Dr. Ernesto Medina

Nicaragua

Chemiker, Rektor der Universidad Americana de Nicaragua

DAAD-Stipendium 1974–1980

Dr. Ernesto Medina privat


Mit solch einer Auszeichnung hätte er niemals gerechnet: Als Ernesto Medina erfuhr, dass er das Bundesverdienstkreuz erhalten soll, war sein erster Gedanke: „Warum ausgerechnet ich?“ Das war im Jahr 2010. Geehrt wurde der Rektor der Universidad Americana de Nicaragua für seinen unermüdlichen Einsatz, die Bildung zu modernisieren – in Zusammenarbeit mit Institutionen in Deutschland und Zentralamerika. Medina hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Beziehung zwischen seinem Heimatland und Deutschland und insbesondere die Partnerschaft zwischen Hamburg und Medinas Geburtsstadt León immer intensiver wurde. „Die Preisverleihung gehört zu den glücklichsten Momenten in meinem Leben“, erinnert sich der Chemiker. Anwesend waren damals auch seine Familie und seine engsten Freunde. „Ohne ihre Unterstützung wären meine Anstrengungen gar nicht möglich gewesen. Auch sie haben die Medaille verdient.“

Ich habe in jener Zeit erfahren, was wirkliche Freundschaft bedeutet.
Ernesto Medina

Als 21-Jähriger kam Medina im Oktober 1974 nach Deutschland, wo er bis 1980 als DAAD-Stipendiat an der Georg-August-Universität Göttingen Chemie studierte und schließlich in Organischer Chemie promovierte. „Der Aufenthalt hat mir die wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben ermöglicht“, resümiert Medina. Als Wissenschaftler habe er gelernt exakt zu arbeiten. „In Göttingen habe ich zudem begriffen, wie wichtig und erfolgreich Teamarbeit sein kann.“ Als Mensch habe er zu schätzen gelernt, mit der Umgebung in Einklang zu leben, andere Meinungen zu respektieren, zuzuhören und tolerant zu sein. „Damals habe ich erfahren, was wirkliche Freundschaft und Solidarität bedeuten.“

Als Medina dabei war, seine Doktorarbeit fertig zu schreiben, begann in Nicaragua die Sandinistische Revolution. „Ich wusste: Mein Platz war dort. Ich wollte all mein Wissen, meine Erfahrungen, die ich in Deutschland gesammelt hatte, den Menschen in Nicaragua zur Verfügung stellen“, sagt der Wissenschaftler. Seitdem engagiert er sich für die Belange seines Volkes, vor allem für die Schwachen und Armen. Die Zukunft seines Landes liegt ihm sehr am Herzen: „Aus diesem Grund habe ich mich schließlich entschieden, nicht nur wissenschaftlich zu arbeiten und die Wissenschaft zu fördern, sondern aktiv Bildung mitzugestalten.“ So habe er die Chance, jungen Menschen in Nicaragua das zu weiterzugeben, was er einst erhalten hat: eine ausgezeichnete Bildung.

Stand: 2015-09-08