Prof. Dr. Anna Benaki-Psarouda

Griechenland

Politikerin, Juristin, Professorin emerita für Strafrecht an der Universität Athen, ehemalige Präsidentin des Griechischen Parlaments 2004–2007

DAAD-Stipendium 1957–1960

Prof. Dr. Anna Benaki-Psarouda Anna Benaki


Die 1934 geborene Anna Benaki-Psarouda ist fast schon ein historisches Denkmal im Kreis der DAAD-Stipendiaten: ehemalige Abgeordnete im griechischen Parlament, zeitweilige Kultus- und Justizministerin (1991–1992, 1992–1993) und erste Frau im Amt des griechischen Parlamentspräsidenten (2004–2007). Die rund 30 Jahre währende politische Karriere ist eigentlich ihre zweite. Die erste begann zwanzig Jahre zuvor, 1961, mit der juristischen Doktorprüfung in der damaligen deutschen Bundeshauptstadt Bonn. Die Postgraduate-Studentin und DAAD-Stipendiatin wurde mit einer auf Deutsch geschriebenen Dissertation über „Täterschaft und Teilnahme nach deutschem und griechischem Strafrecht“ promoviert. Dieser Rechtsvergleich war ein Vorläufer der in der Europäischen Union erforderlichen Rechtsharmonisierung. Griechenland ist seit 1981 Mitglied der Gemeinschaft.

Das 19. Jahrhundert war eine wichtige Periode in der deutsch-griechischen Geschichte.
Anna Benaki-Psarouda

Nach der Promotion war Benaki zunächst als Anwältin und Lehrbeauftragte an der Universität Athen tätig. Nach dem Sturz des Obristenregimes 1974 beriet sie in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre auch das Justiz- und das Bildungsministerium. Von 1978 bis zu ihrer Emeritierung arbeitete Benaki als Professorin für Strafrecht an der Universität Athen. Seit dem Jahr 2010 ist sie ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften Athen.

Bis Ende der 1980er-Jahre kam die Wissenschaftlerin noch acht Mal für jeweils einige Monate als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung nach Deutschland, an ihre Alma Mater in Bonn und an das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg. Ihre offizielle Parlamentswebsite hatte – eine Seltenheit unter den Abgeordneten – auch eine deutsche Sprachversion.

Aus der wechselvollen deutsch-griechischen Geschichte hebt Benaki besonders das Regiment Ottos I. hervor. Der griechische König regierte 1832 bis 1863 und war ein Wittelsbacher aus Bayern. „Das war eine sehr wichtige Periode unserer Geschichte“, so Benaki. „Wir verdanken ihr und den Beratern aus Deutschland die Transformation Griechenlands zu einem modernen Staat.“ Seither ist nicht zuletzt das höhere Bildungswesen von deutschem Einfluss mitgeprägt.

Insgesamt zählt der DAAD mehr als zweitausend ehemalige Stipendiaten in Griechenland, die Juristen bilden traditionell die größte Gruppe. Anna Benaki ist die prominenteste Alumna.

Stand: 2015-09-11