Prof. Dr. Luc Ferry

Frankreich

Philosoph, Politologie, ehemaliger französischer Bildungsminister

DAAD-Stipendium 1972–1974

Prof. Dr. Luc  Ferry DAAD


Von 2002 bis 2004 war Luc Ferry, Jahrgang 1951, Minister für Jugend, Bildung und Wissenschaft in Frankreich. Der bekannte Philosoph und Politologe studierte an der Pariser Sorbonne und als DAAD-Stipendiat in Heidelberg. Seine Doktorarbeit schrieb er über den deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte. Als er zum Minister ernannt wurde, war das für viele eine Überraschung, denn Ferry hatte keine der französischen Elite-Hochschulen besucht.

Es wäre schrecklich, wenn wir, Deutsche und Franzosen, untereinander nur noch Englisch sprächen, schlechtes Englisch zudem.
Prof. Dr. Luc Ferry

Ferry, der in vielen Veröffentlichungen gegen den „Geist von 68“ argumentiert, spricht sich für ein einheitliches Fundament an Wissen und Kompetenzen aus, das es als Gegengewicht zu der zunehmenden Spezialisierung und Individualisierung zu vermitteln gelte. Als wichtige Maßnahme in seinem Amt hatte Ferry einen Aktionsplan gegen die Lese- und Schreibschwäche unter französischen Jugendlichen ins Leben gerufen. Dass es in der Grundschule nicht gelingt, den Schülern ausreichend Lesen und Schreiben beizubringen, sieht er als ein Problem in allen europäischen Ländern und als eine „ziemlich neue und beunruhigende Schwierigkeit, denn man glaubte, den Analphabetismus in den sechziger Jahren überwunden zu haben“.

Ferry ist wieder wissenschaftlich tätig und zu einem der einflussreichsten Intellektuellen Frankreichs geworden. Er hat mehrere philosophische Bücher geschrieben und hält regelmäßig vom öffentlichen Publikum begehrte Vortragsreihen – wie den „Philosophischen Dienstag“ im Théâtre des Mathurins in Paris mit über 300 Plätzen, an dem er das antike Denken und die deutsche Philosophie von Kant, Hegel, Nietzsche oder Schopenhauer vermittelt. Auch ohne politisches Amt äußert er sich oft zu tages- und gesellschaftspolitischen Ereignissen. „Er ist ein begabter Pädagoge und Vermittler“, schrieb die FAZ anlässlich seines 60. Geburtstages. „Keiner versteht es besser, die griechische Philosophie den Zeitgenossen zu erklären und als Lebenshilfe dienstbar zu machen.“

Stand: 2015-09-14