Auf Afrikas Anregungen hören

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Im Dialog: Die Veranstaltung der DAAD-Außenstelle brachte Akteure der europäisch-afrikanischen Hochschulkooperation zusammen

Der vierte EU-Afrika-Gipfel hat in Brüssel seine Schatten vorausgeworfen. Zahlreiche Vertreter afrikanischer Länder waren im Vorfeld des Gipfels in die europäische Hauptstadt gereist. Auch der DAAD nutzte den thematischen Fokus, um mit Partnern aus Afrika und Brüssel die Relevanz von Hochschulbildung für die Entwicklung des Kontinents sowie die neue DAAD-Afrika-Strategie zu diskutieren.

„Wir wollen im Gespräch mit den Betroffenen herausfinden: Wie wichtig ist Hochschulbildung für die nachhaltige Entwicklung Afrikas? Was sollen die Prioritäten sein? Was ist das Wichtigste?“, fasste Dr. Helmut Blumbach, Leiter der Programmabteilung Süd beim DAAD, das Ziel der Veranstaltung zusammen. Mit einer neuen Afrika-Strategie will er die Kooperation mit den Ländern der Sub-Sahara-Zone verstärken. Zwar pflegt der DAAD schon lange den Austausch mit diesen Ländern. „Unsere Außenstelle in Nairobi feiert dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen“, rief Blumbach ein herausragendes Beispiel in Erinnerung. Doch seitdem die neue Bundesregierung einen Fokus auf Afrika legt, ist der DAAD noch einmal besonders gefragt. Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller hatte in seiner Regierungserklärung neue Austauschprogramme für afrikanische Studierende und Professoren in Zusammenarbeit mit dem DAAD angekündigt. Ein erstes Diskussionspapier zu einer neuen DAAD-Afrika-Strategie hat der Vorstand bereits entworfen. Es diente als Grundlage für den Austausch in Brüssel.

Hochschulbildung als Entwicklungsvoraussetzung

Als zentralen Punkt führt das Papier die Förderung des akademischen Lehrapparats für Hochschulen und Universitäten an. Professor Goolam Mohamedbhai, ehemaliger Rektor der Universität von Mauritius und Ex-Generalsekretär der Vereinigung Afrikanischer Universitäten, sagte in seiner Grundsatzrede, dass der DAAD mit diesem Ziel goldrichtig läge: „Qualitativ hochwertige Hochschulbildung ist eine wichtige Voraussetzung für Afrikas Entwicklung“. Zu häufig aber mangele es an ihr. Er machte diesen Qualitätsmangel und seine Folgen am Beispiel des Ingenieur-Studiums deutlich: „Wir in Afrika haben das Paradox, dass wir einerseits einen so großen Bedarf haben, dass wir auf Ingenieure aus dem Ausland angewiesen sind, andererseits aber viele einheimische Ingenieure arbeitslos sind.“ Diese hätten nur sehr selten Praxiserfahrung. Studienbegleitende Praktika würden kaum gemacht, allein schon, weil es zu wenig Industrie in Afrika gebe. Darüber hinaus werde eine Zusammenarbeit von Universitäten und der Wirtschaft nicht aktiv gesucht. Auch nicht von ausländischen Unternehmen: „Sie bringen ihre eigenen Ingenieure mit“, erläuterte Mohamedbhai. Praxiserfahrungen beschränkten sich deshalb meist auf Laborversuche. „Das sieht oft so aus, dass der Dozent irgendetwas vormacht, und die Studenten zuschauen, aber selbst nie praktisch Hand anlegen.“

Dazu komme, dass pädagogische Fähigkeiten keine Voraussetzung für die Lehre an afrikanischen Universitäten seien. „Viele Promovierte und Professoren sehen didaktisches Rüstzeug auch nicht als notwendig an“, sagte Mohamedbhai. Sie würden ihre Lehr-Kompetenz aus ihrer fachlichen Qualifikation ableiten. Hier Mentalitäten zu ändern sei entscheidend. Darauf aufbauend könnten dann Maßnahmen entwickelt werden, um sowohl das Lernumfeld für die Studierenden als auch die weiteren Forschungsmöglichkeiten der Akademiker zu verbessern. Ein Lösungsweg, den Mohamedbhai als exemplarisch für das gesamte Hochschulwesen in Afrika vorstellte.

Den Status quo verändern

Dessen außergewöhnliche Wachstumsraten unterstrich Michael Hörig, Leiter des Referats West- und Zentralafrika im DAAD, mit eindrucksvollen Zahlen. Habe es 1970 noch weniger als zehn Universitäten mit rund 200.000 Studierenden in Subsahara-Afrika gegeben, seien es 2010 schon 580 Hochschulen gewesen – mit 4,5 Millionen Studierenden. Das Potenzial des akademischen Lehrapparats, am Status quo etwas zu verändern, wurde somit allemal deutlich. Aber wie soll das konkret angegangen werden? Michael Hörig stellte die zehn strategischen Fragen vor, die im Zentrum der DAAD-Überlegungen stehen. Zum Beispiel: Sollen alle Länder der Subsahara-Region in das Programm einbezogen werden, oder nur einige? Wie kann auf länderspezifische Umstände Rücksicht genommen werden? Wie können landesweite, ja grenzüberschreitende Programme entstehen? Fragen mit noch offenen Antworten.

Interesse der EU-Kommission

Eins ist dagegen schon klar: Der Bottom-up-Ansatz, also die Entwicklung von Programmen in möglichst enger Kooperation mit den jeweiligen Hochschulen und ihrem Personal, soll auf jeden Fall im Vordergrund stehen. „Unsere bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass solche Programme erst dann richtig leben“, sagte Helmut Blumbach. Er zeigte sich am Ende der Veranstaltung durchaus zufrieden mit dem Austausch. „Wir haben die Bestätigung erhalten, dass wir mit unserem Ansatz ganz richtig liegen, den Nachwuchs an Hochschullehrern zu fördern“, fasste er zusammen. Als Anregung nahm er auch die Bemerkung eines Teilnehmers aus Kairo mit, bei der Strategie Afrika vielleicht doch als ganzen Kontinent zu berücksichtigen – und nicht nur die Subsahara-Region. „Der Nord-Süd-Austausch auf dem Kontinent scheint tatsächlich sinnvoll und von den Afrikanern gewollt“, sagte Blumbach.

Ein erster Entwurf der DAAD-Afrika-Strategie soll im Herbst 2014 stehen. Die weitere Entwicklung wird wohl auch von Seiten der Europäischen Union aufmerksam verfolgt werden. Wie die jüngste Veranstaltung der DAAD-Außenstelle Brüssel: Im Publikum saßen gleich mehrere Vertreter verschiedener Generaldirektionen der EU-Kommission. „Wir stehen im engen Kontakt mit der Kommission; das Interesse an unserer Arbeit ist vorhanden“, bestätigte Nina Salden, Leiterin der Außenstelle. Auch auf dem EU-Afrika-Gipfel werde die Hochschulförderung ein Thema der Diskussionen sein.

Kay Wagner (2. April 2014)