Krzysztof Penderecki

Polen

Komponist, Dirigent

DAAD-Stipendium 1968–1970

Krzysztof  Penderecki DAAD


Die Liste seiner weltweiten Ehrungen und Preise scheint schier unendlich – eine der jüngeren bedeutenden Auszeichnungen ist 2013 der Grammy für das beste klassische Sammelprogramm. Krzysztof Penderecki gilt als einer der führenden zeitgenössischen Komponisten und als der bedeutendste Repräsentant der polnischen Musik. In Debica, 130 Kilometer östlich von Krakau, wird er 1933 geboren und früh mit der Welt der Musik in Berührung gebracht: Sein Vater, der selbst begeisterter Violinspieler ist, ermöglicht ihm bereits in jungen Jahren Violin- und Klavierunterricht.

Ich wollte weg vom spröden Klang, der mir zu eingeengt war.
Krzysztof Penderecki

1954 beschließt Penderecki, seine musikalische Entwicklung in feste Bahnen zu lenken und nimmt ein Kompositionsstudium an der Musikhochschule in Krakau auf. Seine Lehrer sind Stanislaw Skolyszewski und Artur Malawski, der über Jahre hinweg zahlreiche Komponisten und Dirigenten von Rang ausbildete. Neben Musik beginnt der junge Penderecki auch ein Studium in den Fächern Philosophie, Kunst und Literaturgeschichte, das er 1958 erfolgreich an der Krakauer Universität mit einem Diplom abschließt.

Musikalisch feiert er damals schon erste Erfolge. Beim 2. Warschauer Wettbewerb Junger Polnischer Komponisten des Komponistenverbandes erhält das junge Talent 1959 für seine Werke „Strophen“, „Emanationen“ und „Aus den Psalmen Davids“ alle drei zu vergebenden Preise. Drei Jahre später festigt Penderecki durch ungewöhnliche Werke wie „Fluoresences“ seinen Rang als international anerkannter Komponist. Seine Werke fallen auf, weil Penderecki zu ungewöhnlichen Werkzeugen greift. „Mir waren alle Mittel recht. Es war eine sehr direkte Musik.“ Direkt, weil für jeden verständlich. In „Fluoresences“ setzt er eine Stahlplatte ein, um Donner zu imitieren, auch eine Schreibmaschine und eine Sirene kommen zum Einsatz.

Sogar traditionelle Instrumente klingen unter seiner Führung fremdartig, da die Töne auf gänzlich unkonventionelle Weise erzeugt werden. „Ich wollte mehr Klangfülle, die Möglichkeiten des großen Orchesters wirklich benutzen. Weg vom spröden Klang, der mir zu eingeengt war.“ Mit der Uraufführung seiner Lukas Passion 1966 in Münster gelingt ihm der endgültige Durchbruch.

„Es ist mir egal, wie man die Lukas Passion bezeichnet, ob nun als traditionell oder avantgardistisch. Für mich ist sie einfach authentisch. Und das muss genügen.“

Von 1968 bis 1970 geht Penderecki als Stipendiat des DAAD für ein Kompositionsstudium nach Berlin. Auch die nächsten Jahre werden erfolgreich, seine expressiven Werke werden in Filmklassikern wie „Der Exorzist“ oder „Shining“ eingesetzt – und auch für seine Filmmusiken erhält er Preise. Doch Penderecki engagiert sich auch als Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen – Nachbarn mit einer schwierigen Vergangenheit. Er arbeitet mit jungen Musikern zusammen, versucht mit Hilfe von Musik Toleranz zu fördern. Doch ihm ist bewusst: „Theoretisch kann die Musik sehr gut zur Verständigung dienen. Aber Kriege kann man damit nicht beseitigen. Ich glaube nicht mehr daran, dass man die Welt mit der Musik befrieden kann. Man kann die Welt etwas besser machen, das vielleicht.“

Stand: 2015-09-26