Prof. Dr. Bernhard Schlink

Deutschland

Jurist, Autor

DAAD-Stipendium 1974, Gastprofessur 1990

Prof. Dr. Bernhard Schlink by Roger Eberhard [CC BY-SA 3.0] via Wikimedia Commons


Seine Bücher tragen Titel wie „Vergangenheitsschuld und gegenwärtiges Recht“ oder „Grundrechte. Staatsrecht“. Sie heißen aber auch „Die gordische Schleife“, „Der Vorleser“ und „Das Wochenende“. Bernhard Schlink ist nicht nur Professor für Rechtswissenschaften, sondern auch erfolgreicher Romanautor. „Man will nicht nur ein Leben haben“, hat er einmal in einem Interview auf die Frage nach der Bedeutung des Schreibens gesagt. In seinen Romanen wagt er sich an konkrete Auseinandersetzungen mit Themen der deutschen Geschichte heran – und ist damit überaus erfolgreich.

Sowohl der Aufenthalt in Stanford als auch die Lehrtätigkeit an der Humboldt-Universität nach der Wende waren ungemein bereichernde, anregende Erfahrungen.
Bernhard Schlink

Bernhard Schlink wurde 1944 in Bielefeld als Sohn eines Theologieprofessors geboren und wuchs in Heidelberg auf. Dort und später in Berlin studierte er Jura. Während des Studiums verbrachte er ein Jahr mit einem DAAD-Stipendium an der kalifornischen Stanford University. „Sowohl der Aufenthalt in Stanford 1974, bei dem es um Forschung zu Künstlicher Intelligenz in Rechtstheorie und -praxis ging, als auch die Lehrtätigkeit an der Humboldt-Universität nach der Wende waren ungemein bereichernde, anregende Erfahrungen. Sie haben ihren Niederschlag in wissenschaftlichen Veröffentlichungen gefunden“, sagt Bernhard Schlink.

1975 promovierte der Jurist in Heidelberg, sechs Jahre später folgte die Habilitation in Freiburg. Danach lehrte und forschte er fast zehn Jahre lang als Juraprofessor an der Bonner Universität. Gleich nach der Wende kam er im Rahmen einer DAAD-Gastprofessur an die Berliner Humboldt-Universität und übernahm dort schließlich den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie. Der Rechtswissenschaftler war zudem von 1987 bis 2005 Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster.

Während eines Freisemesters in Aix-en-Provence 1987 schrieb Schlink gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Walter Popp seinen ersten Kriminalroman. „Selbs Justiz“ ist der erste Teil einer Trilogie und erzählt die Geschichte eines pensionierten Staatsanwalts und Detektivs mit braun gefärbter Vergangenheit. Es folgten weitere Krimis. „Die gordische Schleife“ wurde 1989 mit dem Autorenpreis Deutsche Kriminalliteratur und „Selbs Betrug“ 1993 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Schlinks erfolgreichstes Werk aber ist „Der Vorleser“ – sein erster Roman außerhalb des Krimi-Genres. Das Buch erzählt die Geschichte eines 15-jährigen Jungen, der sich in eine 20 Jahre ältere Frau verliebt. Als Jurastudent sieht er sie im Auschwitz-Prozess wieder und erfährt von ihrer Vergangenheit als KZ-Aufseherin. Für diesen Roman bekam Bernhard Schlink zahlreiche internationale Preise; das Buch wurde in 39 Sprachen übersetzt, verfilmt und war der erste deutsche Titel, der auf Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times landete.

Aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen greift Schlink immer wieder auf: 2008 erschien „Das Wochenende“. Der Roman handelt von einem verurteilten Terroristen, der nach 23 Jahren Haft begnadigt wird. Zurück in der Gesellschaft, muss er sich den Fragen seiner Freunde und seines Sohnes stellen. Doch auch besondere Beziehungskonstellationen bleiben Schlinks Thema: In „Die Frau auf der Treppe“ (2014) geht es um ein berühmtes weibliches Porträt und die Beziehung dreier Männer zu der Frau auf dem Bild.

Stand: 2015-10-04