Jean Claude Diallo

Guinea

Politiker, Psychologe, ehem. Stadtrat und Dezernent für Integration in Frankfurt am Main

DAAD-Stipendium 1968–1971

Jean Claude Diallo by AWI [CC-BY-SA-3.0] via Wikimedia Commons


Auf Frankfurt am Main ließ Jean Claude Diallo nichts kommen: „Frankfurt ist eine wunderschöne Stadt. Sie ist die einzige Metropole der Welt, die man zu Fuß in 24 Stunden durchqueren kann“, befand er. „Es ist eine sehr bunte Stadt, weltoffen und tolerant.“ In Sachen Integration könne ganz Deutschland von ihr lernen: „Frankfurt ist mit einem eigenen Dezernenten für Integration einmalig.“

Integration funktioniert nur durch Partizipation.
Jean Claude Diallo

Im Januar 2007 war Jean Claude Diallo dieser damals noch einmalige Dezernent. Weitsichtig wusste er um die Bedeutung seines verantwortungsvollen Amtes, denn der Grünen-Politiker war selbst Migrant: Vor rund 40 Jahren kam der in der Republik Guinea geborene Afrikaner mit einem DAAD-Stipendium nach Würzburg. Ursprünglich wollte er Chemie studieren. Doch dann entschied er sich für Psychologie. Er studierte in Würzburg und in Lausanne.

„Das Stipendium des DAAD hat mir eine Chance geboten und ich habe sie genutzt“, erzählte er. Seine Fächerwahl hat er nie bereut: „Das Psychologiestudium hat mir im Leben sehr geholfen“, erzählte Diallo. Auch für seine berufliche Laufbahn spielte es eine große Rolle. So war er nach seinem Diplom als Betriebspsychologe in Marokko tätig. Viele Jahre arbeitete er am Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge in Frankfurt. Unterbrochen wurde diese Tätigkeit von einem ersten Ausflug in die Politik: Mitte der 1980er-Jahre ging Diallo nach Guinea und bekleidete das Amt des Ministers für Information und Kultur.

1986 kehrte er zurück nach Deutschland, zuerst nach Düsseldorf und dann erneut nach Frankfurt. Seine Berufs- und Lebenserfahrung kamen ihm als Dezernent für Integration zugute. Diallo war der Meinung, dass Migranten und Deutsche noch einiges lernen müssen: „Deutschland ist ein Einwanderungsland“, sagte er schon damals. Die Frage, die heute aktueller ist denn je, laute: „Wie wollen wir unser Leben gemeinsam gestalten? Wie gelingt uns eine Integration, an der sich alle beteiligen? Denn Integration funktioniert nur durch Partizipation.“ Dazu gehörte für ihn die Teilnahme an Rechten und Pflichten, an der Sprache und an der Bildung.

„Selbstverständlich gelten für alle, die in Deutschland leben wollen, das Grundgesetz und die UN-Charta“, sagte Diallo. „Aber wer sich dazu bekennt und daran hält, ist herzlich willkommen.“ Kritisch ging er mit der öffentlichen Meinung und so manchem Politikerstatement zum Thema Migration ins Gericht: Da werde der Ton bewusst verschärft und sofort mit Sanktionen gedroht, statt konstruktive Vorschläge zu machen oder auf die vielen positiven Beispiele für gelungene Integration zu verweisen. Diallo gehörte selbst dazu: In Deutschland fand er nicht nur seine wahre Berufung, sondern auch die Frau fürs Leben. Viele wichtige Entwicklungen in Deutschland zum Thema Migration konnte er dann nicht mehr verfolgen: Jean Claude Diallo starb am 21. März 2008 im Alter von 62 Jahren in Frankfurt.

Stand: 2015-09-15