Usbekistan: Bildung und Wissenschaft

Studierende am Rednerpult ihrer Dozentin.

Die wichtigsten regionalen Informationen zum Bildungssystem und umfassende Daten zu Hochschulen, Studium, Forschung, Lehre, Internationalisierung und Bildungskooperationen haben wir in der folgenden Übersicht für Sie zusammengefasst.

Inhalt

Rahmenbedingungen

Usbekistan verfügt mit rund 1,4 Millionen Studierenden (2024) über das größte Hochschulsystem Zentralasiens. Zuständig für die Steuerung sind das Ministerkabinett, das Ministerium für Hochschulbildung, Wissenschaft und Innovation, die Rektorate, Akademischen Räte und Kuratorien. Im Vergleich zu Europa verfügen die Hochschulen in Usbekistan über wenig Autonomiespielräume.

Seit 2019 verfolgt die Regierung jedoch eine umfassende Hochschulreform, die mittelfristig mehr Selbstverwaltung, größere Freiheit bei der Studiengangentwicklung sowie eine modernisierte Studierendenrekrutierung vorsieht. Die Umsetzung schreitet schrittweise voran, doch vielerorts prägen noch theorielastige Lehrformen und hierarchische Strukturen den Hochschulalltag.

Charakteristisch für die aktuelle Hochschulpraxis sind Frontalunterricht statt interaktiver Lernformen, Fokussierung auf Wissensvermittlung, unzureichende Ausstattung und knappe finanzielle Mittel, mangelnde Anreize für Lehrende und Forschende, sich weiterzubilden.

Trotz dieser Herausforderungen stellt die Regierung Forschung und Innovation ins Zentrum ihrer Entwicklungspolitik. Mit der "Science, Technology and Innovation"-Strategie verfolgt Usbekistan ambitionierte Ziele:

  • Platzierung unter den Top 50 Volkswirtschaften im Global Innovation Index bis 2030,
  • Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen auf 1 % des BIP,
  • Ausbau der Forschendenzahl auf 1.000 pro eine Million Einwohnende.

Die Forschung konzentriert sich auf spezialisierte Einrichtungen – fast 60 % der öffentlichen Forschungsausgaben fließen dorthin. Eine zentrale Rolle spielt die Academy of Sciences of the Republic of Uzbekistan, die wichtigste staatliche Wissenschaftsorganisation des Landes. Sie umfasst 32 Einrichtungen, darunter 23 Institute, ein interdisziplinäres Forschungszentrum und vier Museen, und koordiniert die Grundlagen- wie auch angewandte Forschung.

Hochschul- und Wissenschaftssystem

Das Hochschul- und Wissenschaftssystem Usbekistans befindet sich derzeit in einem umfassenden Reformprozess. Mit dem "Concept of Development of the Higher Education System of the Republic of Uzbekistan until 2030" verfolgt das Land ehrgeizige Ziele: mehr institutionelle Autonomie, eine stärkere Öffnung gegenüber internationalen Partnern sowie die Anpassung an globale Bildungs- und Forschungsstandards.

Im Jahr 2024 zählte das Land 222 Hochschulen, darunter:

  • 90 nicht-staatliche Einrichtungen,
  • 31 ausländische Hochschulinstitutionen (Stand 2023).

Diese Dynamik verdeutlicht die Ausweitung und Internationalisierung des Sektors. Die Hochschullandschaft gliedert sich in drei Typen von Einrichtungen:

  • Universitäten: Sie bieten Bachelor-, Master- und Postgraduiertenprogramme in einer Vielzahl von Fachrichtungen an.
  • Akademien: Sie dienen der spezialisierten Ausbildung in disziplinären Bereichen, etwa in Medizin, Wirtschaft oder Verwaltung – Beispiele sind die Tashkent Medical Academy und die Tax Academy.
  • Institute: Sie konzentrieren sich auf praxisorientierte Fachausbildung, zum Beispiel in Landwirtschaft, Ingenieurwissenschaften oder Recht, und bieten ebenfalls Abschlussprogramme auf Bachelor- und Masterebene an.

Internationalisierung und Bildungskooperationen

Usbekistan entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Partner im Bildungs- und Forschungsbereich Zentralasiens. Internationale Kooperationen bieten wertvolle Chancen für gegenseitiges Lernen und interkulturellen Austausch. Gerade für Studierende und Forschende aus dem Ausland eröffnen sich einzigartige Einblicke in gesellschaftliche Strukturen und Lebensweisen, während usbekische Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler die Möglichkeit erhalten, ihre Kompetenzen an internationale Standards anzupassen – ein erklärtes hochschulpolitisches Ziel des Landes.

