurden. „Das Gericht gilt heute aufgrund seiner Neutralität und seiner Modernität als Vorbild in der Region“, sagt er mit Stolz. „Das Recht hat kulturstiftende Kraft und kann die Mentalität ändern. Das ist aber ein langer Prozess, der Geduld fordert.“ Bei diesem Prozess will der Ehrenvorsitzende des Alumni-Vereins in Georgien aktiv mitwirken − auf seine Art. Dazu passt sein Rücktritt als Gerichtspräsident im Sommer 2004. „Ich hatte alles gemacht, was ich machen konnte. Ich brauchte eine Pause.“ Hinter dieser Pause steckte die Zusage für ein Humboldt-Forschungsstipendium am Hamburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, das er während eines Max-Planck-Stipendiums 1996 kennengelernt hatte. Für ihn ist das Institut das „Harvard der Rechtswissenschaft“. Dort stillte er seinen Hunger auf neue geistige Nahrung und schrieb sein rechtsvergleichendes Werk über moderne Geschäftsführung und Haftungsvorschriften in Kapitalgesellschaften. Im Jahr 2010 erschien sein Aufsatz „Die Europäisierung des georgischen Rechts – bloßer Wunsch oder große Herausforderung?“ in deutscher Sprache.

Stand: 2015-09-26