Prof. Dr. Khin San Yee

Myanmar

Politikerin, Bildungsministerin von Myanmar, Professorin für Entwicklungsökonomie

DAAD-Promotionsstipendium 1987–1991, DAAD-Promotionsstipendium 1996

Prof. Dr. Khin  San Yee Stephan Pramme


Am 9. November 1989 saß Khin San Yee in Göttingen vor dem Fernseher und sah, wie die Menschen auf der Berliner Mauer tanzten. Die deutsche Teilung war beendet, das Land im Jubelrausch. Freiheit und Demokratie wünschte sich Khin San Yee auch für ihr eigenes Land: Im Jahr zuvor waren dort Proteste blutig niedergeschlagen worden, ein neues Militärregime hatte das alte abgelöst. „Ich hatte Angst, nie mehr zurückkehren zu können.“ Dennoch schrieb sie weiter an ihrer Doktorarbeit über ländliche Entwicklung – Wissen, von dem sie hoffte, es in Myanmar einmal anwenden zu dürfen.

Ich bin stolz, DAAD-Alumna zu sein. Der DAAD war immer für mich da.
Khin San Yee

Die Rückkehr sollte schneller kommen, als ihr lieb war. Im Jahr 1991 – wenige Monate, bevor die DAAD-Stipendiatin ihre Promotion abschließen wollte – beorderte Myanmar wegen EU-Sanktionen gegen das Land alle Doktoranden aus Europa zurück. Erst fünf Jahre später wurde Khin San Yee in Göttingen promoviert. Anschließend lehrte die Entwicklungsökonomin mehr als 35 Jahre in Myanmar an der Universität Yangon. Das Ende der Militärdiktatur brachte ihr einen Wechsel in die Politik: 2012 wurde sie Vize-Planungsministerin in der neuen Regierung. Im Februar 2014 übernahm sie das Bildungsressort.

Im Sommer 2014 kehrte Khin San Yee auf Einladung des DAAD nach Deutschland zurück, sprach mit Vertretern von Hochschulen, Stiftungen und der Regierung. „Das deutsche Bildungssystem kann für uns ein Vorbild sein“, sagt sie. Die Herausforderungen, vor denen die Ministerin steht, sind gewaltig: „Mehr als 50 Jahre waren wir von allen Entwicklungen abgeschnitten – wir fangen bei Null an.“ In den Schulen auf dem Land fehle häufig das Nötigste: Tische und Stühle, sauberes Wasser, Personal. „Mindestens ein Lehrer pro Dorf“, das ist jetzt Khin San Yees Ziel. Bei Aufbauhilfe für die Schulen soll es nicht bleiben. Auch in den Universitäten will die Reformerin in den nächsten Jahren viel bewegen. Die Hochschulen in Myanmar bräuchten vor allem Unabhängigkeit, sagt die Ministerin.

Stand: 2015-09-17