Prof. Dr. Volkwin Marg

Deutschland

Architekt, Professor für Stadtbereichsplanung und Werklehre an der RWTH Aachen (1986–2003)

DAAD-Stipendium 1960–1961

Prof. Dr. Volkwin Marg GMP


Er gehört zu den bedeutendsten Architekten der Gegenwart: Die Fußball- und Olympiastadien für die Weltmeisterschaften 2006, 2010, 2014 in Deutschland, Afrika und Brasilien, die Flughäfen in Berlin-Tegel, Hamburg, Stuttgart, Ancona, die Messeanlagen in Hannover, Düsseldorf und Rimini oder die Planung für die HafenCity Hamburg – sie alle und viele weitere prominente Bauten hat Volkwin Marg konzipiert.

In den Niederlanden habe ich den Städtebau systematisch erlernt. Das war damals nur dort in dieser Grundsätzlichkeit möglich.
Volkwin Marg

Der DAAD-Alumnus wurde 1936 in Königsberg geboren und wuchs in der ehemaligen DDR auf. „Ich habe mit den ideologischen Konflikten gelebt, die in der Nazizeit und hinter dem Eisernen Vorhang nach dem Krieg ausgetragen wurden“, sagt Marg. „Deshalb habe ich gelernt, die Hintergründe und übergeordneten Zusammenhänge herauszufinden und kritisch zu werten.“ Beruflich suchte er, um des Studienplatzes in der DDR willen, eine apolitische Nische und bewarb sich in Dresden für „Die Pflege des nationalen Kulturerbes“. „Auf diese Weise bin ich vom angestrebten Studium der Geisteswissenschaften zur praktischen Baukunst gekommen“, erzählt er. 1957 floh Marg nach West-Berlin und schrieb sich an der Technischen Universität und im Rahmen des damaligen obligaten Studium generale an den benachbarten Hochschulen der Künste und der Musik ein. Nach dem Vordiplom studierte er mit einem DAAD-Stipendium zum ersten Mal im Ausland. „Nach meiner Flucht nach West-Berlin war das meine zweite große Befreiung“, erinnert sich Marg.

In einem interdisziplinären Kooperationsprojekt mit der Universität Leiden lernte er an der Sanierung und Erweiterung der Kleinstadt Culemborg und auf dem Neuland leergepumpter Polder, die dem Ijsselmeer abgerungen wurden, die Programmierung und Strukturierung neuer Stadtgründungen am Beispiel der Stadt Dronten in Flevoland. „In den Niederlanden habe ich den Städtebau systematisch erlernt. Das war damals nur dort in dieser Grundsätzlichkeit möglich.“

Zurück in Deutschland wechselte er an die Technische Universität Braunschweig und verdiente seinen Lebensunterhalt mit Wettbewerbsentwürfen für praktizierende Architekten. 1965 gründete er gemeinsam mit Meinhard von Gerkan, unmittelbar nach dem Examen, das Architekturbüro „von Gerkan, Marg und Partner (gmp)“ in Hamburg – und schrieb mit mehr als 290 ersten Preisen in nationalen und internationalen Architektenwettbewerben sowie über 350 weltweit realisierten Projekten Erfolgsgeschichte. Im Jahr 2009 nahmen Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg für ihren Beitrag zur Baukultur und ihr politisches Engagement für städtebauliche Qualität das Bundesverdienstkreuz erster Klasse entgegen. Marg, 1975 bis 1983 zunächst Vizepräsident, dann Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA), erhielt 2012 zudem die Ehrendoktorwürde im Fachbereich Architektur durch den akademischen Senat der HafenCity Universität Hamburg. Seine akademische Karriere begann jedoch bereits im Jahr 1985: Bis 2003 hatte Marg, als Nachfolger von Gottfried Böhm, an der RWTH Aachen den Lehrstuhl für Stadtbereichsplanung und Werklehre inne. Seit 2012 ist der Architekt Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Früher wie heute setzt er auf ein generalistisches Verständnis von Architektur: „Ich verstehe mich als Baumeister“, sagt Marg. „Wie zu Zeiten Balthasar Neumanns bildet für mich als Architekten die Arbeit des Handwerkers, des Ingenieurs und des interpretierenden Künstlers eine Einheit.“

Stand: 2015-10-01