Die akademische Mobilität nimmt dabei deutlich zu:

  • Usbekische Studierende im Ausland (2022): 150.000
    • Beliebteste Zielländer: Kirgisistan, Russische Föderation, Kasachstan
  • Internationale Studierende in Usbekistan (2023): 4.900
    • Wichtigste Herkunftsländer: Pakistan, Turkmenistan, Indien

Trotz der Dynamik des Reformprozesses bestehen weiterhin strukturelle Herausforderungen. Unterfinanzierung und schwache Ausstattung vieler Hochschulen führen dazu, dass die Ausbildungsqualität und Abschlüsse mit europäischen Standards nicht vergleichbar sind. Besonders betroffen sind Kenntnisse im Management, in der eigenständigen Forschungsarbeit und bei der wissenschaftlichen Publikationstätigkeit. Private Hochschulen, insbesondere solche mit ausländischer Beteiligung, agieren häufig unter verbesserten Rahmenbedingungen.

Die laufenden Reformen verursachen zudem eine hohe institutionelle Fluktuation: Neugründungen, Umstrukturierungen und Personalwechsel erschweren teilweise den Aufbau langfristiger Kooperationen. Dennoch zeigen internationale Organisationen wie die Weltbank Verbesserungen – insbesondere bei der Qualifizierung von Lehr- und Forschungspersonal und der Förderung von Innovationsanreizen.

Infolge geopolitischer Veränderungen durch den russischen Angriff 2022 auf die Ukraine intensiviert Usbekistan seine Zusammenarbeit mit Europa. Auch Deutschland und die EU bewerten die Kooperation mit den zentralasiatischen Staaten neu und bauen sie weiter aus. Aktuell bestehen laut Hochschulkompass der HRK 89 Kooperationen zwischen deutschen und usbekischen Hochschulen (Stand Oktober 2025) – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren.

Zusätzlich unterstützt das DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) deutsche Hochschulen bei der Anbahnung, Durchführung und Intensivierung ihrer internationalen Aktivitäten:

DAAD KIWi
Das Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) unterstützt deutsche Hochschulen bei der Anbahnung und Durchführung ihrer internationalen Aktivitäten. Mit individueller Beratung, vernetzter Expertise und Impulsen für den außenwissenschaftspolitischen Diskurs.

Finden Sie im Folgenden eine Auswahl unserer Förderprogramme:

Ost-West-Dialog
Das Programm Ost-West-Dialog fördert die Verständigung im Hochschulbereich mit dem Ziel, Konflikte gemeinsam zu lösen und die Zusammenarbeit zu stärken.
Ostpartnerschaften
Das Ostpartnerschaftsprogramm stärkt und fördert partnerschaftliche Beziehungen deutscher Hochschulen zu Hochschulen in Mittelost-, Ost- und Südosteuropa sowie dem Kaukasus und Zentralasien.
Deutschsprachige Studiengänge in Ostmittel-, Südost- und Osteuropa sowie dem Südkaukasus und Zentralasien
Im Programm werden Fachstudiengänge an Hochschulen in Mittel-, Osteuropa sowie im Südkaukasus und Zentralasien um eine deutschsprachige Komponente erweitert.
Hochschulsommerkurse in Deutschland für ausländische Studierende und Graduierte
Dieses Programm dient der Vertiefung der Kenntnisse der deutschen Sprache (Allgemeinsprache, Fachsprache) und Landeskunde.
Transnationale Bildung – Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland (TNB)
Das DAAD-Förderprogramm für deutsche Hochschulprojekte im Rahmen der transnationalen Bildung im Ausland.

Publikationen zum Thema Bildung und Wissenschaft finden Sie hier:

DAAD Globus Länderbericht kurz
Länderberichte kurz bieten kompakt auf zwei bis drei Seiten eine Einführung in aktuelle Entwicklungen in der Wissenschaftskooperation und geben einen Überblick über die wichtigsten DAAD-Aktivitäten vor Ort. Alle Länderberichte kurz stehen in deutscher und englischer Sprache zum Download zur Verfügung.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu Bildung und Wissenschaft in Usbekistan: