Prof. Dr. Angelo Bolaffi

Italien

Philosoph, Politologe, ehemaliger Direktor des Italienisches Kulturinstitutes in Berlin

DAAD-Stipendium 1971-1972

Prof. Dr. Angelo Bolaffi DAAD


In seinem Land gilt der Philosoph und Politologe Angelo Bolaffi, Professor emeritus der Universität La Sapienza in Rom, seit rund 30 Jahren als Botschafter der deutschen Kultur. Erste Erfahrungen mit Deutschland machte der Italiener, Jahrgang 1946, als junger DAAD-Stipendiat 1971 an der Freien Universität Berlin. Zwei Jahre später erhielt er ein Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung. „Mein Studienaufenthalt in Deutschland hat meine akademische Laufbahn und meine geistige Entwicklung entscheidend beeinflusst“, sagt Angelo Bolaffi heute.

Ich möchte ein Italien-Bild abseits jedes Vorurteils und von jeder traditionsgebundenen schematischen Lektüre präsentieren.
Angelo Bolaffi

Sein besonderes Interesse galt schon zu Beginn seiner Berliner Zeit deutschen Denkern wie Ferdinand Tönnies, Carl Schmitt, Otto Kirchheimer und Ernst Cassirer. Diese brachte er als Herausgeber und Übersetzer dem italienischen Publikum nahe und avancierte zu einem der profiliertesten Deutschlandkenner seines Landes.

Später hat Angelo Bolaffi die Perspektive gewechselt: Von 2007 bis 2011 leitete er das Italienische Kulturinstitut in Berlin. Aus dem inoffiziellen Botschafter deutscher Kultur in Italien wurde ein offizieller Botschafter italienischer Kultur in Deutschland. Dabei setzte Angelo Bolaffi besondere Akzente, sein Ziel damals: „Die traditionelle Neigung der Deutschen für den italienischen Klassizismus und die Renaissance ist gefestigt, darum will ich nun versuchen, das Publikum auf oft unterschätzte Aspekte der italienischen Kunst und Kultur, insbesondere des 19. und 20. Jahrhunderts, in der Literatur, Malerei und Architektur aufmerksam zu machen.“ In der Italienischen Botschaft im Berliner Tiergarten, wo auch das Kulturinstitut residiert, konnte man daraufhin Werke von Dichtern wie Giovanni Pascoli oder von Malern wie Giovanni Fattori bewundern.

Angelo Bolaffis Wunsch war es stets, „ein Italien-Bild abseits jedes Vorurteils und von jeder traditionsgebundenen schematischen Lektüre zu präsentieren.“ In den deutschen Medien, so beklagt Angelo Bolaffi, werde Italien oft zu vereinfacht und schematisch dargestellt. „Italien ist nämlich oft ein schlechteres Land als man erzählt. Aber noch öfter ein besseres.“ Angelo Bolaffi gilt als Freund origineller, gelegentlich auch provozierender Formulierungen. 1995 erschien sein Buch „Die schrecklichen Deutschen. Eine merkwürdige Liebeserklärung“. Und er blieb Deutschland treu. 2014 veröffentlichte er gemeinsam mit zwei deutschen Autorinnen „Deutsches Herz, Das Modell Deutschland und die europäische Krise.“

Stand: 2015-09-11