Förderprogramm: NRWege ins Studium. Integration von Flüchtlingen an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen

Hub/DAAD

Nordrhein-Westfalen hat in den Jahren 2015 und 2016 als bevölkerungsreichstes Bundesland die meisten Flüchtlinge aufgenommen. Diejenigen unter ihnen, die die Fähigkeiten und Qualifikationen mitbringen, in Deutschland ein Studium aufzunehmen oder fortzusetzen, werden seit Anfang 2017 durch das Programm „NRWege ins Studium“ unterstützt.

„Wir haben einige wirklich beeindruckende Persönlichkeiten unter unseren Kursteilnehmern. Es freut uns, dass wir durch das Programm NRWege ins Studium nun weitere Plätze anbieten können“, sagt Dr. Susanne Preuschoff, Leiterin des International Office der Universität Köln und zuständig für die Umsetzung des Programms NRWege ins Studium an ihrer Universität.
Pro Jahr sollen ab Sommersemester 2017 insgesamt 105 Studienbewerber mit Fluchthintergrund – davon 65 finanziert durch das neue Programm – intensiv mit Sprachkursen und fachlichen Inhalten auf ein Studium an der Universität Köln vorbereitet werden. Die Universität Köln war mit dem 2009 gestarteten Vorbereitungssemester für internationale Studierende „Studienstart International“ Vorreiter bei der Integration und Studienvorbereitung von internationalen Studierenden. Wertvolle Erfahrungen, die die Universität nun auch bei der Vorbereitung von studierfähigen Flüchtlingen nutzen kann.

Runder Tisch mit den Hochschulen

Aufgrund dieses Know-hows wurde die Universität Köln auch zum Entwurf des Integrationsmodells des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (MIWF) zu Rate gezogen – der Grundlage für das im September 2016 ausgeschriebene Programm. Das Wissenschaftsministerium hatte bereits sehr früh einen runden Tisch mit allen Hochschulen des Landes ins Leben gerufen, um in regelmäßigen Abständen einen NRW-weiten Austausch zur Integration von Flüchtlingen an den Hochschulen zu gewährleisten. Im Rahmen dieses Forums wurde der Bedarf an den NRW-Hochschulen vom Ministerium frühzeitig erkannt und daraufhin das Integrationsmodell gemeinsam erarbeitet. Bis zu 30 Millionen Euro sollen jährlich bereitgestellt werden.

Weitere Informationen

Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen stellt auf seiner Webseite weitere Informationen zu Initiativen an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung.

In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) wurde innerhalb kürzester Zeit ein neues Programm entwickelt: „NRWege ins Studium“. „Eine spannende Aufgabe, der wir uns gerne angenommen haben“, wie Katharina Riehle, Leiterin des Referats Hochschulprogramme für Flüchtlinge im DAAD bestätigt. „Wir freuen uns über die Möglichkeit, sowohl das Ministerium als auch die Hochschulen in NRW mit Expertise und Tatkraft unterstützen zu können."

Aktuelle Ausschreibung

Die Ausschreibung des Programms "NRWege ins Studium. Integration von Flüchtlingen an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen" endete am 28. Oktober 2016. Sie finden den Ausschreibungstext hier.

Studienvorbereitung und -begleitung

Seit Anfang 2017 setzen nun 30 staatliche und staatlich anerkannte Hochschulen das Programm um und richten Plätze für bis zu 2.000 Teilnehmer in studienvorbereitenden Kursen ein. Weitere gut 700 werden für studienbegleitende Maßnahmen reserviert. In der Vermittlung von Deutschkenntnissen an studierfähige Flüchtlinge sehen die Hochschulen den wichtigsten Erfolgsfaktor, der für eine gelungene Integration an der Hochschule und einen erfolgreichen Abschluss des Studiums sorgen kann. Die wenigsten Bewerber hatten vor ihrer Einreise Deutschkenntnisse oder konnten sich gezielt auf ein Studium vorbereiten. Integrationskurse führen im Regelfall nur bis zum Niveau B1, für ein Studium sind aber mindestens Kenntnisse von B2 bis C1 notwendig, die durch einen anerkannten Test wie den TestDaF oder die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang (DSH) nachgewiesen werden müssen. Auf diese Sprachprüfungen bereiten die Hochschulen im Programm NRWege ins Studium gezielt vor. Bestandteil eines Sprachkurses ist dabei immer auch ein landeskundlicher Teil, bei dem die Teilnehmer Deutschland und sein Hochschulsystem (besser) kennenlernen können. Interkulturelle Trainings sensibilisieren für eine andere Art der Lehre und unterschiedliche Abläufe in Bürokratie und Verwaltung an den deutschen Hochschulen im Vergleich zu den Heimathochulen der Geflüchteten. Sie fördern das Verständnis der Teilnehmer untereinander wie auch für die Kursleiter und Hochschulmitarbeiter.

