Japan: Bildung und Wissenschaft

Ein Ast mit Kirschblüten in Tokio.

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Hochschultypen und Besonderheiten

Das Studium an einer japanischen Universität gliedert sich in die Abschnitte Bachelor (4 Jahre), Master (2 Jahre) und Doktorat (3 Jahre). Das Hochschuljahr ist aufgeteilt in zwei Semester: April bis September und Oktober bis März (vorlesungsfreie Zeit ist in der Regel Mitte Februar bis Anfang April und August bis September). Laut Angaben des MEXT beläuft sich im Jahr 2019 die Zahl der Hochschulen auf 786 Universitäten. Zu den forschungsstarken Institutionen zählen die 86 nationalen sowie einige wenige der 607 privaten und 93 öffentlichen Universitäten. Die nationalen Hochschulen finanziert der Staat, die öffentlichen hingegen die Stadt oder die zuständige Präfektur.

Der Großteil der privaten Universitäten bildet nur bis zum Bachelorabschluss aus, an ihnen sind jedoch knapp 74 Prozent aller Studierenden eingeschrieben. Weitere tertiäre Einrichtungen sind die Kurzuniversitäten mit ihren dreijährigen Studiengängen sowie die Fachoberschulen, die eine berufliche Ausbildung anbieten. In der Zuständigkeit des MEXT befinden sich darüber hinaus vier universitäre Forschungsinstitute (in 15 Körperschaften) und zehn Institute und Agenturen zur Forschungsförderung und -koordination (JSPS, Japan Science and Technology Agency (JST), Japan Aerospace Exploration Agency (JAXA) etc.). Zusätzlich gibt es in Japan 337 Hochschuleinrichtungen – die sogenannten Kurzuniversitäten – ohne Universitätsrang mit 2-jährigen Ausbildungs- beziehungsweise Kurzstudiengängen.

Hochschulzugang

In Japan wird viel Wert auf eine gute Ausbildung gelegt. Dafür investieren japanische Familien traditionell viel Zeit und Geld. Die meisten Schülerinnen und Schüler besuchen wegen der schwierigen Universitätseingangsprüfungen bereits während der Oberschule Vorbereitungsschulen. Nach dem Abschluss der Oberschule legen die Bewerberinnen und Bewerber in der Regel den zentralen National Center Test for University Admissions (Senta Shiken) ab. Dieser wird 2021 durch den Common Test for University Admissions (大学入学共通試験) abgelöst, der inhaltlich dem bisherigen Test ähnelt. Eine geplante inhaltliche Reform, die unter anderem vorsah, die Fähigkeiten in Japanisch, Mathematik und Englisch weitergehend zu prüfen, wurde nach längerer Diskussion aufgeschoben. Im Englischen wurde jedoch eine Prüfung der Lesefähigkeit zusätzlich zum Hören und Schreiben hinzugefügt.

Abhängig von der Stellung der angestrebten Universität sind unterschiedlich hohe Quoten für das Bestehen der Prüfung erforderlich. Bewerberinnen und Bewerber, die diese Quoten erfüllen, werden noch einer hochschulinternen Auswahl unterworfen. Ausnahmeregelungen beim Hochschulzugang gibt es für hochbegabte Schülerinnen und Schüler in Standard-Lehrfächern, Kunst, Musik oder Sport, die ohne Aufnahmeprüfung an der Hochschule ihrer Wahl zugelassen werden. Viele private Hochschulen nehmen auch Oberschülerinnen und -schüler auf Empfehlung der Schule auf.

Die Aufnahmebedingungen der einzelnen Universitäten für ausländische Bewerberinnen und Bewerber variieren stark. Viele japanische Universitäten bieten inzwischen komplett englischsprachige Bachelor- und Masterstudiengänge an, die sich explizit an internationale Studierende richten. Weiterführende Informationen hierzu bietet JASSO. Ausländische Bewerberinnen und Bewerber müssen in der Regel eine Person mit japanischer Staatsbürgerschaft benennen, die für die Zahlung der Studiengebühren, die Rückreisekosten und das Aufkommen für eventuelle Schadensfälle bürgt. Für Studierende, die sich nur für circa ein Jahr in Japan aufhalten wollen, ist es empfehlenswert, sich als Forschungsstudierende (Kenkyusei) zu bewerben. Wegen langfristiger Bearbeitungszeiten sollte das erforderliche Informationsmaterial mindestens acht Monate im Voraus beim „International Student Office“ der jeweiligen Universität angefordert werden. In Deutschland erworbene Abschlüsse wie Master, Magister, Staatsexamen, Diplome berechtigen in der Regel zum Promotionsstudium.

