Indonesien: Bildung und Wissenschaft

2 Türme der Prambanan

Mit derzeit 4.621 privaten und staatlichen Institutionen im Bereich der tertiären Ausbildung hat Indonesien eines der größten und divergentesten Hochschulsysteme der Welt (Higher Education Statistics 2019, Ministry of Research, Technology and Higher Education, Stand Dezember 2018, S. 4). 633 dieser Hochschulen gelten als Universitäten (Universitas). Vollakademische Ausbildungen mit den Abschlüssen S 1, S 2 und S 3, die einem Bachelor, einem Master beziehungsweise einem Doktorgrad entsprechen, werden zudem an fachorientierten Hochschulen angeboten: an 238 Instituten (Institut) und an circa 2.500 sogenannten Hohen Schulen (Sekolah Tinggi). An letzteren können die Abschlüsse D 1 bis D 4 erworben werden. Diese „Diploma“-Abschüsse – nicht zu verwechseln mit dem deutschen Diplom – werden in anwendungsorientierten Studiengängen vergeben; sie sind in Deutschland nicht als akademische Grade anerkannt. Der höchste D-Abschluss, das Diploma 4, beschließt einen vierjährigen Studiengang und kann in Indonesien dem Bachelor (S 1) gleichgestellt werden, allerdings versehen mit dem Zusatz „Bachelor of Applied Science“.

Außer an den Sekolah Tinggi kann der Diploma-Abschluss auch an den 909 sogenannten Akademien (Akademi) und an 304 berufsqualifizierenden Schulen (Politeknik) erworben werden. Um den Bedarf an qualifiziertem Personal in Regionen mit hohem industriellem beziehungsweise arbeitsmarktrelevantem Potential, die aber über keine Hochschulen verfügen, zu decken, wurde 2012 mit dem Aufbau von bisher 36 sogenannten Akademi Komunitas begonnen, die ein- und zweijährige berufsqualifizierende Studiengänge mit den Abschlüssen D 1 beziehungsweise D 2 anbieten.

Die überwiegende Zahl der staatlichen Hochschulen wird über das DIKTI (Direktorat für Hochschulen im Bildungs- und Kulturministerium) verwaltet und finanziert. Für die Vielzahl konfessionell ausgerichteter Hochschulen ist dagegen das Religionsministerium verantwortlich. Es gibt aber auch Hochschulinstitutionen, die von weiteren Ministerien verwaltet und finanziert werden, zum Beispiel vom Finanzministerium und vom Verteidigungsministerium. Der private Universitätssektor ist im DIKTI mit regional organisierten sogenannten KOPERTIS-Netzwerken verankert.

Der Hochschulzugang erfolgt, was die staatlichen Hochschulen angeht, über nationale Hochschultests (SBMPTN) nach dem Schulabschluss an einer SMA, einer allgemeinbildenden Schule, oder an einer SMK, wo der Schwerpunkt auf berufsbildenden Fächern liegt. Bei guten Studienleistungen oder bei finanziell schlecht ausgestatteten Studierenden kann die Universität die Studiengebühren verringern. Zudem führen manche nachgefragten Universitäten eigene Prüfungen durch oder sprechen direkt Einladungen an besonders gut qualifizierte Schulabgänger aus. Private Universitäten haben eigene Zulassungsverfahren. Der Schulabschluss erfolgt in Indonesien nach zwölf Jahren und erlaubt nicht den unmittelbaren Zugang zu einer deutschen Hochschule.

Weniger als 10 Prozent aller tertiären Bildungseinrichtungen sind in staatlicher Trägerschaft, mehr als 90 Prozent sind private Hochschulen. Sowohl private als auch staatlich geförderte Hochschulen erheben Studiengebühren; die staatlichen Universitäten gelten im Allgemeinen als besonders qualifiziert und verfügen auch über die meisten der derzeit 739 Promotionsstudiengänge des Landes.