An vielen Hochschulen werden die Teilnehmer darüber hinaus auch fachlich fit gemacht. Propädeutische Kurse in Mathematik, Naturwissenschaften oder Ingenieurswissenschaften frischen verlorenes Wissen auf oder bringen es auf einen für den Studieneinstieg an einer deutschen Hochschule optimalen Stand.

Für Flüchtlinge, die den Studieneinstieg bereits geschafft haben, bietet das Programm studienbegleitende Maßnahmen an. So wird im Rahmen von mindestens vier Stunden pro Woche das Verfassen wissenschaftlicher Texte geübt, die Fachsprache des jeweiligen Fachbereichs vertieft oder in Rhetorik und Präsentieren geschult. Spätestens ab diesem Zeitpunkt werden die weiterführenden Kurse gemeinsam mit deutschen und internationalen Studierenden besucht. Aber auch bei den speziell für die Geflüchteten angebotenen Kursen ist es das Ziel, eine möglichst frühe Vernetzung und Eingliederung in die (internationale) Studierendenschaft zu gewährleisten.

Ansprechpartner an den Hochschulen

NRWege_Computer

Hagenguth/DAAD

Für das Programm "NRWege ins Sudium" können sich Studieninteressierte nicht direkt beim DAAD bewerben. Eine Übersicht der Hochschulen im Programm, der direkten Ansprechpartner und Weblinks mit weiteren Informationen finden Sie hier.

Beratung und Vernetzung

Ein wesentlicher Bestandteil des Programms ist neben den vorbereitenden und begleitenden Maßnahmen die Finanzierung von Personal zum Ausbau der Beratungs- und Betreuungsstrukturen an den Hochschulen. Diese Arbeit wird an vielen Hochschulen zusätzlich von den Mitarbeitern der Akademischen Auslandsämter/International Offices, dem Studierendenservice oder anderen zentralen Einrichtungen übernommen.

Die Erfahrung zeigt aber, dass der Beratungsbedarf bei der Zielgruppe der Flüchtlinge weitaus höher ist als bei regulären Studierenden. „Viele Interessenten haben nur eine grobe Vorstellung, wie das deutsche Hochschulsystem funktioniert. Da muss die Beratung eben ganz am Anfang ansetzen, um die Leute wirklich zu erreichen“, sagt Franziska Nitsche von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Durch das Programm NRWege kann die Hochschule nun eine zentrale Stelle schaffen, die die Beratung und Betreuung von Studienbewerbern mit Fluchthintergrund übernehmen wird.
Ein wichtiger Aspekt der Arbeit ist die (regionale) Vernetzung mit Behörden, wie Jobcentern und Ausländerbehörden, sowie lokalen Initiativen oder Aufnahmeeinrichtungen. Aufenthaltsrechtliche Bestimmungen, die Sorge um die Finanzierung des Lebensunterhalts oder nicht zuletzt um die Familie im Heimatland und weitere, teils sehr persönliche Themen, bestimmen den Alltag viel deutlicher als bei anderen Interessenten. Beratung und Betreuung von Studienbewerbern und Studierenden mit Fluchthintergrund ist daher weit mehr als reine Studienberatung.

Von der Studien- zur Bildungsberatung

Doch was passiert, wenn sich herausstellt, dass ein Bewerber für ein Studium nicht geeignet ist oder gar keine Hochschulzugangsberechtigung besitzt?
„Kein Teilnehmer, der seinen Kurs abbricht, soll ohne Perspektive zurückgelassen werden“, ist die Ansicht von Dr. Roland Weiß, Leiter des International Office der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. So sehen es die meisten Hochschulen in NRW und werden in der Beratung von Anfang an alternative Bildungswege mitdenken und in Kooperation mit IHK, Jobcentern oder Integration Point über die Möglichkeiten der dualen Berufsausbildung oder Praktika in Unternehmen informieren.

Ansprechpartner im DAAD

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