Brasilien: Bildung und Wissenschaft

Studierende am Rednerpult ihrer Dozentin.

Die wichtigsten regionalen Informationen zum Bildungssystem und umfassende Daten zu Hochschulen, Studium, Forschung, Lehre, Internationalisierung und Bildungskooperationen haben wir in der folgenden Übersicht für Sie zusammengefasst.

Inhalt

Rahmenbedingungen

Brasilien nimmt in Lateinamerika eine führende Rolle ein – politisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich. Als größtes Land Südamerikas und eine der größten Volkswirtschaften weltweit trägt es mit seiner außergewöhnlichen biologischen Vielfalt, dem Amazonas und dem größten verbliebenen Regenwald eine besondere Verantwortung für Klima  und Umweltschutz. Zugleich ist Brasilien ein zentraler Akteur im Welthandel, in der internationalen Sicherheit und der Friedenspolitik.

Die brasilianische Außenpolitik ist von hoher Autonomie geprägt und zielt darauf ab, das Land als führende Stimme des Globalen Südens zu positionieren. Zwischen 2024 und 2025 übernahm Brasilien mit der G20-Präsidentschaft, dem BRICS-Gipfel und der Ausrichtung der Weltklimakonferenz COP30 eine zentrale Rolle in der internationalen Agenda-Setzung, insbesondere zu Klimagerechtigkeit, Entwicklungsfinanzierung und sozialer Inklusion.

Im Jahr 2024 waren in Brasilien erstmals über 10 Millionen Studierende immatrikuliert, wobei rund 78 % davon an privaten Hochschulen eingeschrieben waren. Dies wird durch staatliche Studienkredite ermöglicht, die auch für private Hochschulen gewährt werden, allerdings weniger umfangreich als in der Vergangenheit. Im Vergleich zum Jahr 2021 mit 3,9 Mio. Immatrikulationen und einem Anstieg auf 4,7 Mio. im Jahr 2022 erhöhte sich die Zahl der Einschreibungen 2023 nur noch leicht auf ca. 4,9 Mio. Dabei machten Immatrikulationen im Distanzunterricht rund 49 % der Gesamteinschreibungen aus. Die Einschreibungen in Online-Studiengängen an öffentlichen und privaten Hochschulen stiegen von 2022 bis 2023 um 13 %, während die Einschreibungen in Präsenzstudiengängen im gleichen Zeitraum leicht um 1,1 % zurückgingen.

Hochschul- und Wissenschaftssystem

Brasilien verfügt über insgesamt 2.561 Hochschulen (2024), von denen 317 öffentlich und 2.244 privat sind. Die öffentlichen Hochschulen unterteilen sich in die Kategorien:

  • Bundesuniversitäten (Universidades Federais), finanziert durch Bundesmittel 
  • Bundesstaatliche Universitäten (Universidades Estaduais), unterstützt von den einzelnen Bundesstaaten 
  • Städtische Universitäten (Universidades Municipais), finanziert von den Kommunen
  • Bundesinstitute für Bildung, Wissenschaft und Technologie (Institutos Federais de Educação, Ciência e Tecnologia) / Bundeszentren für technologische Bildung (Centros Federais de Educação Tecnológica)
  • Centros Universitários, auf die Lehre im Graduiertenbereich spezialisiert
  • Faculdades, Studiengänge in nur einem oder zwei Fachbereichen

Bemerkenswert sind die sieben forschungsstarken katholischen Universitäten (PUCs) mit hohen Qualitätsstandards und guten internationalen Kontakten, die unter den privat finanzierten Universitäten eine Ausnahme darstellen.

Die größte und bekannteste Universität Brasiliens ist die Universidade de São Paulo (USP), die aus Landesmitteln finanziert wird. Mit rund 98.500 (2023) eingeschriebenen Studierenden und sieben Standorten im Bundesstaat São Paulo ist sie führend in der Forschung und wird international als beste Universität Lateinamerikas eingestuft.

Studienabschlüsse

  • Graduação: Diese grundständigen Studiengänge dauern drei bis fünf Jahre. Ein kürzeres Studium bietet ein berufsqualifizierendes Diplom, während längere Programme wie Bacharelado oder Licenciatura (Lehramt) den Zugang zu postgradualen Studien ermöglichen.
  • Mestrado (Master): Dies ist der erste postgraduale Abschluss und wird üblicherweise nach zwei Jahren Studium erworben. Eine Alternative ist ein einjähriges Aufbaustudium (Especialização).
  • Doutorado (Doktorgrad): Der Doktortitel ist der höchste akademische Grad und erfordert in der Regel vier Jahre Studium, abgeschlossen durch die Verteidigung der Doktorarbeit.

