Belarus: Bildung und Wissenschaft
Die wichtigsten regionalen Informationen zum Bildungssystem und umfassende Daten zu Hochschulen, Studium, Forschung, Lehre, Internationalisierung und Bildungskooperationen haben wir in der folgenden Übersicht für Sie zusammengefasst.
Inhalt
- Rahmenbedingungen
- Hochschul- und Wissenschaftssystem
- Internationalisierung und Bildungskooperationen
- DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi)
- Highlights der DAAD-Förderung
- Publikationen
- Weitere Informationen
Rahmenbedingungen
Laut den offiziellen Angaben des belarussischen statistischen Hauptamtes waren im Studienjahr 2024/25 insgesamt 224.200 Studierende an 47 Hochschulen eingeschrieben. Im Vergleich zu den 2010er Jahren hat sich die Zahl der Studierenden im Land damit fast halbiert. Dies geht – neben demographischen Gründen – wesentlich auf die repressive politische Situation im Land seit den Protesten im Kontext der Präsidentschaftswahlen im Jahr 2020 und die Unterstützung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine durch Belarus zurück, die viele junge Menschen aus Belarus zur Abwanderung bewegt haben. In den letzten Jahren musste zudem eine Reihe privater Hochschulen ihre Tätigkeit einstellen.
Die Mehrzahl der Einrichtungen im tertiären Bildungsbereich und die renommiertesten Hochschulen sind in der Hauptstadt Minsk angesiedelt. Hier ist rund die Hälfte aller belarussischen Studierenden eingeschrieben. Mit weitem Abstand folgen Gomel, Vitebsk, Mogiljev, Grodno und Brest.
Das belarussische Hochschulwesen ist staatlich gesteuert, die traditionell nur sehr begrenzte akademische Autonomie der Hochschulen wurden in den letzten Jahren nochmals massiv beschnitten. Studienprogramme und Curricula werden heute so gestaltet, dass sie politische Loyalität und ideologische Konformität reflektieren, insbesondere mit Fokus auf eine patriotisch-staatliche Erziehung und Nähe zu Russland. Akademische Freiheit und Mitbestimmung sind in Belarus stark eingeschränkt. Politiknahe Aktivitäten von Studierenden und Lehrenden werden engmaschig kontrolliert.
Belarus ist 2015 dem Bologna-Prozess beigetreten und wurde damit Teil des gemeinsamen europäischen Hochschulraums. 2022 wurde die Beteiligung des Landes an den Strukturen des Bologna-Prozesses von der EU suspendiert. Belarus selbst hat – im Unterschied zu Russland – nicht offen den Austritt aus Bologna erklärt, bereitet aber aktiv die Einführung eines nationalen Systems vor, womit sich das Land im Sinne der vertieften staatlichen Integration mit Russland stark an seinen östlichen Nachbarn anlehnt.
Forschung und Lehre sind – als wissenschaftshistorisches Erbe Russlands und der Sowjetunion – nach wie vor weitgehend getrennt. Hochschulen fokussieren auf die Lehre, Forschung findet vor allem an der Akademie der Wissenschaften statt.
Hochschul- und Wissenschaftssystem
In Belarus ist die Hochschullandschaft weitgehend in staatlicher Hand. Von den insgesamt 47 Hochschulen sind fünf privat geführt. Letztere Zahl hat sich seit 2020 halbiert.
Ähnlich wie in Russland untersteht die Mehrzahl der Hochschulen dem Bildungsministerium. Als Erbe sowjetischer Planwirtschaft gibt es eine Reihe von Profilhochschulen, die dem jeweiligen sektoralen Ministerium unterstehen, darunter Agar-, medizinische, technische und technologische Universitäten. Eine Verwaltungsuniversität ist dem Präsidenten unterstellt. Auch wenn zahlreiche Hochschulen als "Universität" firmieren, gibt es somit in Belarus keine Volluniversitäten nach westlichem Verständnis.
