Lernen, Bauen, Diskutieren – Miteinander ankommen an der Universität Stuttgart

Marcus Willand

Mit vier unterschiedlichen Projekten engagieren sich Studierende der Universität Stuttgart für Flüchtlinge: sie lernen gemeinsam Deutsch auf unterschiedlichem Niveau, bauen Begegnungsräume und helfen dabei, anzukommen.

Bei der Integration von geflüchteten Menschen setzt die Universität Stuttgart auf Vielfalt. Im Rahmen der DAAD-Initiative "Welcome" haben sich ganz unterschiedliche Studierendenprojekte zusammengefunden, um Flüchtlingen ein breites und abwechslungsreiches Programm zu bieten.

Projekt Sprachpaten

Die Abteilungen Neuere Deutsche Literatur I+II und Germanistische Linguistik haben in Kooperation mit dem Sprachenzentrum das Projekt "Sprachpaten" ins Leben gerufen. Dabei lernen seit Oktober 2015 Studierende und Flüchtlinge gemeinsam Deutsch.

Im Sommersemester 2017 engagieren sich 26 Studierende, davon 18 aus den sprach- und literaturwissenschaftlichen Studiengängen (Germanistik, Linguistik, Anglistik) sowie 8 aus den ingenieur- und naturwissenschaftlichen Studiengängen im Sprachpatenprojekt. Die Studierenden betreuen 88 Geflüchtete (davon ca. 10% weibliche Teilnehmer) zwischen 19 und 36 Jahren. Der größte Teil der Teilnehmer verfügt über ein A2- oder B1-Niveau, teilweise auch schon über ein B2-Niveau bei einer Gruppengröße von 1:3 bzw. 1:4.

Ziel der Initiative ist zum einen, die in Stuttgart ankommenden Flüchtlinge in ihrem Sprachlernprozess zu unterstützen, um sie für ein künftiges Studium an der Universität vorzubereiten. Zum anderen soll ihnen im Tandem und in Einzelveranstaltungen (z.B. Weihnachtsfeier, gemeinsamer Besuch der staatlichen Museen Stuttgarts) die Möglichkeit zu kulturellem Austausch gegeben und damit die Integration gefördert werden. Für die Studierenden der Universität dient das Projektseminar darüber hinaus dazu, auf ehrenamtlicher Basis berufsqualifizierende Schlüsselqualifikationen zu erlernen und in dem zukünftig hochgefragten Arbeitsfeld des DaF-Unterrichts erste Erfahrungen zu sammeln.

Projekt: Im Dialog mit geflüchteten Menschen - Gesellschaftspolitische Themen

In diesem Projekt liegt das Augenmerk nicht mehr ausschließlich auf dem Spracherwerb, sondern auch auf der Anwendung von Sprachkompetenz anhand landeskundlicher Themen. Nach einer einführenden Vokabelarbeit werden kurze Texte zu gesellschaftspolitischen Themen (Zeitungsartikel etc.) in Kleingruppen aufgearbeitet und anschließend im Plenum in allgemeinere Diskussionen überführt. Neben den Flüchtlingen partizipieren Studierende der geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge, die in der Diskussion die Kleingruppen anleiten und in akademische Arbeitsweisen einführen (Argumentationsformen, Zusammenfassung der Hauptthesen etc.).

Bislang nehmen an diesem Projekt 8 Studierende aus den geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengängen teil, sowie ca. 25 geflüchtete Menschen mit oft schon sehr gutem Sprachniveau (mind. B2, teilw. C1), davon sind 10 % weibliche Teilnehmer.

In einem demokratischen Abstimmungsprozess werden die Themen ausgesucht. Bisherige Themen: Vor- und Nachteile von Demokratie, Möglichkeiten der Energieversorgung, Kulturelle Güter - wozu? (mit gemeinsamem Museumsbesuch im Haus der Geschichte).

Weitere Informationen

Analysen & Studien - Verbleib Ausländische Studierende

Projekt "Begegnungsraum"

Das studentische Selbstbauprojekt "Begegnungsraum für Geflüchtete und Stuttgarter BürgerInnen" wird bereits seit März 2016 durch die Welcome-Initiative des DAAD unterstützt.

Zusammen mit einer Studierendengruppe und ehrenamtlichen Fachplanern wurde das Gebäude in einen baureifen Zustand geplant, die Baugenehmigung wurde eingereicht und im August 2016 in Abstimmung mit den Stuttgarter Ämtern genehmigt. Zwei Flüchtlinge aus Afghanistan und dem Iran, die beide in ihren Heimatländern Bauingenieurwesen studierten, nahmen ebenfalls an dieser Lehrveranstaltung teil. Seit Mitte September wird der Begegnungsraum auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft in der Breitscheidstraße (Stuttgart Mitte) in unmittelbarer Nachbarschaft der Universität gebaut. Neben Studierenden der Universität Stuttgart und der Hochschule für Technik sind viele freiwillige Helfer in das Projekt involviert.

Neben einem kulturellen Programm wie kleinen Konzerten, Lesungen, Koch- und Filmabenden können Sprachkurse und ein Bildungsprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene entwickelt werden. Ziel des Projektes ist die Integration der neuen Nachbarn durch aktive Teilhabe in die Strukturen der Stuttgarter Stadtgesellschaft.

Projekt "Freundeskreis Flüchtlinge"

Beim "Freundeskreis Flüchtlinge" handelt es sich um eine Initiative von Studierenden, die als Mentoren oder Mentees des interkulturellen Mentoringprogramms bereits Offenheit und Engagement im Rahmen der internationalen Studierendenschaft gezeigt haben. Im Bereich Kultur und Freizeit hat der Freundeskreis Museumsbesuche, Spieleabende und ein gemeinsames Grillen organisiert. Ein Fokus wurde wie bei allen Aktivitäten auf die Vermittlung der deutschen Sprache gelegt. Zu Semesterbeginn wurde ein "Get-Together" Abend veranstaltet, um über die Arbeit zu informieren, Freiwillige zu suchen und neue Projektideen zu entwickeln. Die hieraus entstandenen Projekte werden nun zeitnah ausgeführt, es konnten beispielsweise Freiwillige für Hausaufgabenhilfe und zur praktischen Hilfen in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften gefunden werden. Regelmäßig werden nun ein Kulturabend, eine Wandergruppe und eine Sportgruppe angeboten.

Ansprechpartner

Nina Jürgens
Universität Stuttgart
Welcome Campus
E-Mail: welcome.campus@uni-stuttgart.de