Prof. Dr. Jutta Allmendinger

Deutschland

Soziologin, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung

DAAD-Stipendium 1983–1984

Prof. Dr. Jutta  Allmendinger Inga Haar


„Der Studienaufenthalt in den USA hat mich enorm geprägt“, sagt Professorin Jutta Allmendinger, „persönlich und in fachlicher Hinsicht.“ Mitte der 1980er-Jahre ging die Diplom-Soziologin mit Hilfe eines DAAD-Stipendiums an die Universität Wisconsin und absolvierte dort ein Graduiertenstudium in Soziologie, Volkswirtschaft und Statistik. Später schrieb sie sich an der Harvard Universität in Cambridge ein, wo sie 1989 im Fach Sozialwissenschaften promovierte.

Die Fähigkeit, das Lernen zu lernen, muss geweckt und gefördert werden.
Jutta Allmendinger

Dabei fiel Allmendinger auf, dass es an Eliteuniversitäten in Amerika sehr viele Frauen mit Kindern gab. „Man sieht dort auch viele Ehepaare, die gemeinsam an Instituten arbeiten“, erzählt Allmendinger. Das sei in Amerika durchaus üblich. „Die Anschauung vor Ort hat mir sicherlich eine Art Schubs gegeben und mir gezeigt, dass Kinder und eine wissenschaftliche Karriere sich nicht ausschließen.“ Allmendinger hat beides verwirklicht: Ihr Sohn Philipp Laudris wurde 1994 geboren.

Zwei Jahre vorher wurde sie Professorin für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Ihre Beurlaubung dort hing mit ihrer Tätigkeit in Nürnberg zusammen: Von Februar 2003 bis Ende 2006 leitete sie das dortige Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Mit ihren Forschungsschwerpunkten Soziologie des Arbeitsmarktes, Bildungssoziologie, Soziale Ungleichheit, Sozialpolitik, Organisationen und Lebensläufe war sie damit nah an der politischen Entscheidungsebene.

Hartz IV und die Folgen lieferten ihrem Institut dabei ebenso Material wie die Debatten um den demografischen Wandel der Gesellschaft und das deutsche Bildungssystem. Dessen Umbau sah Allmendinger äußert kritisch und plädierte zum Beispiel dafür, junge Menschen nicht nur auf einen spezifischen Beruf vorzubereiten, sondern grundsätzlich auch auf die Notwendigkeit, ein Leben lang Qualifikationen zu erwerben: „Die Fähigkeit, das Lernen zu lernen, muss geweckt und gefördert werden.“

Auch zu wissenschaftspolitischen Themen meldet sie sich zu Wort: 2004 wurde Allmendinger in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften berufen, 2005 in den Hochschulrat der TU Darmstadt. Seit 2006 ist sie Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates und seit 2007 der von der Bundesregierung berufenen Expertenkommission für Forschung und Innovation. Sie gehört zudem der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina an und seit 2008 dem Stiftungsrat der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Im Februar 2007 wurde Jutta Allmendinger zur Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin ernannt. Am 1. April 2007 folgte eine weitere Herausforderung: Sie übernahm als erste Frau die Leitung des größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts in Europa, des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Dort forschen 140 Ökonomen, Politologen, Soziologen, Historiker und Juristen unter anderem zu den Themen Arbeitsmarkt und Beschäftigungspolitik, Soziale Ungleichheit, Demokratie und Zivilgesellschaft.

Stand: 2015-10-05