Internationalisierung und Bildungskooperationen

Das Programm "Ciência sem Fronteiras" (CSF) schickte zwischen 2011 und 2015 über 90.000 brasilianische Studierende ins Ausland und steigerte die internationale Bekanntheit Brasiliens in Hochschulkreisen. Das Ende des Programms 2017 minderte die Attraktivität Brasiliens als Partnerland, obwohl die brasilianische Wissenschaft weiterhin von hoher Qualität ist. Viele Kooperationen wurden durch die Finanz- und Wirtschaftskrise und die Folgen der Coronapandemie beeinträchtigt, was besonders die Mobilitätsprogramme traf.

International mobile Brasilianerinnen und Brasilianer wählen heute oft englischsprachige Länder wie Kanada und die USA als Studienziele, während frühere Generationen europäische Länder (Portugal, Frankreich, Spanien, Deutschland und Großbritannien) bevorzugten. Allerdings stehen sie häufig vor dem Problem, dass ihre im Ausland erbrachten Studienleistungen von der Heimatuniversität nicht anerkannt werden.

Nur 29.000 Studierende an brasilianischen Hochschulen sind international (2023), aber die Zahl wächst, vor allem aus Lateinamerika und dem lusophonen Afrika. Viele brasilianische Universitäten haben Abkommen mit ausländischen Hochschulen über Forschungskooperation und Studierendenaustausch, doch administrative Strukturen sind nicht überall optimal für internationale Studierende vorbereitet. Wichtig sind Grundkenntnisse in Portugiesisch, da der Unterricht meist in dieser Sprache erfolgt.

Von 2017 bis 2023 unterstützte das PRINT-Programm von CAPES (Coordenação de Aperfeiçoamento de Pessoal de Nível Superior) 36 brasilianische Hochschulen bei der internationalen Ausrichtung, insbesondere in der Postgraduiertenausbildung. Es förderte die Mobilität von Promovierenden und Dozierenden sowie Kurzkurse mit dem Ziel, die internationale Zusammenarbeit zu stärken und die Anerkennung brasilianischer Forschung zu erhöhen. Innerhalb des Programms wurden 581 internationale Kooperationsprojekte aus 190 verschiedenen strategischen Themen gefördert. Das Programm lief Ende 2023 aus und wird ab 2025/2026 durch das neue Internationalisierungsprogramm CAPES Global abgelöst.

Zusätzlich unterstützt das DAAD-Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) deutsche Hochschulen bei der Anbahnung, Durchführung und Intensivierung ihrer internationalen Aktivitäten:

DAAD KIWi
Das Kompetenzzentrum Internationale Wissenschaftskooperationen (KIWi) unterstützt deutsche Hochschulen bei der Anbahnung und Durchführung ihrer internationalen Aktivitäten. Mit individueller Beratung, vernetzter Expertise und Impulsen für den außenwissenschaftspolitischen Diskurs.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl unserer Förderprogramme:

Zentren für Deutschland- und Europastudien
Die Zentren bilden Experten und Expertinnen aus und führen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit in der Beschäftigung mit Deutschland und Europa zusammen.
Programm des Projektbezogenen Personenaustauschs (PPP)
Das Programm fördert die Mobilität und kurzzeitige Aufenthalte zum Austausch von Hochschulangehörigen der beteiligten Partnerinstitutionen.
PROMOS – Programm zur Steigerung der Mobilität von Studierenden deutscher Hochschulen
Das DAAD-Förderprogramm PROMOS fördert die internationale Mobilität von Studierenden und Promovierenden deutscher Hochschulen.

Publikationen zum Thema Bildung und Wissenschaft finden Sie hier:

Berichte der DAAD-Außenstellen
Die Berichte der Außenstellen vermitteln ein komplexes Bild der Hochschullandschaft sowie der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lage in den jeweiligen Sitzländern und Regionen.

Im Folgenden finden Sie weitere Informationen zu Bildung und Wissenschaft in Brasilien: