Dr. Juli Zeh

Deutschland

Schriftstellerin, Juristin

DAAD-Stipendium 1999, DAAD-Stipendium 2000

Dr. Juli Zeh DAAD


Bereits der erste Roman von Juli Zeh „Adler und Engel“ von 2001 war ein literarischer Volltreffer. Das Buch über den Juristen Max, den der Selbstmord seiner großen Liebe aus der Bahn wirft, wurde in 28 Sprachen übersetzt. Es markierte den Beginn einer beeindruckenden Schriftstellerkarriere. Schon als kleines Kind hat Juli Zeh geschrieben. Dennoch entschied sie sich nach dem Abitur für ein Jura-Studium. Noch vor dem ersten Staatsexamen in Leipzig schrieb sie sich allerdings am dortigen Literaturinstitut ein. „Adler und Engel“ wurde ihre Abschlussarbeit. Es folgten zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem der Deutsche Bücherpreis (2002), der Ernst-Toller-Preis (2003), der Carl-Amery-Literaturpreis (2009), der Thomas-Mann-Preis (2013) und der Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik (2015). „Man trifft zufällig einen Nerv bei den Lesern – und sie mögen das Buch. Niemand kann das vorhersagen“, so die Autorin in einem Interview.

In Krakau habe ich Polnisch gelernt und mein Interesse für Osteuropa weiter ausgebaut.
Juli Zeh

Juli Zeh kommt aus einer Juristenfamilie. Sie wurde 1974 als Tochter des ehemaligen Direktors beim Deutschen Bundestag, Professor Wolfgang Zeh, in Bonn geboren. Schwerpunkt ihres Studiums der Rechtswissenschaften in Passau und Leipzig war Völkerrecht. Als DAAD-Stipendiatin ging sie 1999 und 2000 nach New York und Krakau. Im Big Apple war Juli Zeh Praktikantin bei den Vereinten Nationen, in Polen absolvierte sie ein Osteuropastudium an der Jagellionian Universität Krakau. Beides waren für sie sehr bereichernde Erfahrungen. „In New York habe ich die Idee aufgegeben, später als Juristin für die UNO zu arbeiten. Vieles war mir dort zu bürokratisch. Und in Krakau habe ich Polnisch gelernt und mein Interesse für Osteuropa weiter ausgebaut.“

Ihre Aufgeschlossenheit für Neues zeigt sich in Juli Zehs Werken: Sie passt in keine literarische Schublade. Häufig fließen Orte und Erlebnisse aus ihrem Leben in ihre Bücher ein. So ist ihr Reisetagebuch „Die Stille ist ein Geräusch“ (2002) das Produkt einer Fahrt nach Bosnien-Herzegowina. Schauplatz ihres 2004 veröffentlichten Romans „Spieltrieb“ ist ein Gymnasium in ihrer Heimatstadt Bonn. Und in „Kleines Konversationslexikon für Haushunde“ lässt die Hundeliebhaberin ein Jahr später einen Vierbeiner seine Sicht der Welt erklären.

In ihrem Roman „Corpus Delicti“ (2009) blickt Juli Zeh ins Jahr 2057. Ihre Vision: Der Staat zwingt seine Bürger zu gesundheitlicher Prävention und ahndet selbst das Rauchen einer Zigarette. Sinn und Moral sind wiederkehrende Themen in Juli Zehs Büchern. Ihre literarische Bekanntheit setzt die Querdenkerin gerne auch politisch ein: Sie reichte Verfassungsklage gegen biometrische Fingerabdrücke auf Ausweisen ein und machte sich bei der Bundestagswahl 2005 für eine Koalition von SPD und Bündnis 90/Die Grünen stark. Sie äußerte sich zur Festnahme von Radovan Karadžić, arbeitete in ihrer Freizeit an einem neuen deutschen Staatsrecht. Sie schrieb ihre Dissertation über den Status des Kosovo aus völkerrechtlicher Sicht und nahm in zahlreichen Essays Stellung zu den Themen Datenschutz, Überwachung und NSA-Affäre. Eine Auswahl der Essays erschien 2014 unter dem Titel „Nachts sind das Tiere“.

Stand: 2015-10-04