Nilufer Bharucha: Indien und Deutschland enger verbinden

Westfälische Wilhelms-Universität Münster/Peter Grewer

Nilufer Bharucha kam über das Gastdozentenprogramm des DAAD nach Deutschland

Mit seinem Gastdozentenprogramm fördert der DAAD seit 20 Jahren die Lehrtätigkeit ausländischer Hochschullehrer an deutschen Hochschulen und stärkt damit die internationale Dimension in der Lehre. Nilufer Bharucha, indische Spezialistin für englischsprachige indische Literatur, ist dadurch nicht nur zu einer Mittlerin zwischen zwei Welten geworden. Sondern von ihrem Einsatz für Austausch profitierte bereits eine ganze Generation von Studierenden in Mumbai und in Münster.

Seit nunmehr über 20 Jahren kommt Nilufer Bharucha regelmäßig nach Deutschland. Im Laufe der Zeit war die Spezialistin für englischsprachige indische Literatur – bis 2014 als Professorin am Institut für Anglistik der Universität Mumbai tätig – Gastdozentin an verschiedenen deutschen Universitäten. Eine besondere Rolle für ihre Lehr- und Forschungsaktivitäten spielt jedoch die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, wo sie zwischen Oktober 2008 und Juli 2009 eine vom DAAD geförderte Gastprofessur innehatte.

Wie alles begann ...

Das erste Mal nach Deutschland kam Nilufer Bharucha im Juni 1995, als sie sich als Post-doctoral Commonwealth Staff Fellow in London aufhielt. Ausschlaggebend war, wie sie sich rückblickend gerne erinnert, Frank Frankel, ihr früherer Betreuer an der Universität Manchester und zum damaligen Zeitpunkt Direktor des British Council in Köln. „Er lud mich für eine Vortragsreihe über englischsprachige indische Literatur ein.“ Das war eines ihrer Forschungsgebiete und ein Thema, so Bharucha, für das man sich auch in Deutschland zu interessieren begann – und „so besuchte ich unter der Schirmherrschaft des British Council diverse Universitäten, unter anderem in Saarbrücken, Köln, Siegen und Magdeburg“.

Im Zuge der Vortragsreihe knüpfte Nilufer Bharucha zahlreiche Kontakte, die sie im Anschluss an ihre Rückkehr nach Indien pflegte. Das führte schlussendlich zu Gastdozenturen an einigen Universitäten, an denen sie einen Vortrag gehalten hatte. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre war sie im Rahmen eines bestehenden Abkommens zwischen der Universität Mumbai, ihrer Alma Mater, und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Gastprofessorin in der sachsen-anhaltinischen Landeshauptstadt. 2001 folgte die Universität zu Köln, und dazwischen, nämlich 2000, war Bharucha in Siegen. Unterstützt wurde dieser Aufenthalt vom DAAD.

... und weiterging

Das Sommersemester an der Siegener Anglistik hat Bharucha sehr positiv in Erinnerung, ein intensiverer und langfristiger Austausch ließ sich allerdings nicht etablieren. Den entscheidenden Grund sieht sie darin, dass „mein Gastgeber, Wolfgang Lippke, bald nach meiner DAAD-Professur dort in den Ruhestand trat“. Weitere Besuche in Siegen waren vornehmlich privater Natur.

Eine ganz andere Entwicklung nahm ihr Verhältnis zu Münster, wo Nilufer Bharucha zwischen 2008 und 2009 ihre zweite vom DAAD geförderte Gastprofessur bekleidete. Durch das Jahr an der Westfälischen Wilhelms-Universität seien die ohnehin bereits intensiven Beziehungen mit dem Englischen Seminar und insbesondere mit Klaus Stierstorfer noch weiter vertieft und institutionalisiert worden. Neben gemeinsamen Forschungsprojekten und gegenseitigen Besuchen unterstreicht die mittlerweile emeritierte, aber immer noch an der Universität Mumbai aktive Anglistin vor allem das „jährliche Studentenaustauschprogramm zwischen unseren Universitäten“. Dieses ermögliche es Studierenden aus Indien und Deutschland, so Bharucha, „Zeit an den jeweils anderen Universitäten zu verbringen, die Länder und Kulturen kennenzulernen. Die akademische Bereicherung ist enorm gewesen, da sie Kurse besucht haben und die Studienleistungen an den jeweiligen Gastuniversitäten im Heimatland auch anerkannt wurden.“ Ohne die DAAD-Gastprofessur wäre es nicht dazu gekommen.

Wichtige Erfahrungen

Im Vergleich mit den vielen anderen Gastdozenturen, die sie über die Jahre beispielsweise nach Barcelona, Bordeaux, nochmals nach Magdeburg sowie wiederholt (für kürzere Zeit) nach Münster brachten, waren die zwei vom DAAD unterstützten Aufenthalte an den beiden nordrhein-westfälischen Universitäten doch etwas ganz Besonderes für Nilufer Bharucha, wie sie ausdrücklich feststellt: „Die im Rahmen des Programms zur Verfügung gestellten Mittel, die Verwaltungsstruktur, die studentischen Hilfskräfte, die Interaktionen mit anderen Kolleginnen und Kollegen und der Besuch von Konferenzen waren einmalig.“

Auch im Hinblick auf die Lehrbedingungen in Deutschland zieht die renommierte Anglistin ein uneingeschränkt positives Fazit. Die Bibliotheken seien besser ausgestattet als in Indien, was die Vorbereitung auf die Lehrveranstaltungen erleichtere (und zugleich zu eigenen Forschungen anrege). Aufgrund der geringeren Zahl an Studierenden, gerade in Master-Kursen, sei zudem ein regerer Austausch und ein intensiverer Kontakt möglich. Zu einigen Studentinnen und Studenten habe sich sogar ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt, das immer noch bestehe. Gleiches gelte für frühere Studienassistenten sowie auch zum Beispiel ihre Siegener und Münsteraner Gastgeber und deren Familien.

Diese „engen Beziehungen“ sieht Nilufer Bharucha als ihre „wichtigsten persönlichen Erfahrungen“ nach den vielen Aufenthalten in Deutschland. Im Hinblick auf den akademischen Bereich hebt sie zugleich „die Kontinuität der wissenschaftlichen Kontakte“ hervor, die sich in aufeinanderfolgenden Forschungsprojekten und kürzeren Gastdozenturen zeige. Und nicht zuletzt ist da noch das „gut funktionierende Studentenaustauschprogramm“, das im Nachgang an ihre DAAD-Gastprofessur in Münster entstand. “Nicht nur ich, sondern eine ganze Generation von Studierenden in Mumbai und in Münster profitiert so von meinen Kontakten“, stellt sie mit Zufriedenheit fest. 

Nilufer Bharucha war bis 2014 Professorin am Institut für Anglistik der Universität Mumbai. Im Sommersemester 2000 arbeitete sie als DAAD-Gastprofessorin an der Universität Siegen und zwischen Oktober 2008 und Juli 2009 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Marcus Klein PhD/cleevesmedia (27. Dezember 2017)

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