Prof. Dr. Elena Esposito

Italien

Soziologin

DAAD-Stipendium 1986–1990

Prof. Dr. Elena  Esposito DAAD


Die Italienerin Elena Esposito gilt als eine der führenden Vertreterinnen der Systemtheorie. Die 1960 in Mailand Geborene studierte zunächst Soziologe und Philosophie in Bologna, unter anderem bei dem Semiotik-Professor und Schriftsteller Umberto Eco. 1986 zog es Elena Esposito nach Bielefeld. Sie wollte unbedingt bei Niklas Luhmann, einem der bedeutendsten Sozialwissenschaftler des 20. Jahrhunderts und Entwickler der soziologischen Systemtheorie, studieren. Der Plan ging auf. Elena Esposito erinnert sich gern an ihre Zeit als DAAD-Stipendiatin in Bielefeld: „Dort herrschte damals eine sehr anregende Atmosphäre.“ 1990 promovierte Esposito bei Luhmann, 2001 wurde sie an der Universität Bielefeld habilitiert. Heute lehrt sie Kommunikationssoziologie an der Universität Modena und Reggio Emilia.

Wir dürfen uns von der Technik nicht völlig vereinnahmen lassen.
Elena Esposito

Durch Werke wie „Soziales Vergessen. Formen und Medien des Gedächtnisses der Gesellschaft“ (2002) und „Die Fiktion der wahrscheinlichen Realität“ (2007) hat Elena Esposito die Systemtheorie vorangetrieben. Mit einem Buch über die gesellschaftliche Funktion der Mode ist sie auch außerhalb der Fachwelt bekannt geworden. In „Die Verbindlichkeiten des Vorübergehenden: Paradoxien der Mode“ (2004) beschreibt sie Mode als ein Phänomen voller Widersprüche: Wer sich modisch verhält, würde beispielsweise Originalität anstreben, indem er sich wie andere verhält oder kleidet.

Zudem gilt ihr Forschungsinteresse den Vorgängen auf den Finanzmärkten. Zeit und Raum seien dort aufgehoben, der Computer habe die Herrschaft übernommen. „Wir dürfen uns von der Technik nicht völlig vereinnahmen lassen“, warnt sie und hat auch persönliche Konsequenzen gezogen. Auf ihrem Schreibtisch gibt es immer noch einen Zettelkasten mit Tausenden handgeschriebenen Zetteln, so wie bei ihrem berühmten Lehrer Niklas Luhmann.

Dem deutschen Sprachraum ist die Wissenschaftlerin stets eng verbunden geblieben. 1998 verbrachte sie ein Jahr als Forschungsstipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung an der Freien Universität Berlin. Zwei Jahre später hatte sie eine Gastprofessur an der Universität Wien inne. Ein großer Teil ihrer wissenschaftlichen Texte ist auch auf Deutsch erschienen. Zudem hat sie zahlreiche Texte – auch von Luhmann – ins Italienische übersetzt. Kein Zufall also, dass Elena Esposito 2009 mit dem Mittner-Preis des DAAD für besondere Verdienste um den deutsch-italienischen Dialog ausgezeichnet wurde.

In den Jahren 2013 und 2014 kehrte sie als Stipendiatin des Internationalen Kollegs für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie der Bauhaus-Universität Weimar nach Deutschland zurück – und beschäftigte sich dort mit hochtechnisierten Mediengesellschaften und der Handlungsmacht technischer Apparaturen. Auch mit Artikeln wie „Algorithmische Kontingenz. Der Umgang mit Unsicherheit im Web“ (2014) und „Beyond the Promise of Security: Uncertainty as Resource“ (2015) vertiefte sie ihren Forschungsschwerpunkt.

  

Stand: 2015-09-15