Cherno Jobatey DAAD

Cherno Jobatey

Deutschland

Journalist, Moderator

DAAD-Jahresstipendium 1985–1986


Talent und Beharrlichkeit, vor allem aber seltsame Zufälle und glückliche Begegnungen haben dazu geführt, dass Cherno Jobatey 20 Jahre lang zur Spitze der Moderatoren im Deutschen Fernsehen gehörte. Von 1992 bis Ende 2012 führte er als Moderator der ersten Stunde durch das ZDF-Morgenmagazin. Anfang der 1990er-Jahre quizzte er bei „Kopfball“ in der ARD, moderierte Regionales bei „Berlin Brandenburg“ und fünf Jahre lang die ARD-Sendung „Verstehen Sie Spaß“. Der RBB gab ihm sogar eine eigene Show: „Cherno – Die Talkshow“. Als sie 2003 aus dem Programm genommen wurde, sagte er: „Das war der lustigste Nebenjob, den ich je hatte.“ Seit 2012 moderiert der Journalist immer noch, aber widmet sich nicht mehr nur dem Fernsehen: Er wurde Herausgeber der deutschen Ausgabe der Internetzeitung „Huffington Post“.

Meine Vorstellungen davon, was ich wollte und wie ich diese Ziele verwirklichen konnte, sind damals in Kalifornien geformt worden.
Cherno Jobatey

1965 in Berlin geboren und aufgewachsen, studiert der Sohn eines Schiffskoches aus Gambia und einer Berliner Klavierlehrerin Politikwissenschaften und Musik an der Freien Universität Berlin. „Ich wusste schon früh, dass ich Journalist werden wollte und in Bands hatte ich bereits als Schüler gespielt. Mein erstes Zeilengeld als freier Journalist verdiente ich dann auch mit Konzertkritiken.“

Im vierten Semester bekommt er ein DAAD-Stipendium für einen einjährigen Studienaufenthalt in Los Angeles. „Die Zeit war entscheidend. Vielleicht nicht im Sinne eines direkten Karrierestartes. Aber meine Vorstellungen davon, was ich wollte und wie ich diese Ziele verwirklichen konnte, sind damals in Kalifornien geformt worden.“ In Land und Leute hat er sich gleich verliebt. „Das Meer, die Landschaft, das kalifornische Lebensgefühl entbehre ich hier so sehr, dass ich mindestens einmal im Jahr dorthin fliege. Sollte mein glühender Berliner Lokalpatriotismus einmal erlöschen, würde ich mich irgendwo zwischen Santa Barbara und San Diego ansiedeln.“

Während des Studienaufenthaltes hält er einen Vortrag über den Bürgerrechtler Jesse Jackson, auf den zufällig der RIAS aufmerksam wird. Man habe gehört, er sei Experte für inneramerikanische Politik, heißt es aus Berlin. Cherno Jobatey greift zu und arbeitet fortan fürs Radio. Als später Michael Jackson in Berlin auftritt, spielt zufällig eine von Jobateys Gitarrenlehrerinnen aus den USA in Jacksons Band und verschafft ihrem Schüler einen Interviewtermin, während andere Journalisten leer ausgehen. Darunter ein Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, mit dem Jobatey ins Gespräch kommt. Bald schreibt er Konzertkritiken für „Die Zeit“, später auch für den „Spiegel“. Geld verdient er schon damals auch beim Fernsehen – zunächst dreimal die Woche am Kopierer beim SFB. Doch dank seiner Beharrlichkeit macht er bald Beiträge für die Abendschau. Und auch seine erste Moderation verdankt Jobatey einem Zufall: Als alle Moderatoren der Sendung „Berlin – Heute Abend“ verhindert oder krank sind, bietet er sich spaßeshalber an – und bekommt den Job. Im Jahr 2005 profilierte sich der Moderator mit seinem Fitnessratgeber „Fit wie ein Turnschuh“ auch als Buchautor. Seit Oktober 2010 ist Cherno Jobatey zudem Pate des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in Berlin-Friedrichshain für das Projekt „Schule ohne Rassismus“.