Zentralafrikas Hoffnungsträger

Lucie Aba Toumnou

Treffen mit Pygmäen: Lucie Aba Toumnou bei ihrer Forschungsarbeit

Lucie Aba Toumnou aus der Zentralafrikanischen Republik ist Biochemikerin; ihr Forschungsgebiet ist der Schutz von Ernte gegen Schädlinge. Mit einem DAAD-Stipendium hat sie ihre Doktorarbeit am Centre d’Étude Régional pour l’Amélioration de l’Adaptation à la Sécheresse (CERAAS) in Senegal abgeschlossen. Nun hofft sie auf baldige Rückkehr in ihre vom Krieg erschütterte Heimat, um deren Entwicklung vorantreiben zu können.

„Ich glaube fest daran, dass sich die Zentralafrikanische Republik stabilisiert, indem sie von ihren eigenen, gut ausgebildeten Menschen profitiert. Sie können Entwicklung beschleunigen und ich möchte Teil dieser herausfordernden Unternehmung sein.“ Dr. Lucie Aba Toumnou sorgt sich angesichts des Krieges in ihrer Heimat, aber die Hoffnung auf eine bessere Zukunft des Landes verliert sie nicht. Die Agrarwissenschaftlerin will vor allem den Hunger bekämpfen und forschte daher für ihre Doktorarbeit über ökologische Methoden zur Bekämpfung von Schädlingen in Getreidelagern.

Nicht nur die Trockenheit in der zentralafrikanischen Region bedroht die Ernte. Eine ebenso große Bedrohung für ärmere ländliche Gegenden in Zentralafrika und Senegal sei der Verlust von bereits eingebrachter Ernte durch Insekten, die sich über gelagertes Getreide und Hülsenfrüchte hermachen, erklärt Lucie Aba Toumnou. Die Schädlinge würden zu oft mit synthetischen Insektiziden bekämpft. Das aber schadet der Gesundheit, provoziert Resistenzen bei den Insekten, belastet die Umwelt und mindert die Qualität der Ernte. „Wir brauchen daher neue, effektive aber risikoarme Methoden, um diese Schädlinge unter Kontrolle zu bringen.“

Altes Wissen – Neue Methoden

Die Biochemikerin, die bereits erfolgreich zwei Masterstudiengänge an der Université de Bangui in der Zentralafrikanischen Republik abgeschlossen hatte, untersuchte für ihre Doktorarbeit am senegalesischen Forschungszentrum CERAAS die Wirkung einheimischer Pflanzen auf spezielle Ernteschädlinge als mögliche Grundlage für Bioinsektizide. Bioinsektizide sind wesentlich schonender für Mensch und Umwelt, aber sie müssen in erster Linie die Farmer überzeugen.

Lucie Aba Toumnou suchte daher nach Pflanzenarten, denen von Einheimischen in der Region traditionell bestimmte Effekte zugeschrieben werden. Die Heilpflanze Drypetes gossweileri wird zum Beispiel von den Pygmäen auch in der Landwirtschaft eingesetzt, um gelagerte Ernte zu schützen. Die Wissenschaftlerin dokumentierte in diesem Zusammenhang 48 Pflanzenarten und identifizierte später im Labor insgesamt vier Arten, deren chemische Profile tatsächlich geeignet sind, Insektenplagen wirksam zu bekämpfen. Ihre Ergebnisse publizierte sie in zahlreichen internationalen Journalen. „Meine Arbeit untermauert auch den traditionellen Einsatz von Drypetes gossweileri, um nach der Ernte Verluste durch Schädlinge zu reduzieren.“

Fortschritt durch starke regionale Vernetzung

Am CERAAS in Senegal für eine Doktorarbeit zu forschen, war für die DAAD-Stipendiatin und dreifache Mutter eine wichtige Chance. „Diese Fortbildung wäre ihr in der Heimat derzeit nicht möglich gewesen“, sagt Gabriele Parmentier vom DAAD-Referat „Östliches und Südliches Afrika“. Die Zentralafrikanerin konnte von Senegal aus Feldforschung in ihrer Heimat machen. „Mit dem CEERAS haben wir also einen idealen Partner gefunden, um eine Ausbildung mit überregionalem Schwerpunkt zu fördern.“ Das 1989 gegründete senegalesische Forschungszentrum ist eine wissenschaftliche Einrichtung des Institut Sénégalais de Recherches Agricoles (ISRA) und genießt in der Region einen hervorragendem Ruf. Seit 2001 vergibt der DAAD jährlich Master und PhD-Stipendien aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vorwiegend an Studierende aus West- und Zentralafrika für das CERAAS. Die Forschung am Zentrum zielt auf die Verbesserung der landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion in den afrikanischen Trockenzonen, um dort letztlich die Armut zu bekämpfen. „CERAAS verfügt über ein gutes Netzwerk, unterstützt die Forschungsarbeit und ermöglicht den Wissenstransfer in Westafrika“, sagt Lucie Aba Toumnou. „Mir ermöglichte das DAAD-Stipendium darüber hinaus Kontakt zu Forschungsinstituten auch in Deutschland.“

Diese Kontakte helfen ihr auch in der nächsten Zukunft. Seit Dezember 2013 ist Lucie Aba Toumnou mit ihrem PhD fertig und möchte nichts lieber, als ihr Wissen in der Heimat an ihre Studierenden an der Universität von Bangui weiterzugeben. Der Krieg hindert sie daran, doch sie bleibt zuversichtlich. „Ich suche nun zunächst nach einem Labor in Deutschland, in dem ich als Postdoktorandin arbeiten kann und bemühe mich um ein weiteres Stipendium.“

Bettina Mittelstraß (10. Januar 2014)