Berliner Künstlerprogramm

Kilian-Davy Baujard

Das Berliner Künstlerprogramm (BKP) des DAAD ist eines der international angesehensten Stipendienprogramme für Künstlerinnen und Künstler in den Sparten Bildende Kunst, Literatur, Musik und Film.

Das BKP verleiht jährlich und weltweit rund 20 Stipendien für einen meist einjährigen Aufenthalt in Berlin. Die Namen der über 1000 ehemaligen Gäste belegen eindrucksvoll den Qualitätsanspruch des Programms. In den über 50 Jahren seines Bestehens hat es damit einen wesentlichen Beitrag zur internationalen Repräsentanz der zeitgenössischen Kunst in Berlin geleistet.

Von Beginn an definierte sich das Berliner Künstlerprogramm als ein Forum des künstlerischen Dialoges, der die kulturregionalen und allemal die politischen Grenzen überschreitet. Wirksam und lebendig wird dieses Forum durch die Arbeiten und die Präsenz der Künstler in der Stadt, durch die jährlich rund 100 Veranstaltungen, die das Berliner Künstlerprogramm gemeinsam mit seinen Gästen in Berlin und andernorts durchführt, und nicht zuletzt durch die international zusammengesetzten Jurys der vier Sparten, die über die Stipendienverleihungen entscheiden.

Ausstrahlung weit über Berlin hinaus

Die Ausstrahlung des Berliner Künstlerprogramms ist ausdrücklich nicht auf die Hauptstadt beschränkt. Durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kulturinstitutionen, Museen, Literatur-, Musik- und Filmfestivals entstehen bundesweite Impulse von großer Nachhaltigkeit: Viele Gäste bleiben nach ihrem Stipendienaufenthalt in Deutschland und bereichern, etwa als Professoren auf Zeit an bundesdeutschen Hochschulen, die kulturelle Szene. Nicht nur in Berlin werden so Positionen künstlerischer Avantgarde auf internationalem Niveau vermittelt, die einen Diskurs anstoßen im Ästhetischen wie im Politischen.

Anliegen des Berliner Künstlerprogramms ist es, einen Freiraum des Schaffens zu bieten. Während kulturellen Traditionen im Prozess der Globalisierung die Einebnung droht, fördert das Berliner Künstlerprogramm die Vielfalt und Unterschiedlichkeit künstlerischer und literarischer Positionen. Die Idee des Dialoges ist zentral: Der Blick des Anderen auf die hiesigen Verhältnisse – in Film, Kunst, Literatur oder Musik – soll dezidiert zur gesellschaftlichen Selbstreflexion anhalten. Das Berliner Künstlerprogramm versteht sich als Plattform für einen über Europa hinausgehenden Kunst- und Kulturaustausch. Das Jahr 1989 mit dem Fall der Mauer betrachtet das Berliner Künstlerprogramm als Auftrag, die Freiheit der Kunst und des Wortes zu stärken. Zugleich leistet das Berliner Künstlerprogramm damit Widerstand gegen die Ökonomisierung kultureller Werte, indem es künstlerisches Schaffen vom Diktat des Marktes befreit.

Das Berliner Künstlerprogramm wird überwiegend aus Mitteln des Auswärtigen Amtes und anteilig vom Berliner Senat finanziert.

Hot Spot der zeitgenössischen Kunst: die daadgalerie

1978 wurde die daadgalerie in einer Gründerzeitvilla in Berlin-Tiergarten als ein neuer Ausstellungsort in West-Berlin eröffnet, der die vielseitigen künstlerischen Aktivitäten des fünfzehn Jahre zuvor gegründeten Berliner Künstlerprogramms des DAAD bündeln und den internationalen Gastkünstlern sowie der deutschen Kunstszene eine Plattform bieten sollte. Von Anfang an fanden in der daadgalerie neben Ausstellungen auch Performances, Lesungen, Konzerte, Sound-Projekte und Filmpräsentationen statt. Im Vergleich zu anderen öffentlichen Ausstellungshäusern ist der Fokus dabei auf künstlerische Experimente und Neuanfänge gerichtet. 2005 zog die Galerie in die ehemals durch die Mauer geteilte Zimmerstraße nahe dem Checkpoint Charlie. Die daadgalerie zählt international zu den Hot Spots der zeitgenössischen Kunst in Deutschland.