Kasachstan: Bildung und Wissenschaft

Ein Denkmal von einem Mann.

In Kasachstan gibt es 125 Hochschulen. Universitäten sollen wissenschaftlich-methodologische Zentren darstellen, Forschung betreiben und Bachelor-, Master- sowie Promotionsabschlüsse in mindestens drei Fächern anbieten. Die Begriffe „Akademie“ und „Institut“ werden daneben für kleinere Hochschulen mit eingeschränktem beziehungsweise spezialisiertem Fächerangebot (zum Beispiel Medizinische Akademien) gebraucht.

Eine Reihe von großen Hochschulen des Landes wurden zu Forschungsuniversitäten und dann zu „Nationalen Universitäten“ erklärt. Diese derzeit neun Universitäten sollen mit Hilfe von fünfjährigen Entwicklungsplänen zielstrebig zu Wissens- und Forschungszentren ausgebaut werden und weitgehende Hochschulautonomie erhalten. Die Nazarbayev-Universität (NU) in Nur-Sultan kommt zu dieser besonderen Gruppe von Hochschulen noch dazu. Sie hat bei der Entwicklung des Hochschulwesens Vorbildfunktion und gilt als nationale Hochschulinstitution mit eigenem Status. Die Sonderstellung dieses Prestigeobjekts der nationalen Bildungspolitik wird durch ein eigenes Gesetz abgesichert. An der NU wurden auch diverse unabhängige Forschungszentren eingerichtet. Die NU besteht allerdings erst seit 2009, ihre weitere Entwicklung und die Zukunft ihres Verhältnisses zu dem Konsortium angloamerikanischer Partneruniversitäten, von dem sie in der Gründungsphase getragen wurde, sind noch ungewiss.

Unbestritten ist die Führungsrolle der Nationalen Al-Farabi-Universität (Almaty) in zahlreichen Forschungsbereichen. Weitere wichtige, in der Forschung aktive Universitäten sind die Nationale Technische Satpayev-Universität, die Kasachisch-Britische Technische Universität, die Technologische Universität in Almaty sowie die Staatliche Buketov-Universität und die Staatliche Technische Universität in Karaganda. Hinzu kommt die Eurasische Nationale Gumilev Universität in Nur-Sultan. Bei den Privathochschulen genießt allen voran die KIMEP eine hohe Reputation. Verstärkt – auch in puncto Kooperation mit deutschen Hochschulen – etabliert sich die Almaty Management University (AlmaU). Sie ist, wie auch die KIMEP, eine Hochschule für Management. Letztere veranstaltet auch in regelmäßigen Abständen Forschungskonferenzen. Die Deutsch-Kasachische Universität (DKU), welche als einzige Hochschule umfangreich auch in deutscher Sprache ausbildet und zudem mit ihrer Flying Faculty sowie dem Doppel-Abschlussprogramm intensive Beziehungen zu Deutschland pflegt, gewinnt zunehmend an Bedeutung – dies nicht zuletzt aufgrund des hohen Rankings vieler Fächer seitens der kasachischen Unternehmenskammer. Überdies wird die Korruptionsfreiheit der DKU ausdrücklich gelobt.

Mit dem Gesetz über Wissenschaft von 2007 hat man sich auf ein dreistufiges System mit Bachelor, Master und Promotion festgelegt. Für den postgraduierten Bereich existiert weiterhin der Titel „Kandidat Nauk“ als Äquivalent zur Promotion. Mittelfristig soll jedoch nur noch der Doktortitel verliehen werden. Dies ist an den größten Universitäten bereits der Fall. Nach Angaben des Forschungsportals „Finprom“ hatten zu Beginn des Studienjahres 2019/2020 8,5 Prozent des beschäftigten Lehrpersonals einen Doktortitel („Doktor Nauk“), 33,1 Prozent den Titel eines „Kandidat Nauk“ (candidate of science), 6,8 Prozent besaßen einen internationalen PhD-Titel sowie 33,8 Prozent einen Masterabschluss. 17,8 Prozent besaßen andere akademische und wissenschaftliche Titel, welche nicht näher erläutert sind.

Nach wie vor erfolgt die Zulassung zum Studium obligatorisch auf Basis der Ergebnisse im landesweiten Unified National Test (UNT beziehungsweise ENT), der im Juni zeitgleich für alle Absolventen der höheren Schulen durchgeführt wird. Bewerber anderer Kategorien (zum Beispiel Absolventen von Berufsschulen oder Schulen im Ausland) legen den ähnlichen Comprehensive Test (CT) ab. Auf Basis der ENT-Punktzahlen wird von staatlichen und universitären Kommissionen über die Zulassung zu Studiengängen und vor allem über die Vergabe von staatlichen Stipendien beziehungsweise einer Studiengebührenbefreiung entschieden. Es gibt Kritik am Testformat, das pures Auswendiglernen fördert, und an der Verzerrung der Testergebnisse durch die starke Gewichtung der sprachlichen Fertigkeiten und der Geschichte Kasachstans.

