Kiran Nagarkar

Indien

Schriftsteller

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2008

Kiran Nagarkar DAAD


Kiran Nagarkar, 1942 in Bombay geboren, zählt zu den bedeutenden Autoren Indiens. Mit seinem Roman „Gottes kleiner Krieger“, der 2006 in deutscher Sprache erschien, wurde er mit einem Schlag in Europa berühmt. In diesem sehr politischen Roman schildert er den Weg eines jungen Inders durch verschiedene Arten von Fundamentalismus hin zum Terrorismus. Nagarkar hat zudem zahlreiche Romane, Theaterstücke und Filmdrehbücher geschrieben. Sein erster Roman „Sieben mal sechs ist dreiundvierzig“ aus dem Jahr 1974 gilt als Meilenstein der indischen Literatur nach der Unabhängigkeit.

Der Aufenthalt in Deutschland hat meinen Blick auf meine Heimat Indien verändert.
Kiran Nagarkar

Allerdings dauerte es in Indien einige Jahre, bis sich Nagarkar beim Publikum durchsetzen konnte. Er arbeitete darum nach seinem Studium der englischen Literatur in Bombay zunächst lange als Dozent und Journalist, vor allem aber in der Werbebranche. Seine Muttersprache ist Marahti, eine der 22 offiziellen Landessprachen Indiens. Sie wird von rund 70 Millionen Menschen gesprochen und zählt zu den 20 meistgesprochenen Sprachen Indiens. Im Land galt es freilich als ungewöhnlich – und auch hinderlich für die Verbreitung – dass er sich zunächst nicht der Hauptsprachen Hindi oder Englisch bediente. Inzwischen wurde der Autor mit hohen indischen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter 2000 die höchste Anerkennung der indischen Literaturakademie, der Sahitya Academy Award. Die Auflagen seiner Bücher in Europa sind jedoch vergleichsweise höher.

Sein Aufenthalt in Deutschland als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD, so sagt Nagarkar, habe seinen Blick auf Indien verändert. An der Metropole Berlin hat ihn das „viele Grün“ und die im Vergleich zu indischen Großstädten „erstaunliche Ruhe“ beeindruckt. Er vergleiche nun ständig seine Heimatstadt Bombay mit Berlin – und das gehe nicht gut für Bombay aus. Der Autor hat einen kritischen Blick auf seine Heimat. Lärm, Umweltverschmutzung, Korruption, Armut, politische Unbeweglichkeit, das sieht er als die Hauptprobleme seines Landes an – und als Themen für seine Bücher. „Ich liebe Indien, darum muss ich es kritisieren“, sagt er. Düster sind seine Romane aber keineswegs. Kritiker und Leser loben die spielerische Phantasie, die überbordende Lust an der Sprache, den scharfen Blick auf die Gegenwart.

Nagarkar ist ein Autor, der eher zurückgezogen lebt. In Deutschland ist er lieber in Museen oder Kinos gewesen, denn Kunst und Film gehören zu seinen großen Leidenschaften. Partys oder Empfänge hat er eher gemieden. Das Mitmischen im lebhaften Literaturbetrieb ist nicht sein Fall. Doch den engen Kontakt zu Lesern in Deutschland hat er schätzen gelernt. So viele Lesungen, so viele interessierte Leser, so viele interessante Fragen – so sagt Nagarkar – habe er vorher nirgendwo in der Welt erlebt.

Stand: 2015-09-29