Dr. Bryan Mark Rigg

USA/Vereinigte Staaten

Historiker, Schriftsteller, Gründer und Präsident der Firma RIGG Wealth Management

DAAD-Stipendium 1996

Dr. Bryan Mark Rigg DAAD


Es begann 1992 in einem Berliner Kino. Dort sah der damals 20-jährige amerikanische Geschichtsstudent Bryan Mark Rigg den Film „Hitlerjunge Salomon“. Der Film handelt von einem Juden, der die Zeit des Nationalsozialismus überlebt, weil es ihm gelingt, in der Wehrmacht zu dienen. Beim Hinausgehen aus dem Kino sprach ein alter Mann den jungen Amerikaner an: „Das ist auch meine eigene Geschichte.“ Für Mark Rigg, tief beeindruckt von dem Film, wurde es eine lange Nacht: Der Fremde erzählte ihm seine Geschichte als jüdischer Soldat in der Hitler-Zeit.

Die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte in der Nazizeit bedeutet ein Stück Aufarbeitung meiner Familiengeschichte.
Bryan Mark Rigg

Die Begegnung ließ Rigg nicht mehr los. Denn hier fand er ein Stück seiner eigenen Familiengeschichte wieder. Während seines Aufenthalts in Deutschland forschte er in sächsischen Archiven über seine deutschen Vorfahren jüdischen Glaubens. Seine Urgroßmutter war Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert, aber ihre Schwester und deren Familie – mehr als 20 Angehörige – wurden von den Nationalsozialisten umgebracht, zwei der Verwandten, ebenfalls Juden, dienten in der Wehrmacht und fielen in Frankreich.

Rigg hatte sein Forschungsthema gefunden. Der Historiker wollte wissen, wie Juden in die Wehrmacht kamen, wie es ihnen dort erging und wie sie später darüber dachten. Für seine Dissertation befragte er mehr als 400 überlebende deutsche Soldaten jüdischer Herkunft, reiste dafür durch Deutschland und viele andere Länder, von Israel bis Kanada. Die ersten Adressen erhielt er von dem alten Mann aus dem Kino. Zu den Befragten gehörten auch deutsche Politiker wie Helmut Schmidt und Egon Bahr.

Tausende von Rigg über Jahre zusammengetragene Tonbanddokumente, Briefe und Tagebücher – die er inzwischen dem Bundes-Militärarchiv in Freiburg übergab – bildeten die Grundlage für sein mehr als 400 Seiten starkes Buch „Hitlers Jüdische Soldaten“ (University Press of Kansas 2002, deutsch: Verlag Ferdinand Schöningh 2003). Es erregte nicht nur unter Historikern Aufsehen, sondern in den Medien weltweit und wurde mit dem amerikanischen Colby Award 2003 ausgezeichnet.

Mit dem Holocaust befasste Rigg sich auch in seinem zweiten Buch „Rescued from the Reich: How One of Hitler's Soldiers Saved the Lubavitcher Rebbe“. Darin beschreibt er die Flucht von Rabbi Yosef Schneersohn, dem Oberhaupt der Lubawitsch-Bewegung, in die Vereinigten Staaten. Dafür kooperierten damals amerikanische Regierungsmitarbeiter mit hochrangigen Nazis. 2009 erschien Riggs drittes Buch, mit dem er wieder zu Hitlers jüdischen Soldaten zurückkehrt: Er wählte 20 von ihnen aus und erzählt ihre Biographien.

Rigg hat sich als evangelischer Christ neben seiner Forschungstätigkeit auch in kirchlich-humanitären Bildungsprojekten in osteuropäischen Ländern und Südafrika engagiert. Er hat als Freiwilliger in der israelischen Armee gedient und lebt heute in den USA. Er unterrichtete Holocaust, Militärgeschichte und Religion an der American Military University in Manassas, Virginia und der Southern Methodist University, Dallas. 2006 beendete er diese Tätigkeit und war zunächst als Relationship Manager bei Credit Suisse tätig. Im Jahr 2008 gründete er ein eigenes Unternehmen: die RIGG Wealth Management, LLC. Seitdem leitet er die Anlageberatungsfirma als Präsident.

Stand: 2015-09-10