Hans-Christian Schmid

Deutschland

Filmregisseur, Drehbuchautor

DAAD-Stipendium 1995–1996

Hans-Christian  Schmid DAAD


Der heute in Berlin lebende Drehbuchautor und Filmregisseur Hans-Christian Schmid wurde 1965 in Altötting geboren, in dem bayrischen Wallfahrtsort, dem viele nachsagen, erzkatholisch zu sein. „Es kursieren eben seltsame Vorstellungen über Altötting. Ich bin in einem liberalen Elternhaus aufgewachsen, ging in ein links geltendes Gymnasium, bei mir gab es weder Beichte noch Sonntagskirchgang. Und mit dem Phänomen Glauben habe ich mich erst beim Entstehen meines Hochschul-Abschlussfilms ‚Die Mechanik des Wunders’ intensiver beschäftigt“, so Schmid.

Das DAAD-Stipendium hat es mir möglich gemacht, ein Drehbuchstudium bei Frank Daniel und David Howard zu absolvieren, die ich bis dahin nur von kurzen Workshops in Deutschland kannte. Das war eine Erfahrung, die meine Arbeit bis heute entscheidend beeinflusst.
Hans-Christian Schmid

Eines hat er jedoch vielleicht aus dem Aufwachsen in einer Kleinstadt mitgenommen: den Blick für das alltägliche Leben und die unterschiedlichen Facetten, wie sich das Leben leben lässt und wie man am Leben wächst. Episoden aus der Provinz – weit ab von irgendwelchen Heimatfilmchen – fängt er mit seiner Kamera ein, macht sie mit sicherer Hand zu häufig preisgekrönten Streifen, die gleichzeitig offen, nüchtern, kritisch, humvorvoll, schonungslos, eben authentisch sind.

Schmid studierte an der Münchner Filmhochschule Dokumentarfilm und beendete das Studium 1992 mit seiner Abschlussarbeit, die sich mit der organisierten Frömmigkeit in seinem Geburtsort beschäftigte. Mit einem Jahresstipendium des DAAD ging er 1995 zum Drehbuchstudium nach Los Angeles an die University of Southern California.

Seinen ersten Spielfilm drehte Schmid 1994. Das Thema von „Himmel und Hölle“: die Tiefen des religiösen Fanatismus, dargestellt am Beispiel eines Mädchens, das in die Fänge einer Sekte gerät. Es folgte 1995 der Publikumsliebling „Nach fünf im Urwald“, durch den auch Schauspielerin Franka Potente bekannt wurde. 1998 erhielt er als Co-Autor von Michael Gutmann für das Drehbuch für „Nur für eine Nacht“, der die Geschichte eines 16-jährigen krebskranken Jungen erzählt,  den Adolf-Grimme-Preis, eine der renommiertesten deutschen Auszeichnungen für Fernsehsendungen. Es folgen weitere Preise: unter anderem 1999 der Deutsche Filmpreis in Silber für den Film „23“, einem dem authentischen Bericht über den einen kokainsüchtigen Hacker Karl, oder 2003 der FIPRESCI-Preis im Rahmen der Berlinale für „Lichter“, den Episodenfilm über Schicksale an der deutsch-polnischen Grenze.

Diesen Preis der gleichnamigen internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung gab es im Frühjahr 2006 noch einmal – für „Requiem“. Ein Film, der sich wieder übersteigerter Religiosität widmet und auch wieder einen authentischen Fall betrachtet: das Leben einer jungen, psychisch kranken Frau aus einer schwäbischen Kleinstadt in den 1970er-Jahren, die nach mehreren Exorzismen an Unterernährung und Entkräftung starb. 2007 drehte Schmid den Dokumentarfilm, „Die wundersame Welt der Waschkraft“ über eine deutsche Wäscherei auf der polnischen Seite der Oder. 2008 realisierte er außerdem seinen ersten international koproduzierten Kinospielfilm „Sturm“ über eine Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die einen Prozess gegen einen ehemaligen Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee führt. Beide Filme wurden bei der Berlinale 2009 uraufgeführt – beim Deutschen Filmpreis 2010 ging der Filmpreis in Silber für den Besten Film an „Sturm“. Auch 2012 wurde Schmid zur Berlinale eingeladen – mit „Was bleibt“. Was immer Schmid plant und dreht – die Kino- und Fernsehzuschauer erwarten seine Filme mit Spannung, ebenso wie die Studierenden an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, der Filmakademie Ludwigsburg oder der Kunsthochschule für Medien in Köln, wo Schmid als Gastdozent lehrt.

Stand: 2015-10-05