Prof. Dr. Akira Ishikawa

Japan

Jurist

DAAD-Stipendium 1959–1961

 Prof. Dr. Akira Ishikawa Sonja Blaschke


Es ist wohl nicht übertrieben, den juristischen Austausch zwischen Japan und Deutschland als die Lebensaufgabe von Akira Ishikawa zu bezeichnen. Der 1931 in Yokohama geborene Professor, der an der Asahi Universität lehrte, hat sich von Beginn seines Studiums intensiv mit der deutschen Rechtswissenschaft auseinandergesetzt. Das hatte vor allem historische Gründe: Seit der Mitte des vorletzten Jahrhunderts durchlief das japanische Rechtssystem eine umfassende Modernisierung. Das geltende chinesische Rechtssystem gab man auf und führte stattdessen das europäische und darunter besonders das deutsche Recht ein.

Ich betrachte Deutschland als meine zweite Heimat
Akira Ishikawa

Deutsches Rechtsverständis schlug sich in der japanischen Verfassung, im Handelsrecht, im Zivilprozessrecht, im Strafrecht und im Strafprozessrecht nieder; weitere Reformen folgten nach dem Zweiten Weltkrieg. „Aber das deutsche Recht stellt auch heute noch den grundlegenden Rahmen des japanischen Rechts dar“, sagte Ishikawa. Viele japanische Juristen studierten deshalb seinerzeit in Deutschland.

So auch Ishikawa, der mit einem Stipendium des DAAD zum Studium nach Deutschland kam: „An der Universität München konnte ich direkt an den Vorlesungen deutscher Professoren teilnehmen, die in Japan als Autoren überaus bekannt waren“, erzählte Ishikawa. „Besonders die Vorlesungen der Zivilrechtsprofessoren Rudolf Pohle und Gottfried Baumgärtel waren für mich von großem wissenschaftlichen Wert.“ Früh war dem Rechtsgelehrten klar, dass ihn an seinem Fach vor allem Forschung und Lehre interessieren: „Im Bereich der Rechtswissenschaft ziehe ich die Theorie der Praxis vor. Bei der Interessenvertretung von Parteien im Prozess muss man oft Behauptungen aufstellen, die sich mit der Theorie nicht vereinbaren lassen. Das liegt mir nicht“, sagte Ishikawa.

Der Jurist war überzeugt, dass er durch die Erforschung des deutschen Rechts zur Entwicklung des Rechtssystems im eigenen Land beitragen konnte. Von seinen deutschen Lehrern sprach Ishikawa immer voller Respekt und Hochachtung. Den Kontakt zu ihnen hat er stets gehalten, auch als er selbst ein anerkannter und vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler war. So erhielt er zum Beispiel die Ehrendoktorwürde der Universität zu Köln und der Universität des Saarlandes, außerdem im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz und 2011 die DAAD-Ehrenmedaille. Zudem war es ihm besonders wichtig, den Deutschen auch das japanische Rechtssystem näher zu bringen: Von 1996 bis 2004 hielt er Vorlesungen an der Universität Trier. Deutschland betrachtete er als seine zweite Heimat. Er sagte: „Ich mag Deutschland, das mich in wissenschaftlicher und auch kultureller Hinsicht stark beeinflusst hat, sehr und wünsche mir, dass der kulturelle Austausch zwischen Japan und Deutschland sich in Zukunft weiterentwickelt und verbessert.“

Akira Ishikawa ist im Juni 2015 gestorben.

Stand: 2015-09-29