Adrian Sitaru

Rumänien

Filmemacher

DAAD-Kurzfilmpreis der Berlinale 2010

Adrian Sitaru DAAD


Als Adrian Sitaru im Februar 2010 mit seinem 17 Minuten langen Kurzfilm „Colivia“ (Der Käfig) zur Berlinale kam, galt der 1971 geborene Regisseur als einer der interessantesten jungen rumänischen Filmemacher. Zahlreiche Fernseharbeiten und Kurzfilme hatten diesen Ruf begründet, ebenso wie wichtige Preise, etwa der „Goldene Pardino“ des renommierten Filmfestivals in Lorcano oder Kurzfilmpreise in Sarajevo, Dresden und Aspen/Colorado.

Ich möchte ganz einfach interessante Geschichten verfilmen. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob diese Filme eine Minute, 90 Minuten oder 500 Minuten dauern.
Adrian Sitaru

Mit „Colivia“, einem anrührend erzählten Familiendrama um eine Taube, einen Käfig und eine Familie, überzeugte er das Berlinale-Publikum und die internationale Jury. Sitaru bekam mit dem Kurzfilmpreis des DAAD einen der vier Kurzfilmpreise, den das Festival zu vergeben hat. Mit der Auszeichnung verbunden ist ein dreimonatiger Aufenthalt in Berlin.

Sitaru will sich freilich nicht auf das Genre Kurzfilm festlegen lassen. Sein künstlerisches Credo lautet: „Ich möchte ganz einfach interessante Geschichten verfilmen. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob diese Filme eine Minute, 90 Minuten oder 500 Minuten dauern.“ Mit dem abendfüllenden Spielfilm „Pescuit Sportiv/Hooked” erntete er im Jahre 2008 internationale Aufmerksamkeit, 2012 mit „Domestic“, einem Film über Gewalt in der Ehe. Immer wieder drehen sich seine Filme um menschliches Verhalten in Familie und Beziehungen. Sein Kurzfilm „Arta“ (Kunst) thematisiert Missbrauch und wurde 2014 auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Jahr für Jahr kommt er auch nach Deutschland und stellt seine Filme auf dem Open Air Filmfest in Weiterstadt vor.

Aufgewachsen in Hunedoara/Siebenbürgen waren die ersten Kontakte zum Film für den jungen Mann eher ernüchternd: „Es gab dort zwar ein Kino, aber der Ton war so schlecht, dass man absolut nicht verstehen konnte, was die Schauspieler sagten.“ Seine Ausbildung in Sachen Film durchlief Sitaru in der Hauptstadt Bukarest, an deren Filmhochschule er 2003 graduierte, nachdem er zunächst ein Studium der Computerwissenschaft absolviert hatte. Rasch machte er sich einen Namen als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent für Fernsehserien, Experimental- und Kurzfilme sowie Spielfilme.

Als künstlerische Vorbilder bezeichnet er die drei großen Filmschaffenden Andrej Tarkovski, Ingmar Bergman und Frederico Fellini. Als prägenden Einfluss nennt er den dänischen Regisseur Lars von Trier: „Er öffnete mir die Augen und machte mir klar, dass man Filme auch ohne Geld und aufwändige Ausrüstung drehen kann.“

Sitaru will sich vom Filmgeschäft nicht vereinnahmen lassen und legt großen Wert auf künstlerische Selbstbestimmung. Darum hat er bereits im Jahr 2007 – gemeinsam mit Kollegen – eine eigene Produktionsgesellschaft unter dem Namen „4Proof Film“ gegründet.

Stand: 2015-09-26