Aris Fioretos

Schweden

Schriftsteller

DAAD-Stipendium 1989–1990, Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 1997–1998

Aris Fioretos Heike Bogenberger


Im ersten Beruf war der Schwede Aris Fioretos Literaturwissenschaftler. Dafür studierte er in Stockholm und Yale. 1989 bis 1990 kam er an die Freie Universität Berlin, um für seine Promotion über Hölderlin, Benjamin und Celan zu forschen. Nach der Promotion 1991 unterrichtete er Vergleichende Literaturwissenschaft an verschiedenen Universitäten der Welt. Als er 2001 habilitiert wurde, hatte er sich vom akademischen Leben jedoch innerlich bereits verabschiedet. Fioretos, der Autoren wie Friedrich Hölderlin und Vladimir Nabokov ins Schwedische übersetzte, schrieb bereits seit 1991 selbst Prosa. Sein erster Roman („Stockholm noir“, deutsch „Die Seelensucherin“, 2000) wurde ein großer Erfolg. Heute ist er ein hoch angesehener Schriftsteller, der in seiner Heimat mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde und es auch in Deutschland in Bestsellerlisten schaffte. Aris Fioretos ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Literatur ist Seelenarchäologie.
Aris Fioretos

Nach Berlin kehrte er immer wieder zurück, unter anderem 1997 bis 1998 als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Da recherchierte er für seinen in der deutschen Hauptstadt spielenden Roman „Die Wahrheit über Sascha Knisch“ (2003). Geschrieben hat er den Roman dann allerdings in London. Das Kosmopolitische wurde ihm bereits in die Wiege gelegt: Der 1960 im schwedischen Göteborg geborene Fioretos ist Sohn einer Migrantenfamilie. Sein Vater verließ Anfang der 1950er-Jahre seine griechische Heimat, heiratete im Wiener Exil eine Österreicherin und ging mit ihr nach Schweden. Ein griechischer Emigrant in Schweden ist auch Hauptfigur des Romans „Der letzte Grieche“, der 2009 in Schweden erschien und 2011 in Deutschland. Auf Deutsch zu lesen ist auch sein 2012 veröffentlichter Roman „Die halbe Sonne“. Für Aris Fioretos ist Literatur „Seelenarchäologie“. Was das Schreiben ihm bedeutet, ist in seinem Essay-Band „Mein schwarzer Schädel“ nachzulesen, der 2003 in der vom Berliner Künstlerprogramm herausgegebenen Buchreihe „Spurensuche“ herauskam.

Auch als Fioretos von 2003 bis 2007 an der schwedischen Botschaft in Berlin als Botschaftsrat für Kultur tätig war, opferte er die Schriftstellerei keineswegs der diplomatischen Laufbahn. Damals aber reifte die Idee, die Schriftstellerin Nelly Sachs in Deutschland stärker bekannt zu machen. Die erste deutschsprachige Literaturnobelpreisträgerin, die 1940 vor den Nationalsozialisten nach Stockholm geflohen war und dort bis zu ihrem Tod 1970 ein umfangreiches lyrisches Werk verfasste, hatte ihn schon als Student fasziniert. 2010 richtete Fioretos im Jüdischen Museum Berlin die Wanderausstellung „Flucht und Verwandlung“ für die Dichterin ein und legte neben einer großen Bildbiografie auch eine vierbändige kommentierte Ausgabe von Nelly Sachs’ Werken vor. Die Ausstellung war in Berlin und Stockholm ein enormer Publikumserfolg, weitere Stationen folgten. Ein Jahr danach kam er erneut nach Berlin – als Dag-Hammarskjöld-Gastprofessor an das Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er bis 2014 lehrte.

Stand: 2015-09-11