Amir Hassan Cheheltan

Iran

Schriftsteller

Gast des Künstlerprogramms des DAAD 2009–2010

Amir Hassan  Cheheltan Jan Gruene/FS Medien


Mit zwölf Jahren begann der 1956 in Teheran geborene Amir Hassan Cheheltan, Geschichten zu schreiben. Nach dem Schulabschluss schlug er jedoch zunächst keine literarische Laufbahn ein, sondern studierte Elektrotechnik. Noch während des Studiums veröffentlichte er 1976 seinen ersten Erzählband. Der zweite Erzählband „Am stummen Fenster“, der kurz vor dem Ausbruch der Islamischen Revolution 1979 erschien, brachte den Durchbruch als Schriftsteller.

Ich lebe in meinem eigenen Land im Exil.
Amir Hassan Cheheltan

Nach dem Studium, das er in England abschloss, leistete er seinen Wehrdienst während des Irakkrieges 1980 bis 1988 ab. In seinem Heimatland erlebte der als kritisch geltende Autor immer wieder Bedrohungen, Einschüchterungsversuche und Publikationsverbote. Im Frühjahr 1999 verließ er den Iran und lebte mit seiner Familie zwei Jahre in Italien. Dort entstand der Roman „Teheran, Stadt ohne Himmel“. Die Stadt spielt eine wichtige Rolle in seinem Werk, immer wieder porträtiert er sie. Nach der Rückkehr in die Heimat wehrte er sich 2007 gegen die Nominierung für einen staatlichen Buchpreis: Cheheltans „Iranische Dämmerung“ wurde zum besten Roman des Jahres gekürt, doch der Autor lehnte in einem Protestschreiben an die Zensurbehörde wegen der Kürzungen und Streichungen die Auszeichnung ab. Im September 2015 publizierte der Kirchheim Verlag die erste vom Autor autorisierte vollständige Ausgabe des Romans. „Ich lebe in meinem eigenen Land im Exil“, beschreibt Cheheltan seine Situation. Nach mehreren Erzählbänden und Romanen gilt er als einer der wichtigsten Schriftsteller seines Landes und hat sich als Publizist in internationalen Medien einen Namen gemacht. Im Oktober 2015 erschien „Der Kalligraph von Isfahan“ im Verlag C. H. Beck.

Während seiner Zeit als Gast des Berliner Künstlerprogrammes des DAAD publizierte er seinen Roman „Teheran Revolutionsstraße“ – zuerst auf Deutsch. Ob das Buch auch jemals im Iran erscheinen darf, ist ungewiss. Im Roman geht es um eine junge Frau aus Teheran, die von zwei Männern geliebt wird. Diese beiden Männer haben – bei aller biografischen und persönlichen Gegensätzlichkeit – eines gemeinsam: sie sind berüchtigte Folterer. Doch nicht Monstren und Monstrositäten, sondern der bedrückende Alltag in Teheran ist Gegenstand des Buches. „Die Wahrheit über eine Gesellschaft kann man in Literatur erkennen“, macht Cheheltan seinen Ansatz deutlich.

Das Buch richtet sich nicht vordergründig gegen den Islam oder die Herrschaft der Mullahs. Aber es macht deutlich, wie ein System, das keiner öffentlichen oder demokratischen Kontrolle unterliegt, scheitern muss. Das Buch stieß in Deutschland auf großes Interesse – auch weil es den sozialen Hintergrund für die politischen Vorgänge im Iran deutlich macht. Kein Wunder also, dass Cheheltan auch in den deutschen Medien zum gefragten Interpreten und Analytiker der aktuellen politischen Vorgänge in seinem Land wurde. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ berichtete der Autor im April 2015 über das Ausmaß der Unterdrückung, unter der iranische Schriftsteller leiden.

Obwohl er in seinem Heimatland politisch bedrängt und gefährdet wird, lebt und arbeitet Cheheltan im Iran. „Iran ist nicht nur meine Heimat“, sagte er, „sondern auch die Heimat meiner Sprache. Und die Sprache ist das Hauptwerkzeug des Schreibenden. Außerdem gibt es auf der ganzen Welt keinen anderen Ort, der mich so stark beeindruckt wie meine Heimatstadt Teheran.“

Stand: 2015-09-15