Prof. Dr. Karl Lauterbach

Deutschland

Arzt, Politiker

DAAD-Stipendium 1989–1992

Prof. Dr. Karl Lauterbach Deutscher Bundestag / Elke Schwalbach


Wie reformieren wir das deutsche Gesundheitswesen so, dass es sozial gerecht bleibt? Wie kann es gelingen, Anschluss an die internationale Spitzenmedizin zu halten und die Fortschritte in der Medizin allen zugutekommen zu lassen? Wie können wir Hochbegabte besser fördern? Fragen, mit denen sich Karl Lauterbach täglich beschäftigt – und zwar nicht nur in der wissenschaftlichen Theorie, sondern auch in der politischen Praxis. Als Berater der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Mitglied der so genannten Rürup-Kommission wurde er bundesweit bekannt.

Wir brauchen mehr Fachleute im Parlament.
Karl Lauterbach

Seit der Bundestagswahl 2005 sitzt er für die SPD im Bundestag, seit Ende 2013 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Die Bewerbung um ein Bundestagsmandat war für Lauterbach nur eine logische Konsequenz aus seinen Erfahrungen: „Wir brauchen mehr Fachleute im Parlament“, sagt er. Das müsse nicht unbedingt ein Mehr an Wissenschaftlern sein, aber „in bestimmten Bereichen können Fachleute mehr bewegen, allein aufgrund ihrer Sachkompetenz. Denken Sie nur an Hermann Scheer und Ernst Ulrich von Weizsäcker in der Energiepolitik“. Wenn das Parlament seine Sachkompetenz nicht stärke, laufe es Gefahr, schleichend entmachtet zu werden, ist Lauterbach überzeugt.

Manchem mag es gewöhnungsbedürftig erscheinen, Medizin und Wirtschaft zueinander in Beziehung zu setzen, der 1963 geborene Nordrhein-Westfale hat jedoch keine Berührungsängste: Die Welt der Zahlen hat ihn schon immer fasziniert, er hätte um ein Haar Mathematik und Volkswirtschaft studiert. „Ich war schon dafür eingeschrieben“, erinnert er sich, „aber dann habe ich mich kurzfristig doch für Medizin entschieden, weil ich etwas sozial Wertvolles tun wollte.“ Lauterbach studierte zunächst Humanmedizin in Aachen, Düsseldorf und San Antonio/Texas. So lernte er das amerikanische Gesundheitssystem in der Praxis kennen: „1988 war vielleicht das entscheidende Jahr meines Lebens“, sagt er rückblickend.

Er war in die USA gegangen, weil er die dortige Spitzenforschung und den hohen wissenschaftlichen Standard in der Medizin schätzte. Allerdings musste er erkennen, dass vielen armen Amerikanern dieser hohe wissenschaftliche Standard gar nichts nützte, weil sie ihn sich nicht leisten konnten: „Wir konnten Schwerverletzten oft nur notdürftig helfen, sonst wäre es für sie zu teuer geworden“, erzählt Lauterbach. Sein Interesse galt fortan der Prävention.

Nach der Promotion studierte er Gesundheitsökonomie (Health Policy and Management) und Epidemiologie an der Harvard School of Public Health in Boston. „Dieses Studium wäre ohne den DAAD nicht zu finanzieren gewesen“, betont Lauterbach. Harvard ist er treu geblieben – seit 2008 ist er Adjunct Professor für Gesundheitspolitik und -management an der Harvard School of Public Health. Dabei kommen ihm nicht zuletzt seine Erfahrungen als Direktor des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) an der Universität Köln zugute: Von 1998 bis 2005  besetzte er dort den neu geschaffenen Lehrstuhl für Gesundheitsökonomie, Medizin und Gesellschaft, der später in Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie umbenannt wurde. In der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion, deren Sprecher er zeitweise war, mischte Lauterbach sich jedoch vor allem in die deutsche Politik ein: Der vehemente Kritiker einer „Zwei-Klassen-Medizin“ plädiert unter anderem für die Idee der solidarischen Bürgerversicherung.

Stand: 2015-10-05