Mario Vargas Llosa

Peru

Schriftsteller, Nobelpreisträger für Literatur 2010

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1998

Mario Vargas Llosa DAAD


Zwei Mal zog es Mario Vargas Llosa, Nobelpreisträger für Literatur 2010, für längere Zeit in die deutsche Hauptstadt: Anfang der Neunziger als „Fellow“ des Wissenschaftskollegs zu Berlin und fünf Jahre später als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Der 1936 in Peru geborene Schriftsteller ließ sich insbesondere von der Vielfalt und Lebendigkeit der Stadt anregen: „Berlin ist eine inspirierende Erfahrung für mich. Sie ist ständig im Zustand der Transformation.“ Während seiner Zeit als Gast des Künstlerprogramms arbeitete er intensiv an seinem Roman „Das Fest des Ziegenbocks“, der sich mit der dreißigjährigen Schreckensherrschaft des Diktators Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik beschäftigt.

Berlin ist eine inspirierende Erfahrung für mich. Die Stadt ist ständig im Zustand der Transformation.
Mario Vargas Llosa

Mario Vargas Llosa war damals längst kein Unbekannter mehr in Deutschland: Seine Werke genossen bereits große Popularität, 1996 hatte er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten und 1982 war er einer der Stars auf dem Berliner Kultur-„Festival Horizonte“. Er las dort aus seinem jüngsten Roman „Der Krieg am Ende der Welt“. Darin geht es um die militärische Vernichtung einer religiösen Sekte, die der brasilianische Staat Ende des 19. Jahrhunderts zur nationalen Bedrohung erklärte.

Politik als unerfülltes Versprechen und bitter enttäuschende Tat ist ein Leitmotiv in seinen Romanen und Essays. „Ich empfinde es als wesentlich für meine Arbeit als Schriftsteller, mich an der politischen Debatte zu beteiligen und als Bürger Kritik zu üben“, erklärte der Erfolgsautor einmal in einem Interview. „Literatur sollte sich von dem anstecken lassen, was draußen passiert, sonst wird sie trivial und dekadent.“ Laut Nobelpreis-Komitee hat er eine genaue „Kartographie von Machtstrukturen“ geschaffen und „scharf geschnittene Bilder individuellen Widerstands.“ Mario Vargas Llosa sagt aber auch, dass es barbarisch und durch nichts zu rechtfertigen sei, wenn Menschen für irgendwelche Utopien sterben müssen.

Nach einer gescheiterten Bewerbung um die Präsidentschaft seines Heimatlandes 1990 widmet sich Vargas Llosa seiner Kunst auch akademisch. Der Schriftsteller, der in Madrid in Literatur und Philosophie promovierte hatte, übernahm Professuren an Universitäten rund um den Globus, unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. Seine Bedeutung für die Literatur in spanischer Sprache zeigt sich außerdem darin, dass die Bibliothek des offiziellen spanischen Kulturinstituts in Berlin seinen Namen trägt. Er eröffnete das Instituto Cervantes 2003 zusammen mit dem spanischen König. 2005 erhielt Vargas Llosa zudem die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität zu Berlin und 2008 den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung. 2011 wurde er vom spanischen König als Marqués de Vargas Llosa in den Adelsstand erhoben. 2012 erhielt er nach dem Tod des berühmten mexikanischen Schriftstellers Carlos Fuentes als erster den neuen Carlos-Fuentes-Literaturpreis und 2014 wurde ein Asteroid mit der Nummer 17466 nach ihm Vargasllosa genannt.

Stand: 2015-09-08