Prof. Dr. Fuad Rifka

Syrien

Philosoph, Lyriker, Übersetzer

DAAD-Stipendium 1962–1963

Prof. Dr. Fuad Rifka DAAD


Eine zufällige Begegnung weckte in Fuad Rifka die Leidenschaft für deutsche Literatur und Philosophie. Anfang der 1960er-Jahre fiel dem jungen Dichter beim Besuch des Goethe-Instituts in Beirut ein Gedichtband von Rainer Maria Rilke in die Hände. Aus der Entdeckung entstand eine fruchtbare und andauernde Beziehung: Sie weckte bei Fuad Rifka den Wunsch, „deutsche Lyrik ins Arabische zu übersetzen, um sie der gesamten arabischen Welt zugänglich zu machen“. Als Erster übertrug er Rilkes Dichtung direkt aus dem Deutschen ins Arabische, darüber hinaus übersetzte er Werke von Hölderlin, Novalis, Hesse, Celan, Brecht und Goethe. Dafür wurde er mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise erhielt er 2001 den Friedrich-Gundolf-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 2005 das Bundesverdienstkreuz sowie 2010 die Goethe-Medaille des Goethe-Instituts.

Als junger Dichter stand ich im Dunkeln durch meine Begegnung mit der deutschen Kultur habe ich angefangen, meinen Weg zu finden.
Fuad Rifka

Dank eines Stipendiums des DAAD kam der 1930 in Syrien geborene Fuad Rifka 1962 erstmals nach Deutschland. An der Universität Tübingen setzte er sein Studium der Philosophie fort und promovierte dort drei Jahre später über die Ästhetik Martin Heideggers. Es folgten weitere DAAD-geförderte Aufenthalte in Deutschland. Die Begegnung mit der deutschen Dichtkunst und Philosophie hat Rifka später einmal als „Erdbeben für seine Existenz“ bezeichnet. Als Professor für Philosophie lehrte Fuad Rifka über 30 Jahre an der Lebanese American University in Beirut und stellte dort die deutsche Philosophie in den Mittelpunkt seiner Lehre.

Fuad Rifka gehörte Anfang der 1950er-Jahre in Beirut zu den Gründungsmitgliedern der avantgardistischen Lyrik-Zeitschrift Sh’ir. Seine eigene Dichtung gilt mit ihrer bewusst schlicht gewählten Sprache als Ausnahmeerscheinung in der Welt der arabischsprachigen Lyrik. Sein erster eigener Gedichtband erschien 1961. In Deutschland wurde seine Dichtung erstmals 1990 in einer zweisprachigen Ausgabe publiziert. „Als junger Dichter stand ich im Dunkeln“, sagte Fuad Rifka, „durch meine Begegnung mit der deutschen Kultur habe ich angefangen, meinen Weg zu finden. Wie jemand der blind ist und allmählich anfängt zu sehen.“

Fuad Rifka verstarb am 14. Mai 2011.

Stand: 2015-09-14