Dorota Maslowska

Polen

Schriftstellerin

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2009

Dorota Maslowska DAAD


International bekannt wurde Dorota Maslowska, Jahrgang 1983, mit ihrem Roman „Schneeweiß und Russenrot“. Als er 2002 erschien, war sie gerade 19 Jahre alt. Das Buch, eine ziemlich aggressive, schonungslose und sprachlich gnadenlose Momentaufnahme der polnischen Gegenwart, wurde zum internationalen Erfolg, ihre Sprache zu einer Identifikationsfläche für die polnische Jugend.

Ihren zweiten Roman „Reiherkönig“ habe sie auch geschrieben, um mit dem Medien-Hype um ihren Erstling fertig zu werden, sagt Maslowska, die Psychologie und Kulturwissenschaft in Danzig und Warschau studiert hat. Der Roman, im Rap-Rhythmus verfasst, spielt in der Sphäre der Medien-Macher.

Es ist schwer, Erfolg zu haben und es ist schwer, ihn zu wiederholen.
Dorota Maslowska

Die Kritiker bescheinigen der Autorin eine ganz eigene und ungewöhnliche Sprache. Sie lasse den Text „240 Seiten lang im Staccato eines Maschinengewehrs auf den Leser niederknattern“, schreibt ein Kritiker. Solche martialischen Bilder passen freilich nicht zu der kleinen, mädchenhafte wirkenden Frau, die ihr Gesicht gern hinter blondierten Strähnen verbirgt, auf allzu indiskrete Fragen gelegentlich mit einem verlegenen Lachen reagiert und auf politische Fragen hin und wieder genervt reagiert – weil sie erlebt hat, wie glatt und tückisch dieses Parkett sein kann.

Genau diese Mischung aus radikaler Gegenwartsbeobachtung, gnadenloser Sprache und dem Charme eines Teenagers ist es, der Maslowska nicht nur zu einer Literatur-, sondern auch zu einer Medien-Attraktion gemacht hat.

Ihr erfolgreicher Debüt-Roman „Schneeweiß und Russenrot“ ist inzwischen verfilmt worden, ihre beiden ersten Bühnenstücke „Wir kommen gut klar mit uns“ und „Zwei arme polnisch sprechende Rumänen“ werden auf zahlreichen Bühnen gezeigt. Für ihren 2012 erschienenen Roman „Liebling, ich hab die Katzen getötet“ wurde sie in Deutschland als „Polens Starautorin“ gefeiert.

Mit dem allgegenwärtigen Medien-Interesse hat die Autorin gelegentlich Schwierigkeiten. „Es ist schwer, Erfolg zu haben, und es ist sehr schwer, ihn zu wiederholen.“ Mit ihren Romanen und ihren beiden Bühnenstücken hat sie aber bewiesen, dass ihr Erstling kein Zufallserfolg war. Immer wieder feiern ihre Theaterstücke auf Polens Bühnen Erfolge. Für das zweite Buch erhielt Maslowska 2005 den NIKE-Preis, die bedeutendste literarische Auszeichnung Polens.

Ihren Aufenthalt als Gast des Berliner Künstlerprogramms hat die Schriftstellerin als willkommene Auszeit von turbulenten Zeiten in ihrer Heimat erlebt und auch erfahren: „Diese Perspektive von außen auf die eigene Existenz, das ist schon eine ganz wichtige Erfahrung.“

Stand: 2015-09-26