Dr. Gunter Pleuger

Deutschland

Jurist, Diplomat, ehemaliger deutscher UN-Botschafter

DAAD-Stipendium 1966–1967

Dr. Gunter Pleuger dpa


Diplomat ist Gunter Pleuger seit Ende der 1960er-Jahre und im November 2002 bekam er seinen Traumjob: Botschafter Deutschlands bei den Vereinten Nationen. Von 2003 bis 2006 vertrat der 1941 geborene Jurist die Bundesrepublik im Weltsicherheitsrat und bekleidete in Zeiten der Irak-Krise einen Posten, der viel diplomatisches Fingerspitzengefühl erfordert. „Joschka Fischers bester Mann“ hatte den Botschafterposten in New York schon lange im Blick. Kurz nachdem er 1969 beim Auswärtigen Amt in Bonn seinen Dienst angetreten hatte, arbeitete der promovierte Jurist vier Jahre im UNO-Büro der Bundesrepublik und wusste seitdem: „Ich wollte immer wieder zurück.“

Ich möchte diese Zeit an der ENA nicht missen!
Gunter Pleuger

Nach Einsätzen in Neu-Delhi und Washington machte der in Wismar geborene Pleuger Karriere in Deutschland: Er wird unter Joschka Fischer Staatssekretär im Auswärtigen Amt, ist für Europa einschließlich Südosteuropa während der NATO-Angriffe gegen das Milosevic-Regime zuständig und vertritt im Herbst 2000 deutsche Interessen beim Nizza-Gipfel der Europäischen Union.

Gunter Pleuger ging noch vor seiner Diplomatenkarriere mit einem DAAD-Stipendium nach Paris und zwar an die ENA, wo bis zum heutigen Tage die führenden Köpfe der französischen Politik und Verwaltung ausgebildet werden. Im Gegensatz zur deutschen Universität sei die ENA „kein Institut der Wissensvermittlung, sondern ein Institut der Wissensanwendung“, unterstreicht Pleuger. Er ist noch heute begeistert von französischen Arbeitstechniken und den Seminaren, „die ihre Studenten in allen Bereichen staatlichen Handelns darauf vorbereiteten, Handlungsoptionen für die politische Entscheidungsebene aufzubereiten.“

Diese Erfahrungen konnte Gunter Pleuger bei den Vereinten Nationen gut gebrauchen. Deutschland führte zusammen mit Frankreich die Koalition gegen den Irak-Krieg an – gegen den Widerstand der USA. In der Folgezeit bemühte sich Pleuger zusammen mit den Vertretern anderer Staaten um eine UNO-Reform und um einen ständigen Sitz Deutschlands im Weltsicherheitsrat.

Im Juli 2006 beendete Gunter Pleuger seine Tätigkeit bei den Vereinten Nationen. Von 2006 bis 2008 war er Gastdozent am Lehrstuhl für Internationale Organisationen und Internationale Politikfeldforschung an der Universität Potsdam. Von 2008 bis 2014 war er Präsident der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Seine internationalen Erfahrungen hat er dort eingebracht. „Im Denken dieser Universität gibt es eine Parallelität zu meinem früheren Beruf. Das internationale und interdisziplinäre Profil der Viadrina entspricht dem außenpolitischen Denken. Wir sind Multilateralisten und versuchen, globale Probleme interdisziplinär zu lösen“, sagte Pleuger im Jahr seines Amtsantritts gegenüber dem „Tagesspiegel“.

Stand: 2015-10-05