Dr. Hubertus Knabe

Deutschland

Historiker, Spezialist für DDR-Geschichte, Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

DAAD-Stipendium 1985–1987

Dr. Hubertus Knabe Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Arthur Schmidt


Seine Frau nennt ihn scherzhaft „Gefängniswärter“. Der Historiker und Politologe Hubertus Knabe ist wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen zentralen Untersuchungsgefängnis des DDR-Staatssicherheitsdienstes. Gelegentlich führt er Besuchergruppen in die weitläufigen Verliese der Stasi-Haftanstalt mit ihren zahlreichen Dunkel- und Stehzellen.

Ich forsche über ein Stück deutscher Vergangenheit, das von anderen gern verdrängt wird.
Hubertus Knabe

Der 1959 geborene Forscher ist einer der besten Kenner der deutsch-deutschen Geschichte und erregt mit seinen Publikationen immer wieder Aufsehen. Sein 2003 erschienenes Buch „17. Juni 1953 – Ein deutscher Aufstand“ gilt bereits als Standardwerk zur Geschichte des Volksaufstands in der DDR. In Gedenkjahren ist Knabe deshalb ein begehrter Interviewpartner für Presse, Funk und Fernsehen.

Die Kommunismus-Forschung war ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Nachdem seine Eltern 1959 mit ihm aus der DDR geflüchtet waren, kehrte Hubertus Knabe zu Verwandtenbesuchen häufig dorthin zurück, lernte dort 1979 seine spätere Ehefrau kennen und überwand viele bürokratische Hindernissee, um ihre Ausreise durchzusetzen. Er studierte Geschichte und Germanistik in Bremen und forschte 1985 bis 1987 als DAAD-Stipendiat für seine Dissertation an der Universität Budapest in Ungarn. Sein Thema: ein Vergleich der Umwelt-Aktivitäten Ungarns und der DDR. Anfang der 90er Jahre schickte ihn der DAAD als Lektor an die Universität Ljubljana in Slowenien.

Von 1992 bis 2000 war Knabe in der Forschungsabteilung des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen tätig. Mit seinen detailreichen Veröffentlichungen über den DDR-Geheimdienst – darunter 1999 „Die unterwanderte Republik. Stasi im Westen“ – wurde er über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Die politische Verfolgung unter dem SED-Regime, mit der er in Hohenschönhausen täglich konfrontiert ist, ist auch Thema einer Publikation, die er gemeinsam mit Peter Erler geschrieben hat: 2005 erschien „Der verbotene Stadtteil: Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen“. Aufsehen erregten auch seine Publikationen „Die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur“ (2007) oder „Honeckers Erben. Die Wahrheit über die Linke“ (2009).

Stand: 2015-10-05