Formal orientiert sich Belarus nach wie vor am (suspendierten) Bologna-Modell:
- Bachelor: in der Regel 4 Jahre
- Master: 1-2 Jahre
- Promotion (sogenannte "Aspirantura"): 3-4 Jahre
Der Hochschulzugang erfolgt in der Regel nach Beendigung der 11. Schulklasse und in Form einer zentralisierten Hochschulzugangsprüfung in einer Reihe von Fächern entsprechend dem Studienwunsch. Herausragende Studierende erhalten einen kostenlosen Studienplatz inklusive eines (kleinen) Stipendiums. Mit dieser staatlichen Förderung geht einher, dass Absolventinnen und Absolventen später für zwei Jahre an einer staatlich zugewiesenen Einrichtung im Land tätig werden.
Im Jahr 2025 hat Belarus einen neuen dreijährigen Hochschulabschluss eingeführt. Dieser kann von Schulabgängerinnen und -abgängern gewählt werden, deren Studienfach mit dem Schwerpunkt des Schulabschlusses zusammenfällt. Alle übrigen Studierenden müssen das bisherige System durchlaufen. Der neue Abschlusstyp soll das Programmangebot der Hochschulen schärfen, Curricula straffen und hat unter anderem arbeitsmarktpolitische Gründe, indem Studienbewerbende mit klarem Arbeitsmarktprofil schneller in eine Beschäftigung gebracht werden sollen. Faktisch ist hiermit der Ausstieg aus Bologna angekündigt.
Internationalisierung und Bildungskooperationen
Die Wissenschaft in Belarus ist in ihrer Qualität, Freiheit und internationalen Vernetzung stark eingeschränkt. Die Ausgaben für Forschung sind im internationalen Vergleich gering, und die Zahl der aktiven Forschenden ist über die Jahre erheblich gesunken. Der faktische Ausschluss aus europäischen Hochschul- und Wissenschaftsnetzwerken hat das Land akademisch vom Westen isoliert. Internationale Publikationen und Kooperationen sind begrenzt, die meisten Forschenden arbeiten im lokalen oder russischsprachigen Raum.
Russland und russische Hochschulen sind mit Abstand der wichtigste Kooperationspartner für belarussische Hochschulen. Größter nicht-regionaler Partner für internationale akademische Kontakte ist China. Universitäten wie die Belarussische Staatsuniversität in Minsk kooperieren mit rund 20 chinesischen Hochschulen. Gemeinsame Verbünde wie die China-Belarus University Alliance umfassen Dutzende Institutionen aus beiden Ländern. Belarus und Kasachstan haben darüber hinaus einen wissenschaftlichen und bildungspolitischen Konsortialverbund mit über 60 Universitäten beider Länder zur Förderung gemeinsamer Projekte, Mobilität und Forschung. Zuletzt hat sich die Kooperation mit führenden Universitäten Usbekistans belebt. Belarus richtet sich damit strategisch bewusst vor allem auf den post-sowjetischen Hochschulraum und nach China aus.
Der DAAD war bis 2021 mit einem Informationszentrum in Minsk sowie fünf Lektoraten an fünf Hochschulen des Landes vertreten. Ende Juni 2021 wurde der DAAD aufgefordert, sämtliche Aktivitäten im Land einzustellen. Aufgrund der Unterstützung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durch Belarus wurden im Jahr 2022 praktisch alle Kooperationen deutscher Hochschulen mit ihren belarussischen Partnern eingefroren.
Der DAAD fördert aktuell keine akademische Mobilität im Rahmen von Hochschulprogrammen.
Die DAAD-Stipendienprogramme für individuelle Studierende und Forschende aus Belarus werden nach wie vor angeboten, um weiterhin Brücken in die Zivilgesellschaft offenzuhalten.
Das DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) unterstützt deutsche Hochschulen bei der Anbahnung, Durchführung und Intensivierung ihrer internationalen Aktivitäten:
Finden Sie im Folgenden eine Auswahl unserer Förderprogramme:
Publikationen zum Thema Bildung und Wissenschaft finden Sie hier:
Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu Bildung und Wissenschaft in Belarus: