Taiwan: Bildung und Wissenschaft

Ein Denkmal von einem Mann.

Die Hochschullandschaft in Taiwan wurde zwischen 1995 bis 2005 stark ausgebaut. Die Expansion geschah vor allem durch Gründung privater Hochschulen, deren Anzahl die der staatlichen Hochschulen deutlich übersteigt. In den letzten
Jahren wurden zudem etliche Colleges zu Universitäten aufgewertet. Aufgrund der demographischen Entwicklung der letzten Jahrzehnte sinkt jedoch die Zahl der Studierenden. Das Überangebot an Studienplätzen kann auch durch vermehrte Rekrutierung von internationalen und festlandchinesischen Studierenden nicht gefüllt werden. Nach Plänen des MoE soll sich die Zahl der Hochschulen bis zum Jahr 2030 um ein Drittel verringern. Betroffen sind vor allem private und kleinere staatliche Hochschulen (mit weniger als 10.000 Studierenden).

Die Gesamtzahl der tertiären Bildungseinrichtungen liegt bei 152, davon sind 126 Universitäten (45 staatlich), 14 Colleges (1 staatlich) und 12 Junior Colleges (2 staatlich). Die Abschlüsse an Universitäten reichen vom Bachelor bis zum Ph.D., wobei nur Universitäten das Recht haben, Doktorgrade zu verleihen. Allerdings kann nicht jeder Professor oder Professorin Promovierende ausbilden, die Promotion findet in Promotionsprogrammen statt. Colleges bieten Bachelorprogramme an, zunehmend auch Masterprogramme (meist berufsbegleitend) und darüber hinaus auch Programme, die zu Associate Degrees führen (das heißt Abschlüsse von zwei- beziehungsweise fünfjährigen Studiengängen). Junior Colleges bieten nur zwei- beziehungsweise fünfjährige Studiengänge an, die zum Associate Degree führen.

Die Studiengebühren in Taiwan sind vergleichsweise moderat. An den staatlichen Hochschulen betragen die Gebühren abhängig vom Studiengang und Typus der Hochschule zwischen 1.200 und 2.330 Euro pro Jahr, bei privaten Institutionen liegen sie zwischen 1.660 und 4.300 Euro. Alle Hochschulen – staatliche wie private – erhalten staatliche Zuschüsse, die eine Grund- beziehungsweise Teilfinanzierung der Institutionen sichern.

Das taiwanische Bildungssystem orientiert sich am US-amerikanischen System. Der Sekundarschulabschluss erfolgt nach zwölf Jahren Schulzeit (Senior High School Certificate).

  • Hochschulzugang (überwiegend) durch eine zentrale Zugangsprüfung (GSAT General Scholastic Aptitude Test);
  • Bachelor-Programme: 4-5 Jahre (Verfassen einer BA-Thesis nicht erforderlich); 
  • Master-Programme: 1-4 Jahre, meist 2 Jahre;
  • Ph.D-Programme: 3-4 Jahre, Fast Track Ph.D ist in einigen Institutionen möglich.

Das Studienjahr ist in ein Winter- und ein Sommersemester à 18 Wochen eingeteilt.

2005 gründete das MoE den Higher Education Evaluation & Accreditation Council of Taiwan (HEEACT), der alle sechs Jahre sowohl Institutionen als auch Studienprogramme evaluiert. Das HEEACT ist Mitglied im Asien-Pazifik Qualitäts-Netzwerk (APQN) und im Internationalen Netzwerk für qualitätssichernde Ämter für akademische Bildung (INQAAHE).

Der Anteil der taiwanischen F&E Ausgaben steigt jedes Jahr leicht an und beträgt 2018 3,36 Prozent des BIPs (circa 19 Milliarden Euro). Der Förderungsanteil der Regierung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken (Anteil 2010: 27,5 Prozent, 2018: 19,5 Prozent), der Privatsektor finanziert inzwischen 80,5 Prozent der nationalen F&E Ausgaben – ein Beleg für industrienahe und anwendungsorientierte Forschung. Im Fokus der taiwanischen Wissenschaftsförderung stehen Biotechnologie, intelligente Elektronik, Energie und Nanotechnologie. Zur Weltspitze zählt auch die taiwanische Gesundheitsforschung (Medizin).

Forschung auf hohem Niveau wird vorwiegend an den staatlichen Universitäten durchgeführt, insbesondere an den zwölf Institutionen, die durch das „Aim for the Top University Program (ATUP)“ 2006 bis 2016 gefördert wurden:

  • National Taiwan University
  • National Cheng Kong University
  • National Tsing Hua University
  • National Chiao Tung University
  • National Central University
  • National Sun Yat-Sen University
  • National Yang Ming University
  • National Chung Hsing University
  • National Chengchi Universit
  • National Taiwan University of Science &Technology
  • Chang Gung University (private medizinische Universität)
  • National Taiwan Normal University

(Grundlagen-)Forschung auf höchstem Niveau wird vor allem an den Instituten der Academia Sinica, einer reinen Forschungseinrichtung, betrieben. Für die deutschen Hochschulen bietet Taiwan Chancen sowohl im Bereich von Hochschulkooperationen als auch in der Rekrutierung leistungsstarker Kandidatinnen und Kandidaten für Master- und Ph.D-Programme, insbesondere in den MINT-Fächern.

Verfasser: Dr. Josef Goldberger, DAAD-Informationszentrum in Taipei

Der DAAD ist in Taiwan mit einem Informationszentrum in Taipei und einem Lektorat an der National Chengchi Universität vertreten.