Liao Yiwu

China

Schriftsteller, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2012

Liao Yiwu Elke Wetzig CC-by-sa


Er ist ein unbeirrbarer Chronist, ein wortgewaltiger Dichter. Der Schriftsteller Liao Yiwu tritt seit Jahren für die unveräußerlichen Menschenrechte ein, in seiner Heimat darf er schon lange nicht mehr publizieren.

Der DAAD ist meine beste Zuflucht.
Liao Yiwu

Im Juli 2011 gelang Liao Yiwu die Ausreise nach Deutschland, 2012 lebt er auf Einladung des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin. Er sagt: „Der DAAD ist meine beste Zuflucht.“ Er sei sehr froh, dass er sich in Freiheit befinde und frei schreiben könne. In seinen Büchern und Gedichten dokumentiert Liao Yiwu, 1958 in der Provinz Sichuan geboren, das Unrecht, das vielen Chinesen seit Gründung der Volksrepublik 1949 widerfahren ist. Für sein Gedicht „Massaker“ über die Niederschlagung des demokratischen Aufstands auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni 1989 wurde Liao Yiwu wegen „Verbreitung konterrevolutionärer Propaganda“ zu vier Jahren Haft verurteilt; Gefängnis, Folter und Unterdrückung erlebte er am eigenen Leib. In „Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“ schildert Liao Yiwu die systematische Entmenschlichung, nüchtern wie ein Chronist, doch mit der erschütternden Bildlichkeit eines Dichters. „Jeder, der jemals im Gefängnis war, hat eine unendliche Angst, dass die Gefängniserfahrungen vergessen werden und dass die Gesellschaft ihn im Stich lässt.“ Nach der Entlassung habe er deshalb sofort angefangen, seine Erlebnisse aufzuschreiben. Die chinesische Führung beschlagnahmte allerdings das Manuskript, sodass Liao Yiwu eine zweite und dritte Fassung erstellen musste, bis sein Bericht 2011 in Deutschland und Taiwan erscheinen konnte.

Den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2012, verliehen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse, versteht er als eine Verpflichtung, sich gegen Unterdrückung und Gewalt zu stellen: „Seit ich von der Entscheidung der Jury weiß, habe ich mich bei vielen Veranstaltungen und mit vielen Appellen für die Freiheit anderer eingesetzt.“ Auch hoffe er, dass der Friedenspreis dazu beitragen könne, die Wahrheit über das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 zu verbreiten. In seinem im Oktober 2012 erschienenen Buch „Die Kugel und das Opium“ berichtet er über Augenzeugen und Angehörige der Opfer. Auch in seinen 2013 und 2014 auf Deutsch erschienen Büchern geht es um einen kritischen Blick auf China: in „Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch: Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit“ und „Gott ist rot: Geschichten aus dem Untergrund – Verfolgte Christen in China“. 2015 begegnete Liao Yiwu auf einem Berliner Podium dem chinesischen Konzeptkünstler Ai Weiwei: beide Dissidenten debattierten auf dem Internationalen Literaturfestival über China.

Stand: 2015-09-26