Gonzalo Rojas

Chile

Dichter

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1988

Gonzalo  Rojas DAAD


In dem kleinen Hafen- und Bergarbeiterort Lebu im südlichen Chile wurde Gonzalo Rojas 1917 geboren. Der Ruhm des chilenischen Dichters hat auch seinem Heimatort ein wenig Glanz gebracht. 2004 wurde dem Dichter zu Ehren dort ein großes Fest gefeiert, denn Rojas hatte im Frühjahr aus den Händen des spanischen Königs Juan Carlos den Premio Cervantes, den wichtigsten spanischen Literaturpreis, verliehen bekommen.

Ich habe Deutschland im Hirn.
Gonzalo Rojas

20 Bände umfasst das Werk des Poeten, der schon als Kind zu schreiben begann. Zentrale Themen seiner Lyrik sind die Liebe, die Erotik und die Vergänglichkeit des Lebens. Von 1938 bis 1941 gehörte Rojas der von ihm mit gegründeten chilenischen Surrealisten-Gruppe „Mandrágora“ an, von der er sich aber schon bald distanzierte. Er lehnte das Originalitäts-Postulat der Surrealisten ab und plädierte für die Freiheit des Dichters. In seinem ersten veröffentlichten Gedichtband „La miseria del hombre“ von 1948 verarbeitete er die Erfahrungen, die er während einer Alphabetisierungs-Kampagne im Norden Chiles machte.

Rojas, der in Santiago Erziehungswissenschaft studierte, arbeitete danach für das Kulturministerium und an einem Gymnasium, bevor er 1952 den Lehrstuhl für Chilenische Literatur an der Universität von Concepción erhielt. Er reiste mehrfach nach Europa und organisierte 1960 den ersten Kongress lateinamerikanischer Schriftsteller. Der Dichter engagierte sich politisch für Allende, der ihn 1970 als Kulturattaché nach China schickte. 1972 war er Geschäftsträger der Allende-Regierung in Kuba, wo ihn 1973 der Militärputsch überraschte und ins Exil zwang. Er fand mit Frau und Sohn Zuflucht in der DDR und war dort 1974/75 Gastprofessor an der Universität Rostock.

Allerdings ließ man ihn nicht unterrichten, worunter Rojas sehr litt. Darüber schrieb er in seinem Buch „Oscuro“ (1977). Als Emigrant nahm Rojas danach Gastprofessuren in Venezuela und in den USA wahr, bis er 1979 zwar nach Chile, jedoch nicht auf seinen Lehrstuhl zurückkehren konnte.

Schon als Junge liebte Rojas die deutschen Romantiker und las Novalis und Hölderlin. Diese Neigung zur deutschen Literatur konnte er in Rostock vertiefen. „Ich habe Deutschland im Hirn“, sagte er von sich. Dies war wohl auch der Grund für ihn, immer wieder nach Deutschland zurückzukehren. Auf Einladung des Berliner Künstlerprogramms des DAAD verbrachte er 1988 mehrere Monate in Berlin. Beim großen Berliner Poesiefestival 2003 begeisterte der Dichter mit einer Lesung rund 2000 Menschen, die auf dem Potsdamer Platz seinen Worten lauschten. Im Winter 2003 nahm er an dem vom DAAD organisierten Künstlerseminar „Artes – DAAD“ in Santiago de Chile teil.

Am 25. April 2011 ist der bedeutende Lyriker im Alter von 93 Jahren in Santiago de Chile gestorben.

Stand: 2015-09-08