Dr. Abdourahman Waberi

Dschibuti

Schriftsteller

Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD 2006–2007

Dr. Abdourahman  Waberi DAAD


Das Werk des 1965 in Dschibuti geborenen Autors Abdourahman Waberi kreiste mehr als zehn Jahre lang vornehmlich um seine afrikanische Heimat. In Büchern wie „Le Pays sans ombre“ (1994) und „Cahier nomade“ (1996) entwirft er ein farbenreiches und kontraststarkes Kaleidoskop seines Heimatlandes am Roten Meer. Der Autor bezeichnet sich als „schreibenden Nomaden“. Die Natur, die Menschen und der Alltag Dschibutis stehen im Mittelpunkt. Das Erbe der Kolonialzeit – Hunger, Bürgerkrieg, Elend, aber auch der Versuch, einen eigenen Weg zu finden – bilden den stets gegenwärtigen Hintergrund.

Kurzgeschichten aus beiden Bänden erschienen unter dem Titel „Die Legende von der Nomadensonne“ 1998 auch in deutscher Sprache. Die meisten seiner Romane, Erzählungen und Gedichte – vielfach ausgezeichnet und von der Kritik gewürdigt – sind als Beitrag dazu gedacht, das kleine Land Dschibuti auf der intellektuellen und literarischen Weltkarte zu verewigen. Mit „Moissons de cranes“ (Schädelernte, 1999) legte Waberi einen verzweifelten Report über den Völkermord in Ruanda vor.

In Berlin habe ich das intellektuelle Klima jenes Europa, das für immer verloren gegangen ist, entdeckt.
Abdourahman Waberi

1985 ging Waberi zum Studium nach Frankreich. Er blieb dort, etablierte sich als Englischlehrer in Caen und wurde in Frankreich zu einer viel beachteten Stimme des literarischen Afrika, wirkte auch als Literaturkritiker und Berater eines Verlages. Diese doppelte afrikanisch-europäische Perspektive, die der Autor erlebt und sich erarbeitet hat, bestimmt auch das Thema seines Romans „Aux Etats-Unis d’Afrique“, mit dem er die Dörfer und Vorstellungswelten seiner engeren Heimat verlassen und eine wahrhaft globale Perspektive eingenommen hat. Der Roman baut die Gegenutopie vom reichen, prosperierenden Afrika auf, das in seinem Wohlstand und seiner Ruhe eigentlich nur von den Flüchtlingen aus den verelendeten Regionen Europa und Amerika bedroht wird. 2008 erschien dieser Roman, der französische Kritiker an Erzählungen von Voltaire erinnert hat, „aber noch schwärzer und noch erschütternder“, auch in deutscher Sprache, gefolgt von weiteren erfolgreichen Büchern.

Als „Writer in Residence“ hatte Waberi Einladungen nach Italien und Österreich und Gastprofessuren in Kalifornien, bevor er 2012 promovierte und endgültig in die USA ging, um seither am Columbia College der George Washington Universität in Washington, D.C., Französisch und kreatives Schreiben zu lehren.

In Berlin fühlte sich Abdourahman Waberi besonders vom intellektuellen Milieu der frühen 1930er-Jahre inspiriert. Walter Benjamin, sein philosophisches und literarisches Werk, sein tragischer Lebenslauf, beschäftigten die Phantasie des frankophonen afrikanischen Autors. Er hat für sich das „intellektuelle Klima jenes Europas, das für immer verloren gegangen ist“ entdeckt.

Berlin sei eine „kulturell reiche, junge, kosmopolitische und dynamische Stadt“ schwärmt Waberi und bescheinigt den Deutschen ein „großes Interesse an afrikanischer Literatur“, wie er bei Lesungen in Berlin und anderen deutschen Städten festgestellt hat.

Stand: 2015-09-29