Damien Hirst

Vereinigtes Königreich

Künstler

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1993–1995

Damien Hirst DAAD


Der britische Künstler Damien Hirst kam 1993 mit dem Ruf des genialischen, ungemein kreativen und durchaus auch an der eigenen Vermarktung interessierten jungen Wilden nach Berlin. In London hatte er kurz zuvor mit dem Projekt „Die physische Unmöglichkeit des Todes in der Vorstellung eines Lebenden“ Furore gemacht – auch außerhalb der Kunstwelt. Es zeigte einen in Formaldehyd eingelegten Tigerhai, dessen Präsenz und Verwesung eine lebhafte Diskussion auslöste und gleichzeitig einen Grundton in Hirsts Schaffen erkennen ließ: das Interesse an Werden und Vergehen.

Ich lebe in Berlin, um der Publicity zu entgehen.
Damien Hirst

„Ich lebe in Berlin, um der Publicity zu entgehen“, so der Brite. Doch so ganz ernst konnte das nicht gemeint sein. Auch als Gast des Berliner Künstlerprogramms entfaltete Damien Hirst die ihm eigene Art von inspirierter Umtriebigkeit. Seine Wohnung in Schöneberg wurde zum quirligen Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde und mit seiner Ausstellung in der DAAD-Galerie präsentierte er ein Stück spektakulärer Event-Kunst: monochrome Bilder, umflattert von Tausenden von Schmetterlingen, die auf den Bildern ihre Spuren hinterlassen. Titel: „A Good Environment for Coloured Monochrome Painting.“

Nach seinem Berliner Aufenthalt stieg der 1965 in Bristol geborene Vertreter der BritArt rasch zum Star der internationalen Kunstszene auf. Seine weltweit beachteten Ausstellungen in London, Boston und Venedig fanden ein großes Presseecho. Rekorderlöse für seine Werke wurden zum Markenzeichen. So versteigerte Sotheby’s die Hirst-Installation „Lullaby Spring“, über 6000 Gipskugeln in einem Stahlrahmen aufgehängt, für 14,5 Millionen Euro.

Noch höher hinaus ging es bei einem Schädel, den Damien Hirst in Platinum gegossen und reichlich mit Brillanten verziert hatte. Der Materialwert soll immerhin 75 Millionen Euro betragen haben. Das einigen Betrachtern leicht makaber erscheinende Werk mit dem Titel „For the Love of God“ wurde von einer Finanzgruppe für rund 100 Millionen Euro gekauft. „Der teuerste Künstler der Welt“ lauteten die Schlagzeilen. Dass Damien Hirst selbst Mitglied dieser Käufergruppe war, galt seinen Bewunderern als die endgültig gelungene Verschmelzung von Markt und Kunst, seinen Kritikern als leicht anrüchiger Marketing-Gag.

Damien Hirst, der schon als Student am Londoner Goldsmiths College die klassischen Grenzen zwischen Kunstrichtungen und Genres nicht akzeptieren wollte, fühlt sich außerhalb aller Schubladen sichtlich wohl. Wo endet die Kunst, wo beginnt das reine Marketing? Der Künstler hat kein Problem damit, sich selbst zu vermarkten, auch nicht mit einem Online-Shop, der Hirst-Devotionalien aller Art anbietet, etwa T-Shirts mit Schmetterlingen, Totenschädel oder seinem Namenszug.

Stand: 2015-09-11