Ilya Kabakov

Ukraine

Maler, Konzeptkünstler

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1989–1990

Ilya Kabakov DAAD


Der ukrainische Maler und Konzeptkünstler Ilya Kabakov war schon über 50 Jahre alt, als der Kunstmarkt erst richtig auf ihn aufmerksam wurde. Bis dahin hatte der studierte Illustrator, Jahrgang 1933, in Moskau gelebt, wo er als Geheimtipp für Kenner und als listiger Stachel im Fleisch der Sowjet-Bürokratie galt. Mit Collagen, Installationen und Bildwände schuf er parodistische Proteste gegen die erstarrte Sowjet-Kultur. Er wurde zu einem der kreativen Köpfe unter den Dissidenten der Moskauer Kunstszene. Im Hauptberuf illustrierte er Kinderbücher.

Ich möchte dem Westen erzählen, wie ich mich zuhause fühlte und welche Ideen ich in den vergangenen Jahren entwickelt habe.
Ilya Kabakov

Schlagartig bekannt – über Russlands Grenzen hinaus – wurde Ilya Kabakov 1985 mit Ausstellungen in der Schweiz und in Deutschland. Zwei Jahre später verließ der Künstler die Sowjetunion. Es folgten große und spektakuläre Ausstellungen in den westlichen Kunstmetropolen: von New York bis Düsseldorf, von Paris bis Frankfurt. Schließlich erhielt er ein DAAD-Stipendium im Berlin der Wendezeit, wichtige Kunstpreise und eine Einladung zur Kasseler Documenta 1992. Im gleichen Jahr zog Ilya Kabakov mit seiner Frau Emilia, einer Pianistin, in die USA. Dort entwickelte er das Konzept der „Totalen Installation“, mit dem er die tägliche Unterdrückung des Individuums deutlich machen will. Das Künstlerpaar lebt in der Nähe von New York. Ilya Kabakov gehört heute zu den wichtigsten Vertretern der zeitgenössischen russischen Kunst. 2015 zogen auch seine Werke mit in den neuen Anbau des Sprengel Museums in Hannover – in Deutschland eine der besten Adressen für die Kunst der klassischen Moderne.

Kabakovs kritischer Blick auf die gesellschaftliche Realität wird in verschiedenen Werken deutlich, etwa in der Installation „Toilette“: Dort packte Ilya Kabakov die bescheidenen Habseligkeiten einer russischen Familie in die Architektur einer öffentlichen Toilette. Große Aufmerksamkeit erregte auch „Der rote Pavillon“, Kabakovs Beitrag zur Biennale Venedig, der als mächtige Metapher auf die abgedankten Sowjetunion gelesen wurde. Der Rückblick auf den untergegangenen Kosmos der Sowjetunion ist weiterhin im Zentrum seiner künstlerischen Überlegungen. „Ich möchte dem Westen erzählen, wie ich mich zuhause fühlte und welche Ideen ich in den vergangenen Jahren entwickelt habe“, sagt er.

Der Künstler stellt sich auch neuen Fragen und Themen. 1998 realisierte er das Auswandererdenkmal „Last Step“ in Bremerhaven. In Dortmund überraschte Ilya Kabakov 2007 und 2008 mit 23 großformatigen Ölgemälden mit dem Titel „Unter dem Schnee“. Seit 2012 stellte er in Italien, Österreich und der Schweiz auch gemeinsam mit seiner Frau Emilia aus.

Stand: 2015-09-26