Prof. Dr. Claudia Kemfert

Deutschland

Ökonomin

DAAD-Promotionsstipendium 1998

Prof. Dr. Claudia Kemfert DAAD


„Die fossile Ressource Öl wird nur noch 15 Jahre zur Verfügung stehen, um die gesamte Energienachfrage der Welt zu decken.“ Mit düsteren Prognosen wie dieser hat sich Claudia Kemfert in Deutschland einen Namen gemacht. Seit sie 2004 die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und einen Lehrstuhl für Umweltökonomie an der Berliner Humboldt-Universität (bis 2009) übernahm, vertritt sie ihre Thesen offensiv in der Öffentlichkeit. Seit 2009 ist sie außerdem Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance und für die Medien eine der gefragtesten Ansprechpartnerinnen zu Energieforschung und  Klimaschutz.

Wissenschaftler müssen sich aktiv zu Wort melden – das geschieht derzeit in Deutschland zu wenig.
Claudia Kemfert

Claudia Kemfert studierte Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Bielefeld und Oldenburg und promovierte mit einem DAAD-Stipendium 1998 in Stanford. Die Zeit dort war prägend für ihre Karriere. In Stanford entwickelte Professor Alan Manne computerunterstützte quantitative Modelle zur Bewertung wirtschaftlicher Auswirkungen von Ölknappheit und Klimawandel. „Das war so spannend, dass es mich nicht mehr losgelassen hat“, sagt sie.

Als sie 2004 den Lehrstuhl in Berlin übernahm, war sie die erste deutsche Juniorprofessorin, die auf eine hoch dotierte C4-Professur berufen wurde. Im Fußballjahr 2006 suchte die Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ gemeinsam mit der DFG, der Leibniz-Gemeinschaft und anderen Einrichtungen die „Elf der Wissenschaft“, elf deutsche Spitzenforscher/innen unter 40. Kemfert war eine von ihnen. 2011 wurde sie mit dem B.A.U.M.-Umweltpreis in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet.

Mit ihrer Popularität geht die Energieökonomin gelassen um. Öffentlichkeitsarbeit sieht sie als Teil ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit. Sie will nicht nur in einem Elfenbeinturm sitzen und Modelle konzipieren, sondern auch ihre Ergebnisse öffentlich diskutieren. „Leider gibt es nur wenige Medienformate, die eine tiefe und ernsthafte Informationsverbreitung ermöglichen – das schreckt Wissenschaftler ab“, sagt sie. Dennoch dürften diese die öffentliche Meinungsbildung nicht nur Journalisten, Politikern oder – was am schlimmsten sei – selbsternannten Experten überlassen. „Wir müssen uns aktiv zu Wort melden – das geschieht derzeit in Deutschland zu wenig.“

Auch das hat sie in den USA gelernt: „Dort ist es normal, dass renommierte Experten in Beraterkreise der Regierung einberufen werden und sich dann auch öffentlich äußern.“ Kemfert nahm deshalb gerne an, als der damalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sie als Beraterin berief. Claudia Kemfert ist in Beiräten der EU-Kommission sowie verschiedener Forschungsinstitutionen und Bundes- und Landesministerien tätig.

Stand: 2015-10-04