Prof. Dr. J. Wolfgang Wägele

Deutschland

Zoologe, Direktor des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig in Bonn

DAAD-Stipendium 1979

Prof. Dr. J. Wolfgang Wägele DAAD


Der Mann taucht gerne unter, ob in Skandinavien oder im Süden Europas. Wenn ein paar Tage Urlaub möglich sind, verbringt Johann Wolfgang Wägele sie am liebsten unter Wasser. Oft kommt das nicht vor. Kein Wunder: Wer Professor für „Spezielle Zoologie“ an der Bonner Universität ist, wissenschaftliche Großprojekte koordiniert und gleichzeitig das renommierte Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn leitet, kommt unter einer 70-Stunden-Woche nicht weg. Das scheint den Spezialisten für marine Krebstiere, Jahrgang 1953, nicht weiter zu beunruhigen.

Ohne die Zeit am Roten Meer hätte ich das Material für meine Promotion nicht sammeln können.
Johann Wolfgang Wägele

Während seiner Kindheit in Kolumbien, wohin er mit seinen Eltern ausgewandert war, erwachte seine Leidenschaft für die Natur. Im Grunde sind seine Fragen heute keine anderen als vor über 40 Jahren. „Artenvielfalt der Erde zu erforschen und zu erklären“ lautet der Auftrag des Zoologischen Forschungsmuseums. Er trifft auch das Selbstverständnis des Wissenschaftlers. „Stabile Ökosysteme sind ohne Artenvielfalt nicht möglich. Der Mensch kann diese Systeme nicht schaffen.“ Für Johann Wolfgang Wägele geht es um fundamentale Aufgaben, bei denen Forschen und das Schaffen eines achtsamen Bewusstseins ineinander greifen. „Wir tragen eine riesige Verantwortung für künftige Generationen, weil wir erstmals in der Lage sind, diesen Artenreichtum zu zerstören.“

„Die Menschen vergessen, dass sie ein Glied im Ökosystem sind.“ Gegen dieses Vergessen arbeitet das Forschungsmuseum Alexander Koenig, für dessen Hauptgebäude 1912 der Grundstein gelegt wurde, an. Es gehört zu den großen Naturkundemuseen Deutschlands, verfügt über bedeutende Tiersammlungen und ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft. Wer die komplexen Zusammenhänge der Natur und Umwelt zeigen will, muss sie zunächst genau erforscht haben. „Dafür brauchen wir Spezialisten“, sagt Johann Wolfgang Wägele. Er selbst ist Experte für Asseln, von denen über 10.000 Arten dokumentiert sind. Schon während der Kieler Studienzeit beschäftigten ihn die Winzlinge.

Um möglichen marinen Vorfahren auf die Spur zu kommen, verbrachte er als DAAD-Stipendiat 1979 fünf Monate mit Zelt am Roten Meer. „Ohne diese Zeit hätte ich das Material für meine Promotion nicht sammeln können.“ Später, als Professor in Bielefeld und Bochum, erweiterte der Systematiker seinen Forschungsschwerpunkt um die Tiefsee, vor allem die Antarktis. Seit Herbst 2004 leitet er das Zoologische Forschungsmuseum. Ein wichtiges Ziel ist es, neue Methoden zu entwickeln, um die Identifikation von Arten zu automatisieren. „Das ist notwendig, damit wir den Ökologen schneller die Informationen liefern können, die sie dringend brauchen.“

Stand: 2015-10-05