Kenzaburo Oe

Japan

Schriftsteller, Nobelpreis für Literatur 1994

Samuel-Fischer-Gastprofessor für Literatur 1999

Kenzaburo Oe Thesupermat CC-by-sa 30


Als Kenzaburo Oe 1999 nach Berlin kam, war er einigermaßen erstaunt. Die Stadt zeigte sich anders als in den Beschreibungen von Alfred Döblin, Erich Kästner oder Günter Grass. „Ich finde sie sehr ruhig, gleichzeitig ökonomisch reich und gepflegt.“ Auch die Studenten gaben sich nicht rebellisch, wie er erwartet hatte. „Schließlich war die Freie Universität ein Zentrum der Studentenbewegung“, erinnert sich der japanische Literaturnobelpreisträger von 1994, der sich früh für Umwelt und Frieden engagierte.

Es entsteht keine Veränderung, wo es keine Hoffnung gibt.
Kenzaburo Oe

Kenzaburo Oe kannte Deutschland nur von zwei Kurzbesuchen, bevor er 1999 die Samuel-Fischer-Gastprofessur für Literatur an der Freien Universität Berlin innehatte, die auch vom DAAD gefördert wird. Der Verfasser von rund 20 Romanen, zahlreichen Erzählungen und Essays machte damals die Berliner Studenten mit seinen Werken vertraut und unterrichtete über Fragen der japanischen Gesellschaft, Kultur und Politik.

Die Japaner könnten von den Deutschen lernen, wie diese die Verantwortung für den Krieg übernommen haben, besonders im Zusammenhang mit den Beziehungen zu ihren Nachbarländern, meint der Literat. 1935 auf der Insel Shikoku geboren, studierte der Schriftsteller Romanistik in Tokio, wo er heute lebt. Mit 23 Jahren veröffentlichte er seinen Debütroman „Reißt die Knospen ab“. Sechs Jahre später wurde er mit dem Roman „Eine persönliche Erfahrung“ weltbekannt. Ein wichtiges Moment in vielen seiner Werke ist die Auseinandersetzung mit seinem geistig behinderten Sohn, der sich über die Sprache der Musik zum Komponisten entwickelte.

Mit seinem Freund Günter Grass verband den Japaner ein starkes Engagement für die Gesellschaft. 2015 nennt die Neue Zürcher Zeitung den Literaturnobelpreisträger in einem Porträt das „linke Gewissen Japans“. Kenzaburo Oe glaubt zwar nicht mehr, dass Literatur Veränderungen bewirkt oder den Menschen gar verbessert. Dennoch sagt er: „Es entsteht keine Veränderung, wo es keine Hoffnung gibt.“ 2014 erschien im S. Fischer Verlag sein bereits früher verfasster Roman „Licht scheint auf mein Dach“.

Stand: 2015-09-30