Hochschulfinanzierung und Studiengebühren

Die Studiengebühren setzen sich aus Bewerbungsgebühren, Immatrikulationsgebühren, Unterrichtsgebühren und Gebühren für universitäre Einrichtungen zusammen. Prinzipiell müssen alle Studierenden gleichermaßen Studiengebühren bezahlen – auch ausländische. Die sehr unterschiedlichen Kosten reichen von durchschnittlich 535.000 Yen (circa 4.600 Euro) pro Jahr an einer staatlichen Universität bis zu 800.000 Yen (circa 6.900 Euro für geisteswissenschaftliche Fächer), 1,1 Mio. Yen (ca. 9.500 Euro für ingenieurs- und naturwissenschaftliche Fächer) und 2,8 Mio. Yen (ca. 24.000 Euro für Medizin und Zahnmedizin) an einer privaten Universität. Hinzu kommt je nach Studiengang eine einmalige Immatrikulationsgebühr zwischen 280.000 und 1 Mio. Yen (circa 2.400 bis 8.700 Euro). Während eines Auslandsaufenthaltes verlangen die meisten Universitäten die Fortzahlung der inländischen Studiengebühren. Für Studierende einer deutschen Universität, die im Rahmen eines Direktaustauschs an eine japanische Universität kommen, werden die hohen Studiengebühren der japanischen Universität oft erlassen (sofern beim Partnerschaftsabkommen entsprechende Vereinbarungen getroffen wurden).

Besondere Stärken in der Forschung

Japanische Wissenschaft, Forschung und Technologie besetzen auf mehreren Gebieten Spitzenpositionen im globalen Wettbewerb und werden großzügig gefördert. 2018 lagen die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (öffentliche Hand und Privatsektor) laut OECD-Statistik bei rund 173 Milliarden US-Dollar. Japan belegt im internationalen Vergleich den dritten Platz. Rund 70 Prozent der Investitionen stammen aus der Wirtschaft. Dabei lag auf Platz 1 der Investitionen die Transportgeräte herstellende Industrie, auf Platz 2 die Pharmazeutische Industrie. und auf Platz 3 die Informations- und Technologieindustrie.

Auch nach der Anzahl der Patente besetzte Japan mit 52.660 internationalen Patentanmeldungen im Jahr 2019 nach China und den USA den dritten Platz. Dabei kamen in beiden Kategorien (Investitionen und Patentanmeldungen) die meisten Patentanmeldungen aus den Bereichen Elektromechanik und Maschinenbau, Computertechnologie und Transport.

Seit der Jahrhundertwende hat Japan 18 Nobelpreisträger hervorgebracht. 2014 wurden die Materialforscher Isamu Akasaki, Hiroshi Amano und Shiji Nakamura für die Entwicklung blauen Lichts emittierender Dioden, die helle und energiesparende Lichtquellen ermöglichen (weißes LED-Licht), mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, 2015 erhielten Takaaki Kajita (gemeinsam mit Arthur McDonald) für die Entdeckung von Neutrinooszillationen den Nobelpreis für Physik sowie Satoshi Omura (gemeinsam mit William C. Campbell und Tu Youyou) den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. 2016 erhielt der Biochemiker Yoshinori Ôsumiden Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. 2018 wurde dem Immunologen Tasuku Honjo der Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung des Proteins PD-1 und der Entwicklung einer speziellen Krebstherapie zugesprochen. 2019 erhielt Akira Yoshino von der Universität Kyoto als einer von drei Wissenschaftlern für die Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterien den Nobelpreis für Chemie.

Verfasserinnen: DAAD-Außenstelle Tokyo

Der DAAD ist in Japan mit einer Außenstelle in Tokyo vertreten und fördert ein Lektorat an der Keiō-Universität.