An den meisten Hochschulen fehlt es noch an promovierten Hochschullehrkräften. Von den gut 308.600 statistisch erfassten Dozentinnen und Dozenten haben nur um die 47.625 einen Doktorgrad. Etwa 72 Prozent der Hochschullehrkräfte verfügen über einen Master als höchsten Abschluss; alle anderen unterrichten mit Bachelor-, Diploma- oder anderen Abschlüssen. Die meisten qualifizierten Hochschullehrerinnen und -lehrer gibt es, mit großem Abstand zu den anderen Inseln, auf Java, wo etwa 26.000 promoviert sind und gut 108.700 über einen Masterabschluss verfügen. Mehr als 60 Prozent aller promovierten Dozentinnen und Dozenten sind somit an Hochschulen auf Java tätig. Die Zahl derer, die als höchsten Abschluss einen Bachelor vorweisen können, ist in den letzten Jahren deutlich gesunken. (Quelle: Higher Education Statistics 2019)Zur Qualifizierung der Hochschullehrerinnen und -lehrer durch weiterführende Master- und Promotionsstudiengänge wurden verschiedene Stipendienprogramme entwickelt. Im Rahmen des Programms BUDI (Beasiswa Unggulan Dosen Indonesia), das vom Ministerium für Forschung und Technologie (RISTEK) gemeinsam mit dem Indonesia Endowment Fund for Education (LPDP) umgesetzt wird, erhielten nach dem letzten LPDP-Jahresbericht im Jahr 2018 273 Dozentinnen und Dozenten eine Förderung zur Unterstützung von Masterstudien und Promotionsvorhaben, davon 50 im Ausland. (Quelle: LPDP Annual Report 2018).

Die wichtigste Stipendienorganisation ist der Indonesia Endowment Fund for Education, der direkt dem Finanzministerium unterstellt ist und seinen Förderumfang kontinuierlich ausgebaut hat. Seit 2013 wurden 20.225 Stipendien vergeben; im Jahr 2018 waren es als 1.789 Stipendien, die meisten davon für Master- und Promotionsstudien im In- und Ausland. Zu den Hauptzielländern für Stipendiatinnen und Stipendiaten gehören Großbritannien, Australien, die Niederlande und die USA. 

BAN-PT, die staatliche Akkreditierungsbehörde, akkreditiert auf Programm- und Systemebene. Etwa 52 Prozent der Institutionen des tertiären Systems sind systemakkreditiert, davon allerdings nur 104 (2,2 Prozent) mit der besten Note A. 4 Sie gelten als die besten Hochschulen des Landes. Innerhalb Indonesiens ist es inzwischen erlaubt, sich über berufsqualifizierende D-Abschlüsse (D 1 bis D 4), die an Polytechnics verliehen werden, auch in akademischen S-Programmen weiter zu qualifizieren.

Wie beim US-amerikanischen Tenure-Track-System durchlaufen Nachwuchswissenschaftler einen vierstufigen Karriereprozess: Vom Jungdozenten, dem Asisten Ahli, der mindestens über einen Masterabschluss verfügen soll, wird erwartet, dass er promoviert und sich mit Forschungsprojekten, Publikationen und außeruniversitärem Engagement profiliert. Dann kann er sich um den Status Lektor bewerben, später um die Position eines Lektor Kepala (Senior Lecturer), schließlich um die des Guru Besar Madya, vergleichbar dem Associate Professor, und zuletzt um die des Guru Besar, vergleichbar dem Full Professor. Theoretisch ist dieser Weg in acht bis zehn Jahren zu schaffen.

Gemessen an wissenschaftlichen Publikationen wird an Indonesiens Hochschulen noch vergleichsweise wenig geforscht. Nur 38 laufende indonesische Forschungspublikationen (Fachzeitschriften) werden aktuell bei Scopus gelistet (hingegen 133 aus Singapur und 95 aus Malaysia). Zwar ist die Anzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen in Scopus-indizierten Fachzeitschriften in den letzten Jahren gestiegen, allerdings werden indonesische Publikationen weniger häufig zitiert als vergleichbare Publikationen im weltweiten Durchschnitt (Field-weighted citation index unter 1.0). Schaut man sich an, in welchen Bereichen in Indonesien besonders viel publiziert wird, so spielen die Sektoren Medizin, Sozialwissenschaften, Umwelt- und Biowissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften die größte Rolle. Kunst, Kultur- und Geisteswissenschaften haben dagegen wenig Bedeutung.

Verfasser: Christian Rabl, basierend auf Vorarbeiten von Dr. Irene Jansen, Außenstelle Jakarta

Der DAAD ist derzeit in Indonesien mit einer Außenstelle in Jakarta vertreten. Darüber hinaus befinden sich zwei Lektorate an der Universitas Indonesia und jeweils ein Lektorat an der Universitas Padjadjaran in Bandung sowie an der Universitas Negeri Yogyakarta.