Gergely Pröhle

Ungarn

Diplomat, Politiker, stellvertretender Staatssekretär im ungarischen Ministerium für Gesellschaftliche Ressourcen

DAAD-Jahresstipendium 1986

Gergely  Pröhle DAAD


Deutschland hat seit jeher eine große Rolle im Leben von Gergely Pröhle gespielt. Sein deutscher Ur-Ur-Großvater wanderte nach Ungarn aus, einer seiner Vorfahren war Historiker in Berlin und seine Tante brachte ihm seit seinem sechsten Lebensjahr Deutsch bei.

Deutsch lernte ich seit meinem sechsten Lebensjahr.
Gergely Pröhle

Von Sommer 2000 bis Dezember 2002 war Gergely Pröhle ungarischer Botschafter in Berlin. Von 2003 bis 2005 vertrat er sein Land als Botschafter in der Schweiz und war dann stellvertretender Leiter der Presse-Abteilung des ungarischen Außenministeriums. Ob es um die Eröffnung einer Ausstellung, die Pflege bilateraler Wirtschaftskontakte oder Gespräche auf höchster politischer Ebene ging – es waren die unterschiedlichen Aufgaben, die seine Aufgabe als Botschafter „so reizvoll“ machten, wie er selbst sagt. Im Juni 2010 wurde Gergely Pröhle stellvertretender Staatssekretär im Ungarischen Außenministerium und war für die bilateralen Beziehungen zu den EU-Mitgliedsstaaten zuständig. Damals galt sein Augenmerk insbesondere der Entwicklung der Donau-Region: „Wir stellen uns eine nachhaltige und sich erneuernde Region vor, eine Region in Balance.“ Seit 2014 ist er Staatssekretär im Ministerium für Gesellschaftliche Ressourcen, dem Budapester Bildungsministerium, und erneut zuständig für internationale und EU-Angelegenheiten. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise in Europa ist der exzellent Deutsch sprechende Ungar 2015 ein gefragter Interviewpartner in deutschen Medien.

1986 kam der 1965 geborene Germanistikstudent Pröhle erstmals von Budapest nach Hamburg, doch bevor der DAAD-Stipendiat einreisen konnte, musste er einiges in Bewegung setzen. Das ungarische Kultusministerium verweigerte dem frisch gebackenen Stipendiaten 1985 zunächst das Visum. Gemeinsam mit seinem Großvater schrieb er einen Brief an den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, den er bei dessen ersten Besuch in Ungarn getroffen hatte – ein Jahr später konnte er sein Studium an der Elbe aufnehmen.

Sein Abschluss in Germanistik – Pröhle beschäftigte sich in seiner Diplomarbeit mit deutschen Romanen der 1970er-Jahre – und das Studium der Internationalen Beziehungen qualifizierten ihn für das Amt des Staatssekretärs im ungarischen Kultusministerium. In dieser Funktion war er für den Schwerpunkt Ungarn auf der Frankfurter Buchmesse 1999 zuständig. „Damals gelang es mir, zeitgenössische ungarische Autoren in Deutschland bekannt zu machen. Ich gab den Anstoß, dass sie hier noch heute gelesen werden“, sagt er stolz.

Stand: 2015-09-26