„Positive Effekte“: Stimmen zum europäischen Hochschulaustausch

DAAD/Daniel Ziegert

Begeisterung für Europa, wie sie hier ein Gruppenbild der Erasmus+ Jahrestagung 2017 zeigt, wird oft durch die Arbeit von Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeitern ermöglicht

Wie europäischer Zusammenhalt funktioniert, zeigt zurzeit die Kooperation im Bildungsbereich besonders deutlich. DAAD Aktuell hat mit Vertreterinnen deutscher Hochschulen gesprochen und sie nach der Bedeutung des europäischen Austauschs für ihre Arbeit gefragt.

Statements zum europäischen Hochschulaustausch

privat

„Der europäische Hochschulaustausch ermöglicht persönliche Begegnungen und verwirklicht so Völkerverständigung ganz konkret.“

Dr. Anne Gellert, Leiterin des International Office der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

„Vielleicht hängt es auch mit unserem Namenspatron Heinrich Heine zusammen, dass unsere Universität schon sehr frankophil ausgerichtet ist. Frankreich ist für uns ein wichtiger europäischer Partner. Im Rahmen des Erasmus+ Programms pflegen wir mehr als 350 Partnerschaften mit etwa 200 Universitäten in 30 europäischen Ländern. Die Universität Nantes ist seit 1973 unsere erste Partneruniversität, mit der wir sehr eng kooperieren. Erasmus+ ist einfach eine großartige Sache. Das zeigen vor allem auch die Erfahrungsberichte unserer Studierenden, die fast ausnahmslos von der tollsten Zeit ihres Studiums schwärmen. Das fördert ein europäisches Bewusstsein.

Wir haben drei deutsch-französische Studiengänge. Derzeit vertiefen wir unsere Kooperation mit unserem neuen Partner, der Universität Toulouse. Netzwerktreffen wie die der European Association for International Education (EAIE) bieten uns nicht nur die Möglichkeit zum Austausch mit Partnerhochschulen, sondern auch zu Gesprächen mit potenziellen neuen Partnern. Dabei unterstützt uns wesentlich der DAAD, der in wichtigen internationalen Gremien vertreten ist.“

Statements zum europäischen Hochschulaustausch

Mila Hacke

„Der europäische Studierendenaustausch wirkt oft wie ein sehr erfolgreicher Selbstläufer. Wir dürfen nicht vergessen: Selbstverständlich ist dieser Austausch nicht.“

Gesa Heym-Halayqa, Erasmus+ Hochschulkoordinatorin der Freien Universität (FU) Berlin

„Die Bologna-Reform bietet für den europäischen Hochschulaustausch eine sehr wertvolle Grundlage. Dadurch haben wir vergleichbare Zugangsvoraussetzungen und Qualitätsstandards. Das erleichtert es, erfolgreiche Auslandsaufenthalte zu organisieren. Traditionell hat die FU Berlin in Europa sehr gute Beziehungen zu osteuropäischen Hochschulen sowie zu zahlreichen Universitäten im Vereinigten Königreich. Auch der deutsch-französische Austausch ist für die FU von besonderer Bedeutung. Gemeinsam mit fünf Universitäten aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und Spanien haben wir zudem eine europäische Universitätsallianz gegründet und sind nun bei jeder Gelegenheit dabei, diese vielversprechende Kooperation in Bewegung zu bringen. Ich bin sehr optimistisch, dass der europäische Hochschulaustausch auch in schwierigen Zeiten Bestand haben wird. Durch meine Arbeit kenne ich zahlreiche Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die sich für den Austausch mit Ländern engagieren, in denen europäische Grundwerte unter Druck geraten sind. Es gibt eine große Entschlossenheit, die akademische Freiheit zu verteidigen.“

Statements zum europäischen Hochschulaustausch

Oliver Pracht

„Durch den Hochschulaustausch müssen wir den Gedanken der europäischen Einheit sichtbar machen.“

Kerstin Frodl, Leiterin des Center for International Students der Hochschule Osnabrück

„Europäischer Hochschulaustausch findet an der Hochschule Osnabrück natürlich intensiv über das Erasmus+ Programm statt – und weit darüber hinaus. Wir sind zum Beispiel Teil des Enterprise Europe Network (EEN) Niedersachsen, das im November sein zehnjähriges Bestehen feiert und uns als Exzellenznetzwerk der EU mit wirtschaftsnahen Institutionen und Organisationen in ganz Europa verbindet. Grundsätzlich setzt die Hochschule Osnabrück eine Vielzahl europäischer Schwerpunkte. Die Niederlande sind für uns durch den EUREGIO-Verbund ein besonders wichtiger Partner; wir sprechen aber zum Beispiel auch Studieninteressierte in Bulgarien, Griechenland, Polen und Rumänien gezielt an. GATE‑Germany hilft uns sehr, mit unseren Aktivitäten im europäischen Ausland sichtbar zu sein. Ein elementarer Bestandteil unserer Internationalisierungsstrategie ist die ‚Internationalisation at Home‘. Das interkulturelle Lernen hat bei uns einen hohen Stellenwert; das betrifft die Studierenden sowie das gesamte Personal der Hochschule.“

Statements zum europäischen Hochschulaustausch

privat


„Auslandsaufenthalte sind bei Weitem nicht nur wichtig für die persönliche Entwicklung. Sie machen die Idee des europäischen Zusammenhalts über Ländergrenzen hinweg erfahrbar.“

Christa Weers, Erasmus+ Koordinatorin der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

„Im Dialog mit unseren europäischen Partnerhochschulen spielt die Ausgeglichenheit zwischen Incomings und Outgoings eine wesentliche Rolle. Auch mit Blick auf die Dozenten wäre das Thema der Mobilitätsbalance wünschenswert. Die Frage ist: Was können wir als Hochschulen bieten, um diese Balance herzustellen? Innerhalb Europas sind unsere Kooperationen mit Partnerhochschulen nicht zuletzt geprägt von unserer geografischen Lage in Nordwestdeutschland. Der Austausch mit Schweden, Norwegen und Finnland ist von großer Bedeutung sowie insbesondere die Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Mit der Rijksuniversiteit Groningen gibt es zum Beispiel gemeinsame Studienprogramme. Die Möglichkeiten, die das Erasmus+ Programm den Hochschulen für solche Kooperationen bietet, sind sehr gut. Und ich finde den Slogan, den der DAAD dafür geprägt hat, sehr zutreffend: „Wer sich bewegt, bewegt Europa“. Denn die positiven Effekte und die positive Wahrnehmung von Europa, die durch einen längeren Auslandsaufenthalt entstehen, kann man gar nicht hoch genug bewerten.“

Protokolle: Claudia Wallendorf (1. November 2018)