Die gesamten Bildungsausgaben Kasachstans betrugen 2018 3,3 Prozent des BIP pro Jahr. Die staatlichen Universitäten werden durch Zuwendungen der öffentlichen Hand und durch Studiengebühren finanziert. Deren Höhe ist unterschiedlich, je nach Prestige des Fachs und teilweise auch der Hochschule. Seit 2018 dürfen die Hochschulen die Höhe der Studiengebühren selbst bestimmen. Davon machen bisher jedoch wenige Gebrauch. So kostet beispielsweise das Studium an der Staatlichen und Nationalen Al-Farabi-Universität umgerechnet mindestens 1.900 Euro pro Jahr, während die Kosten an der Karagandaer Staatlichen Technischen Universität mindestens 750 Euro pro Jahr betragen. An privaten Universitäten und Hochschulen mit besonderem Status sind die Kosten meist höher: So variieren die Studiengebühren an der renommierten Nazarbayev-Universität zwischen 17.000 und 21.000 Euro pro Jahr, wenngleich 96 Prozent der Studierenden staatliche oder anderweitige Stipendien erhalten. Als hochpreisig gelten auch die Deutsch-Kasachische Universität – 1.900 Euro pro Jahr – sowie die Kasachisch-Britische Technische Universität – mit Studiengebühren von circa 3.200 Euro pro Jahr.

Bildung wird in Kasachstan als ein sehr wichtiges Thema betrachtet, das jedoch oft auf Hochschulbildung verengt wird. Gleichwohl mehren sich die Bemühungen staatlicherseits, berufliche Bildung und duale Ausbildung zu stärken. Hierbei bietet die deutsche Seite mit der GIZ und der Konrad Adenauer Stiftung wichtige Hilfen an. Mit Hilfe des Regierungsstipendienprogramms Bolashaq können besonders talentierte Kandidaten dank eines Stipendiums kostengünstig im Ausland studieren. Besonders die USA sowie Europa erfreuen sich hierbei als Zielregionen weiterhin hoher Beliebtheit.

Auf Bildungsmessen und bei der Beratung am DAAD-Informationszentrum wird ersichtlich, dass nahezu alle Schulabsolventinnen und -absolventen studieren möchten. Dies ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass es im Bereich der außeruniversitären Berufsausbildung, wie man sie aus Deutschland kennt, kaum Angebote gibt. Die Qualität des Hochschulwesens in Kasachstan wird oft (und mitunter recht pauschal) angezweifelt, ein Studium im Ausland erscheint demgegenüber als höchst attraktiv. Gebührenfreiheit des Studiums in Ländern wie Deutschland hat dabei noch nicht einmal die stärkste Anziehungskraft. Wichtiger sind vereinfachte Zulassungsverfahren und die Qualität der ausländischen Hochschulen. Häufig wird betont, dass man nur „an den besten Universitäten“ studieren wolle, was bisweilen zu einem naiven Glauben an allgemeingültige Rankings führt.

Parallel dazu streben die Universitäten und Hochschulen Kasachstans nach verstärkter Kooperation mit dem Ausland, die auch von den übergeordneten staatlichen Stellen eingefordert wird. Aus all dem könnten sich besondere Chancen für deutsche Hochschulen ergeben: In Kasachstan gibt es einen dynamischen Bildungsmarkt, in dem großes Interesse an Studienangeboten aus Deutschland besteht, zugleich sind Kooperationen mit deutschen Hochschulen höchst erwünscht. Herausforderungen für deutsche Hochschulen bestehen in Sprachbarrieren, den eigenen Vorbehalten gegenüber Kasachstan, einem Land, das in Deutschland wenig bekannt ist, und auf kasachischer Seite in der ungenügenden fachlichen Fundierung der Kooperationswünsche (oft strebt man nach einem eher allgemeinen Rahmenabkommen).

Nichtsdestotrotz ist es aufgrund steigender Bemühungen beiderseits gelungen, vermehrt Kooperationen zwischen deutschen und kasachischen Hochschulen anzubahnen. Der DAAD leistet hierbei in Form seines Informationszentrums eine wichtige Brückenfunktion. Gerade für Hochschulen angewandter Wissenschaften bietet Kasachstan interessante Anknüpfungspunkte. Hervorzuheben wären hierbei die Agrarwissenschaften, technische Studiengänge mit Schwerpunkt Rohstoffförderung und -verarbeitung sowie aufgrund der geopolitischen und kulturellen Bedeutung des Landes in Zentralasien nicht zuletzt in den Sozialwissenschaften. Auch die offizielle Dreisprachenpolitik mit Kasachisch, Russisch und Englisch kann als ein interessantes Forschungsfeld für Philologen und Sozialwissenschaftler angesehen werden, da die Vermittlung der Sprachen auch stark von der jeweiligen Sprachenpolitik abhängig ist.

Verfasser: Bartholomäus Minkowski, Leiter des Informationszentrums Almaty

Der DAAD ist in Kasachstan mit einem Informationszentrum in Almaty an der Deutsch-Kasachischen Universität (DKU) vertreten. Zudem gibt es je ein Lektorat an der Nationalen Al-Farabi-Universität, der Technologischen Universität Almaty, der Deutsch-Kasachischen Universität sowie ein Fachlektorat Jura an der Kasachischen Geisteswissenschaftlich-Juristischen Universität in Nur-Sultan.